Sie sehen wie normale Sonnen- oder Alltagsbrillen aus, im Inneren steckt aber jede Menge Technik: Die Rede ist von sogenannten Smartglasses. Integrierte Kameras, Mikrofone und Lautsprecher ermöglichen es dem Tragenden etwa, aus der eigenen Perspektive Fotos und Videos zu machen oder Gespräche aufzunehmen. Das Problem: Wird die kleine LED-Leuchte, die den Aufnahmemodus anzeigt, überklebt oder übermalt, kann heimlich gefilmt werden, ohne dass das Gegenüber es merkt. Diese Form der digitalen Gewalt sowie der notwendige Schutz der Betroffenen waren in den vergangenen Monaten immer wieder Thema in der Öffentlichkeit.
„Betroffenen ist oftmals nicht ersichtlich, dass heimlich Aufnahmen von ihnen erstellt werden. Vielfach landen so angefertigte Aufnahmen anschließend in öffentlichen Medien, ohne Einwilligung und Wissen der Betroffenen“, argumentiert auch die Linken-Fraktion. „Wir wollen daher frühzeitig aktiv werden und auf das Problem hinweisen“, erklärte Tanja Kaufmann in der Sitzung. Ihre Fraktion fordert, dass die Haus- und Bäderordnung der Karlsruher Bäder um ein Verbot des Tragens und Nutzens von Smartglasses ergänzt wird. Insbesondere in Bäderbetrieben sei Handeln geboten, da heimliche Aufnahmen in den sehr intimen Sauna- und Badebereichen mit besonders gravierenden Folgen für die Betroffenen verbunden seien, so die Begründung.
Bei der Behandlung des Themas im Bäderausschuss wurde deutlich, dass die Karlsruher Bäderverwaltung bereits tätig war. „Wir haben das Thema schon länger auf dem Schirm“, erläuterte Bäderchef Oliver Sternagel. Aktuelle Fälle gebe es keine, man handle rein präventiv. So wurden zunächst Informationen zur Thematik gesammelt, etwa zu Aussehen und Manipulationsmöglichkeiten von Smartglasses, um die Mitarbeitenden zu schulen und zu sensibilisieren. Zudem wurden Aufkleber, die auf das Verbot hinweisen, angefertigt und an die Bäder ausgeteilt. Eine Änderung der Haus- und Badeordnung sei in Planung. Sternagel betonte aber auch: Es sei bereits ein Passus in der Bäderordnung vorhanden, der das Filmen und Fotografieren untersage. Wie man mit Smartglasses als Hilfsmittel für Sehbehinderte umgehe, müsse rechtlich noch geklärt werden. Hier sei man auch im Austausch mit Bäderbetrieben anderer Kommunen.