Durchweg positiv aufgenommen wurde in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses die Vorstellung des neuen Suchthilfe-Monitors. Nachdem 2022 bereits die Angebote der Suchthilfe in Karlsruhe zusammengestellt worden waren, sollen mit dem neuen Bericht regelmäßig wichtige Kennzahlen, Einschätzungen und Entwicklungen vorgestellt werden.
„Im Bereich der Suchthilfe erheben wir traditionell sehr viele Zahlen“, erläuterte Cordula Sailer, Drogenbeauftragte der Stadt. Ziel des Monitors sei es, mit einigen aussagekräftigen Zahlen auf mögliche zukünftige Entwicklungen hinzuweisen. So sollen bundesweite Trends – etwa die Zunahme von synthetischen Opioiden, Crack und Kokain – auch in Karlsruhe erkannt werden, um beispielsweise in der Prävention und in den Angeboten entsprechend reagieren zu können. Ein Überblick:
Suchtberatung
Die Zahl der Ratsuchenden in den hiesigen Suchtberatungsstellen ist leicht angestiegen, von 2.212 im Jahr 2022 auf 2.591 im Jahr 2024. Auch die Beratung Angehöriger hat im selben Zeitraum von 139 Beratungen auf 204 zugenommen. Der häufigste Grund für das Aufsuchen einer Beratungsstelle ist das Thema Alkohol (791 Fälle im Jahr 2024). So ist Deutschland im internationalen Vergleich ein „Hochkonsumland“, etwa 1,6 Millionen Menschen hierzulande gelten als alkoholabhängig. Auf den weiteren Plätzen der häufigsten Hauptdiagnosen in den Suchtberatungsstellen folgen Opioide (333 Fälle), Cannabis (359) und Kokain, Amphetamine sowie Ecstasy (110). Zudem ist die bundesweite Zunahme von pathologischem Spielen (78) und der Mediengebrauchsstörung (39) auch in Karlsruhe sichtbar. „Die steigenden Zahlen zeigen den Bedarf, besonders in diesem Bereich die Prävention zu intensivieren“, heißt es dazu im Bericht.
Niedrigschwellige Drogenhilfe
Der 2019 eröffnete erste Drogenkonsumraum in Baden-Württemberg, der in Trägerschaft der AWO Karlsruhe ist, wird positiv angenommen. 383 Personen waren Ende November registriert und nutzten das Angebot, mitgebrachte Suchtmittel wie Opioide oder Kokain unter hygienischen Bedingungen und unter Aufsicht zu konsumieren. „Der Drogenkonsumraum wird von vielen genutzt, aber nicht von allen“, so Cordula Sailer. Ein Teil verbleibe weiterhin im öffentlichen Raum. 85 Prozent der registrierten Personen im Drogenkonsumraum sind Männer, das Durchschnittsalter liegt bei 41 Jahren. Gut genutzt wird auch das Angebot, Konsumutensilien wie Spritzen und Kanülen zu tauschen.
Suchtprävention
Im Blick hat die Suchthilfekoordination auch riskant konsumierende Jugendliche und junge Erwachsene. Für diese wurde ein seit rund 20 Jahren bestehendes Konzept angepasst: Im Rahmen des Angebots „Harmless – Über Drogen Bescheid wissen“ wurden bereits 15 ehrenamtliche Personen geschult. Von hauptamtlichen Mitarbeitenden unterstützt, suchen sie Partys und Veranstaltungen der elektronischen Tanzmusik auf. Auf diese Weise wurden bereits mehr als 1.200 junge Menschen angesprochen und niedrigschwellig über Risiken aufgeklärt. Denn die Risiken beim Konsum hochpotenter synthetischer Opioide sind groß.
Zum Thema Suchtverhalten ist auch ein neuer Präventionsfilm in Arbeit, der Schülerinnen und Schüler emotional ansprechen soll. Im schulischen Kontext finden Elternabende zum Thema „Medienkonsum“ und Workshops für die Klassenstufen 7 bis 9 statt.
Substitution
Die Zahl der Substitutionspatientinnen und -patienten lag im Jahr 2024 bei insgesamt 593. Diese erhalten über ärztliche Substitutionspraxen eine Drogenersatztherapie. Die Anzahl an Substitutionsplätzen ist in Karlsruhe derzeit ausreichend. Bedingt durch die Schließung von Arztpraxen im Netzwerk könnte es jedoch zukünftig zu Versorgungslücken kommen. -jd-