Menü
eService
Direkt zu
Suche

Ersthelfer-App gestartet

Schnelle Versorgung soll Überlebenschance bei Herzstillstand steigern

Beim Kick off wird der Startschuss für die Region Lebensretter in Karlsruhe gegeben. Den Startschuss gaben Prof. Dr. Michael Müller (M.), BM Lisbach, Dr. Nicolai Thomas, Dr. Alexander Krauth und Patrick Rothermel (v.l.) sowie ILS-Leiter Stefan Sebold (2.v.l.). © Stadt Karlsruhe, Boris Burghardt

Leben retten per App? Ganz so einfach ist es zwar nicht, aber über das System des Vereins Region der Lebensretter sollen zumindest Ersthelfer schnell und koordiniert nun auch in Karlsruhe zu Notfällen bei Herz-Kreislaufstillstand gelangen können. Das System wurde für den Stadt- und Landkreis Karlsruhe jüngst bei einem Termin in der Integrierten Leitstelle (ILS) der Hauptfeuerwache in der Oststadt vorgestellt
und aktiviert.

Der plötzliche Herztod sei eine der häufigsten Todesursachen, heißt es vom Verein – demnach erlitten über 50.000 Menschen jährlich in Deutschland einen Herz-Kreislaufstillstand, nur zehn bis 15 Prozent der Patienten überlebten. Die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens nach dem Notruf – in einer Großstadt sieben bis neun Minuten, auf dem Land später – sei kaum reduzierbar. Daher habe sich seit 1990 die Überlebensrate trotz medizinischer Fortschritte praktisch nicht verbessert, erklärte Prof. Dr. Michael Müller (Erster Vorsitzender des Vereins und Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin am St. Josefskrankenhaus in Freiburg). Bereits nach kurzer Zeit treten irreversible Schäden im Gehirn auf.

Der Gedanke: Über die App können sich „Lebensretter“ registrieren, die Herzdruckmassage leisten können. Bei einem Notfall können so per Smartphone die vier am schnellsten verfügbaren Ersthelfer automatisch zum Einsatzort rekrutiert werden. Die App berücksichtige, in welcher Entfernung sich die Helfenden befinden und ob sie zu Fuß oder mit dem Auto unterwegs sind, so Müller.

Soll Ersthelfer schnell zum Einsatzort bringen: Die App des Vereins Region der Lebensretter e.V.

Das Konzept habe er 2014 bei einem Kongress in Bilbao kennengelernt und mit dem ehrenamtlichen Verein die Umsetzung und Programmierung in Deutschland angestrebt. Seit 2017 war das System zunächst in der Region Freiburg im Einsatz, mittlerweile ist es in sieben Bundesländern aktiv. Im Mittel treffe dadurch der erste Helfer nach drei Minuten und 21 Sekunden ein. Deutschlandweit hätten durch die
App 2025 bereits knapp 15.000 Einsätze stattgefunden, so der Verein. Im letzten Jahr hat der Gemeinderat den Einsatz für die Region beschlossen, die mit einem Karlsruher Ableger des Vereins umgesetzt  urde.

Für sie stelle die App den ersten Teil der Rettungskette dar, erklärte Bürgermeisterin Bettina Lisbach bei dem Termin und dankte dem Verein und ILS. Durch die spendenfinanzierte Umsetzung seien für die Stadt keine Kosten angefallen. Das System werde „in unserer Region Leben retten“, zeigte sichStadtrat Thomas Hock (FDP/FW-Fraktion) überzeugt. Bereits vor der „Live-Schaltung“ hatten sich über die App rund 450 Ersthelferinnen und -helfer registriert. -nke-

Dieser Artikel erscheint in der StadtZeitung Nr. 48 am 28. November 2025. Die Inhalte der StadtZeitung schon lesen, bevor sie im Briefkasten steckt: Im ePaper sind alle Ausgaben digital verfügbar.

-

Kopieren Kopieren Schreiben Schreiben