Wie sieht die Medizin von morgen aus? Wie können technologische Innovationen die Gesundheitsversorgung verbessern, ohne den Menschen aus dem Blick zu verlieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die kommende Ausgabe der EFFEKTE-Reihe am Dienstag, 6. Oktober. Drei Vorträge zeigen auf, wie moderne Technologien die Medizin stärker personalisieren und präzisieren können und gleichzeitig den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Beginn ist um 19:30 Uhr im TRIANGEL Transfer | Kultur | Raum am Kronenplatz. Der Eintritt ist kostenfrei.
Wie modern ist der Gelenkersatz heute?
Den Auftakt an diesem Abend macht Prof. Dr. med. C. A. Müller vom Städtischen Klinikum Karlsruhe. Der Vortrag widmet sich der modernen Behandlung von Hüft- und Kniegelenksarthrose. Neben konservativen Behandlungsmöglichkeiten geht es um den richtigen Zeitpunkt für einen endoprothetischen Gelenkersatz, aktuelle Implantate sowie deren Vor- und Nachteile. Vorgestellt werden außerdem innovative Verfahren wie minimalinvasive Zugänge und die computergestützte Navigation bei der Knie-TEP-Implantation. Moderne Konzepte wie das Fast-Track-Verfahren sollen dabei einen möglichst schonenden Operations- und Rehabilitationsablauf unterstützen.
Wie wird Rehabilitation künftig individueller?
Den Blick auf die Rehabilitation der Zukunft richtet Prof. Dr. Darko Jekauc vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Menschen unterscheiden sich erheblich darin, wie sie auf eine Rehabilitation reagieren. Trotzdem orientieren sich viele Behandlungsprogramme bislang an standardisierten Abläufen. Im Forschungsprojekt INNOVARE wird untersucht, wie unterschiedliche Informationen über Patientinnen und Patienten zusammengeführt werden können – darunter körperliche, psychologische und biologische Daten sowie Informationen zu Bewegung und Training. Ziel ist eine Rehabilitation, die stärker auf die individuelle Situation eines Menschen abgestimmt ist und Fachkräfte dabei unterstützt, die passende Therapie zum passenden Zeitpunkt auszuwählen.
Roboter in der Pflege – was können sie leisten?
Deutschland zählt rund 5,7 Millionen pflegebedürftige Menschen – Tendenz steigend. Gleichzeitig fehlen Pflegekräfte. Roboter und Künstliche Intelligenz sollen deshalb unterstützen: bei der Dokumentation, der Sturzerkennung oder körperlich belastenden Tätigkeiten. Doch was technisch möglich ist, wird nicht automatisch im Pflegealltag gebraucht. Jérémy Lefint vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT untersucht, welche Assistenztechnologien von Pflegebedürftigen und Mitarbeitenden tatsächlich angenommen werden. Seine Erfahrungen aus Pflegeeinrichtungen zeigen: Häufig sind es einfache, praktische Lösungen, die gefragt sind – und nicht die große technische Innovation.
Die Vorträge laden dazu ein, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Blickwinkeln zu betrachten und gemeinsam über Chancen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven zu diskutieren.