Ob es wirklich dazu kam, ist bis jetzt nicht bekannt, aber den Segen des Oberbürgermeisters hätte es gegeben: "Bis zum Heiratsantrag ist heute alles erlaubt", ermunterte Dr. Frank Mentrup beim Jahresempfang der Stadtverwaltung und des Gemeinderats, größtmögliches "Miteinander" zu pflegen. Auch in Zeiten knapper Kassen sei eine Plattform für den persönlichen Austausch wichtig, so das Stadtoberhaupt. Es bedürfe einer "Alternative zu den unseligen Diskussionen und Auseinandersetzungen im Netz", sowie einer Förderung des Zusammenhalts. Wenn nur noch Einzelkämpfer unterwegs seien, "wird sich die Gesellschaft nicht gut weiterentwickeln", warnte der OB.
Europa stärken
Ein weiteres wichtiges Thema war für Mentrup die zurückliegende Bundestagswahl. Nach einem ebenso leidenschaftlich wie engangiert geführten Wahlkampf habe die außerordentlich hohe Wahlbeteiligung beeindruckt. Er werte dies als "grundsätzliche Akzeptanz für unser System und eine stolze Legitimation für die im Bundestag vertretenen Mandatsträger aus Karlsruhe". Von dem neu gewählten Parlament erhofft sich das Stadtoberhaupt einen Politikwechsel mit stärkerer Berücksichtigung europäischer Interessen. Wenn Europa nicht geschlossen auftrete, "werden wir uns in ein paar Jahren noch umschauen", so Mentrup.
"KIT und Stadt nicht zu trennen"
Im Mittelpunkt des alle zwei Jahre stattfindenden Jahresempfangs stand dieses Mal das Jubiläum "200 Jahre KIT". Hierzu hatten sich der neue KIT-Präsident Prof. Dr. Jan Hesthaven und die Mobilitätsforscherin Dr. Franziska Meinherz zu einer Talkrunde mit dem OB und Moderatorin Nicole Köster zusammengefunden. Während Mentrup und Hesthaven jeweils für sich beanspruchten, „den coolsten Job in Karlsruhe“ auszuüben, waren sich beide darin einig, dass man auf die Leistungen und das Renommee des KIT stolz sein könne. "KIT und Stadt - das ist nicht zu trennen", betonte der OB, die Entwicklung sei eng mit der gesamten Stadtgeschichte verknüpft. Studierende und Mitarbeitende aus rund 120 Ländern stünden für die Weltoffenheit der Fächerstadt.
Auch KIT-Präsident Hesthaven würdigte die "komptente, offene und engagierte Gemeinschaft" an seiner Hochschule. Allerdings „müssen wir international sichtbarer und attraktiver werden“, lautete sein Wunsch für die kommenden Jahre. Für die internationale Ausrichtung steht unter anderem Franziska Meinherz. Die 33-jährige Professorin kommt aus der Schweizer Klimabewegung. Bei ihrem Amtsantritt in Karlsruhe habe sie sich "in ein gemachtes Nest setzen" können, da die Strukturen ideale Voraussetzungen böten. Insbesondere hob sie den interdisziplinären Ansatz bei der Verkehrsforschung hervor, der weit über die reine Betrachtung technischer Systeme hinaus gehe. Mit einer erfrischenden These sorgte Meinherz zudem für Aufsehen: Die zahlreichen Karlsruher Baustellen sehe sie als „eine enorme Chance, um verfestigte Mobilitätsgewohnheiten zu hinterfragen“.
Jazz und Breakdance
Auch bei der musikalischen Umrahmung des Abends setzte das KIT Akzente. Nachdem zum die KAmpus KApelle mit Pauken und Trompeten das zünftig das Badnerlied intonierte, sorgte anschließend das Uni Tanzorchester am KIT für den richtigen Sound. In den Pausen dazwischen beeindruckte das Team Combo vom Combo Hip-Hop Kulturzentrum Karlsruhe mit seiner akrobatischen Breaking-Streetshow.