Mit frischen Impulsen und gestärkten Partnerschaften ist eine hochkarätige Karlsruher Delegation unter Leitung von Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup von einer Reise durch die indischen Metropolen Pune, Mumbai, Nagpur und Hyderabad zurückgekehrt. Die Reise unterstreicht zugleich die Sonderstellung Karlsruhes als zentralen „India Hub“ in Deutschland, was vor Ort auch spürbar sei, gerade nach den Besuchen des Bundeskanzlers und der EU-Präsidentin in Indien, wie der deutsche Generalkonsul Christoph Hallier in Mumbai unterstrich: Diese Partnerschaft sei sehr gewachsen in den vergangenen Jahren, bringe Menschen zusammen – und das funktioniere in vielen Bereichen hervorragend.
Gewachsene Beziehungen als Erfolgsgarant
Der Erfolg des deutsch-indischen Netzwerks in Karlsruhe basiert dabei auf einem ganzheitlichen Modell, das unter anderem Wirtschaft, Wissenschaft, Events, Verwaltung, Kultur, Tourismus und Zivilgesellschaft eng verzahnt – wie auch bei dieser Delegationsreise, bei der rund 20 Unternehmen, Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Verwaltung, Tourismus und Kultur sich passgenau austauschten und neue Projekte anstießen. Während andere Kommunen auf Einzelprojekte setzen, fährt das India Board Karlsruhe mit seinen rund 250 Teilnehmern seit Jahren eine langfristige Strategie – erfolgreich, wie der deutsche Generalkonsul konstatierte. Die Stärke liege dabei in einer institutionellen Kontinuität, einer gelebten Verlässlichkeit auf Augenhöhe zwischen den Partnern.
Aktivitäten: Innovation, Fachkräfte, Kultur und Tourismus
Für die mitgereisten Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen aus der Technologieregion Karlsruhe wurden Partnerschaften mit indischen Universitäten und Firmen politisch flankiert – zum Beispiel beim Besuch der indischen Leit-Konferenz der Automobilindustrie, der „SIAT Expo“ in Pune, bei der ein Abkommen zur Zusammenarbeit zwischen KIT und dem indischen Automobilverband „ARAI“ (Automotive Research Association of India) unterzeichnet wurde, oder beim Austausch mit der Startup-Szene in Hyderabad. Dabei war die Leistungsfähigkeit der Industrien und der mittelständischen Unternehmen beeindruckend. Aus den Kontakten heraus ergeben sich zahlreiche Ansätze zu Kooperationen im Technologietransfer, in Lieferketten und der Förderung von Startups.
Zudem diente die Reise auch der Gewinnung von indischen Investoren für die Region Karlsruhe, denn immer mehr indische Firmen expandieren international, arbeiten dabei auch in verschiedenen Branchen mit deutschen Firmen zusammen. Karlsruhe als herausragenden Standort für mittelständische indische Firmen zu etablieren und indische Finanzinvestoren für Projekte zu gewinnen, war ebenfalls Ziel der Reise. Denn allein in den vergangenen zwei Jahren konnten schon zehn neue indische Firmen in und um Karlsruhe angesiedelt werden.
Karlsruhe wird immer häufiger im Bundesstaat Maharashtra auch als Stadt wahrgenommen, in der die indische Kultur fest verankert ist. Das unterstützen die erfolgreichen India Summer Days und die India Week, die in diesem Jahr erweitert werden, dabei stets auch ein internationales Publikum nach Karlsruhe bringen – gerade vor dem Hintergrund der bestehenden Partnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Maharashtra. Für die India Week wurden neue Projekte auf den Weg gebracht; unter anderem mit dem Goethe-Institut in Pune und der „Mehli Mehta Music Foundation“, die im Juni mit den „Ulmer Spatzen“ ein gemeinsames Konzert in Karlsruhe abhalten. Dazu gab es noch einen Austausch mit Tänzer und Choreograf Hrishikesh Pawar in Pune, dem künstlerischen Leiter des Centre of Contemporary Dance, und Lichtkünstler Nikunj Patel aus Mumbai, der für die Schlosslichtspiele 2026 ausgezeichnet wurde.
Für Karlsruhe Tourismus ist der Kontakt zu indischen Reiseveranstaltern wertvoll, schließlich ist Indien einer der am schnellsten wachsenden Auslandsmärkte für Tourismus. Immer mehr indische Reisende sind weltweit unterwegs, kommen auch in den deutschen Südwesten. Dabei zeigen die Nachfragen, so KTG Karlsruhe Tourismus GmbH, dass indische Touristen zunehmend anspruchsvoller agieren: Sie erwarten authentische Erlebnisse vor Ort, lassen sich bei ihren Reiseentscheidungen auch von sozialen Medien inspirieren. Karlsruhe kann dabei gleich zweifach punkten: Hier verbinden sich Urbanität und Kultur in der UNESCO City of Media Arts mit Naturerlebnissen im unmittelbaren Umland. Dabei ist es wichtig, den „indischen Schwung“ Karlsruhes mitzunehmen, die Stadt dabei als zentrale Anlaufstelle zu positionieren, gewissermaßen auch als „Gateway to the Black Forest“.
Diese weiter steigende Attraktivität der Region Karlsruhe mit ihren Plätzen zum Arbeiten, Forschen und Leben zieht auch immer mehr Studierende und Fachkräfte aus Indien an. Die Hochschule Karlsruhe vereinbarte auf der Reise eine noch engere Zusammenarbeit im Studierendenaustausch mit der Privatuniversität „NMIMS“ (Narjee Monjee Institute of Management Studies) in Mumbai und der Pimpri Chinchwad Universität in Pune. Im Fokus stehen dabei auch Projekt- und Forschungsarbeiten, die sich mit der Transformation von Industriegebieten in Indien und Deutschland beschäftigen. Hier engagiert sich die Stadt Karlsruhe mit dem Stadtplanungsamt und der Wirtschaftsförderung, um das Thane-Belapur-Gewerbegebiet im Westen Mumbais nach den Nachhaltigkeitszielen der UN umzugestalten.
Gerade um diese vielen guten bilateralen Beziehungen weiter voranzubringen, brauche es ein starkes Engagement der aktiven Akteure, so der Generalkonsul, der sich schwer beeindruckt zeigte, was Karlsruhe seit Jahren alles mache – und die handelnden Akteure beim Austausch in der Indo-German Chamber of Commerce in Mumbai zusammen mit Director General Jan Noether aufforderte, diese Brücke nach Indien weiter zu pflegen. Das Bundesland Maharashtra habe signalisiert, künftig diese Kontakte nach Karlsruhe auch gezielt weiter stärken und intensivieren zu wollen.
Neben der Vielzahl der bereits laufenden Kooperationen, die für beide Seiten gute Ergebnisse liefern, werde diese erfolgreiche Zusammenarbeit nun weiter ausgebaut. Gerade vor dem Hintergrund der Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien ist Karlsruhe in bester Position, um mit den etablierten hervorragenden Beziehungen die Chancen in diesem Wachstumsmarkt auf allen Ebenen zu nutzen. Ob Dialog mit indischen Start-ups, kultureller Austausch, Ansiedelungen, Abkommen zwischen Spitzenhochschulen oder neue Wege für den Wissenstransfer: Karlsruhe positioniert sich in Indien als attraktiver Standort. Dieser Fokus wird durch eine starke kulturelle Basis gestützt, die zugleich auch eine attraktive Sichtbarkeit schafft. Die Partnerschaft mit der Deutsch-Indischen Gesellschaft sorgt zudem dafür, dass aus den vielen Kontakten auch tiefgreifende gesellschaftliche Verbindungen wachsen.
Die Delegationsreise hat eindrücklich aufgezeigt, dass Karlsruhe ein verlässlicher Partner ist; ein Ankerpunkt für indische Kooperationen. Gerade durch die Bündelung von Kompetenzen in den einzelnen Bereichen bleibt die Region Vorreiter der deutsch-indischen Zusammenarbeit. (jow)