Noch sind die fliegenden Bewohner nicht eingezogen, aber alle 24 Nester sind ab sofort bezugsfertig: In Hohenwettersbach wurde Anfang Oktober ein Schwalbenhaus eingeweiht – das erste im Höhenstadtteil. Das am Rande des Golfplatzes Gut Batzenhof an der Ecke Rosengarten/Batzenhofweg aufgestellte Häusle ist ein Gemeinschaftsprojekt: Vier Schülerinnen des Ludwig-Marum-Gymnasiums Pfinztal haben ein halbes Jahr lang im Rahmen einer Projektarbeit in Kooperation mit der Offenen Jugendwerkstatt Karlsruhe (OJW) daran gewerkelt.
Ein „echter Spaß“ sei dies gewesen. Die Zehntklässlerinnen Lea, Nele, Jojo und Hanna hätten viel Engagement und Geschick bei diesem handwerklich anspruchsvollen Projekt gezeigt, lobte Hans Riem von der Offenen Jugendwerkstatt bei der Einweihung. Das Fundament für das mehrere hundert Kilo schwere Schwalbenhaus gossen Mitarbeitende der Golfplatzverwaltung. Hohenwettersbachs Ortsvorsteherin Elke Ernemann dankte außerdem dem NABU, dem städtischen Umweltamt und der Artenschutzstiftung des Karlsruher Zoos für die Finanzierung des Projektes. Auch das Netzwerk NATUR Bergdörfer hatte sich an der Planung beteiligt.
Schwalben in Deutschland immer seltener
Der Schwalbenbestand in Hohenwettersbach sei solide, das neue Haus solle dazu dienen, diesen zu stützen, erklärte Artur Bossert vom NABU. Der Naturschutzbund will den Vögeln mit der Aktion „Schwalben willkommen“ helfen. Denn in ganz Deutschland seien Schwalben in den vergangenen Jahrzehnten immer seltener geworden. Der Grund liege vor allem in der Beeinträchtigung der Lebensräume, die verschiedene Ursachen hat: Von der Versiegelung von Wegen und Plätzen reicht die Bandbreite über Umwandlung von Grünland in intensiv bewirtschaftete Äcker, Einsatz von Insektiziden bis hin zur modernen Fassadenbauweise. Schwalben finden oftmals keinen lehmigen Boden zum Bau ihrer Nester mehr vor und können sie an glatten Fassaden nicht mehr befestigen. In Hohenwettersbach gebe es aber zum Glück noch Naturnester an Häusern, so der Vogelexperte.
Der NABU plant nun noch die Anschaffung einer solarbetriebenen Klangattrappe für das neue Schwalbenhaus. Diese gibt artspezifische Rufe wieder und lockt so vorbeifliegende Artgenossen an. Im kommenden Frühjahr sollen dann die ersten Mehlschwalben ins neue Domizil einziehen. -jd-