Für Yvette Melchien, Leiterin des städtischen Dezernats 3 und damit Sozial- und Sportbürgermeisterin, war es eine Premiere: Bei der Einbürgerungsfeier im Bürgersaal fand sie für ihre Gäste ausdrucksstarke Worte: „Heute werden aus Zugewanderten Mitbürgerinnen und Mitbürger. Sie haben sich bewusst entschieden, Teil dieses Landes zu werden.“ Das sei nicht nur ein formaler Akt, sondern eine persönliche Entscheidung, die als Zeichen von Mut, Vertrauen und Hoffnung stehe. Rund 350 Gäste hatten den Weg in das Rathaus in den großen Saal gefunden, der komplett gefüllt war.
Stellvertretend für die Neubügerinnen und Neubürger hielt Rama Laktineh eine Rede. Darin schilderte die Hautärztin eindrücklich ihren Abschied von Syrien: „Es ist nicht leicht, die Familie, die Arbeit und die eigene Gesellschaft zu verlassen, um in einem fremden Land mit einer neuen Sprache ganz von vorne anzufangen.“ In Deutschland angekommen, waren Sprachkenntnisse und die Anerkennung ihres Abschlusses die beherrschenden Themen. Mit Unterstützung einer Heidelberger Familie nahm sie auch diese Hürden, musste aber noch mal an die Universität, bis sie schließlich nach ihrer Facharztprüfung in Karlsruhe eine Stelle fand. Die Einbürgerung dauerte, so Laktineh, 29 Monate.
"Jetzt kann ich endlich meine Zukunft planen"
„Jetzt, mit der deutschen Staatsangehörigkeit, kann ich endlich meine Zukunft planen – ruhig und sicher, ohne Angst, dass mein Aufenthalt eines Tages endet“, so die Syrerin. „Trotz aller Schwierigkeiten und Hürden, die ich hier in Deutschland erlebt habe, fühle ich mich hier wirklich zufrieden, sicher und glücklich.“
Vom 1. April bis 31. Oktober 2025 erhielten in Karlsruhe 598 Personen die deutsche Staatsbürgerschaft aus 96 Nationen, darunter 249 Frauen, 273 Männer und 76 Minderjährige - darunter Syrerinnen, Russen, Türkinnen und Ukrainer.
Zur Feierstunde zeigte das erste Orchester des Helmholtz-Gymnasiums unter Leitung von Doris Dotzauer sein Können. Das Ensemble kredenzte seinem Publikum internationale Ohrenschmeichler von Antonín Dvořák, Karl Jenkins und Dmitri Shostakovich. Mit einem Text von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und der Musik von Joseph Haydn kam schließlich die deutsche Nationalhymne zum Klingen unter gesanglicher Mithilfe der neuen Karlsruher Mitbürgerinnen und Mitbürger. Beim anschließenden Stehempfang vor dem Bürgersaal waren sicherlich weitere Schicksale wie die von Laktineh Inhalt der Gespräche.
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