Für Studierende ist Wohnraum ein knappes Gut. Manche Menschen, die Unterstützung benötigen, haben Platz. Aus dem Gedanken entstand das „Wohnen für Hilfe“-Programm der Paritätischen Sozialdienste und des Studierendenwerks. Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup übernimmt die Schirmherrschaft.
Hilfe statt Miete
Die Idee: Senioren, Alleinerziehende oder Menschen mit Behinderungen – etwa Bewohnerinnen und Bewohner der Hagsfelder Werkstätten und Wohngemeinschaften (HWK) – wohnen zusammen mit Studierenden. Letztere bezahlen größtenteils keine Miete, sondern nur die Nebenkosten. Dafür leisten sie Hilfe und bieten Gesellschaft – grob pro Quadratmeter eine Stunde im Monat. Pflegedienste zählen dabei nicht zu ihren Aufgaben.
Das Projekt wurde 2010 ins Leben gerufen, seitdem existierten 257 Wohnpartnerschaften, sie dauerten zwischen drei Monaten und acht Jahren. Das Konzept sei ideal gegen Wohnraummangel, betont Mentrup bei einem Treffen mit den Beteiligten. Eine Teilnahme biete sich auch für Menschen an, die Unterstützung bräuchten, aber keine 24-Stunden-Pflegekraft – so könnten Seniorinnen und Senioren länger zu Hause wohnen. Auch dort, wo ein erwachsenes Kind auszieht, aber immer noch Hilfe in der Familie gebraucht wird, eigne sich das Konzept zum Ausprobieren.
Simone Papamichail, Wohnberaterin der Hagsfelder Werkstätten (HWK), betreut eine Beiertheimer WG, in der vier Menschen mit Behinderung mit vier Studierenden leben. Es gehe um schöne, gute Freizeit miteinander. „Studierende bringen immer Menschen mit, es ist immer was los.“ Ein Grafikstudent habe den Innenhof verschönert, andere seien gemeinsam Motorrad gefahren.
"Soziale Horizonterweiterung"
Gerade für Studierende mit nicht-sozialen Studiengängen könne das übergreifende Zusammenleben als soziale Erweiterung dienen, befindet Mentrup, der als Arzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet hat. Für Studierende mit nicht-sozialen Studiengängen könne die WG als „soziale Erweiterung“ dienen, befindet Mentrup, der als Arzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie gearbeitet hat. Solche Lösungen – sowohl beim Zusammenleben mit Menschen mit und ohne Behinderung – seien „eine Riesenchance“ für eine Horizonterweiterung, die man sonst nicht bekäme. Das stelle nicht nur ein Opfer dar, sondern mache ein Stück weit glücklicher.
Welche Voraussetzungen sollten Studierende mitbringen? Es brauche vor allem Offenheit und die Bereitschaft dazu, sich darauf einzulassen, betont Papamichail. Bei der HWK-WG übernehmen Fachkräfte pflegerische Aufgaben, soweit nötig.
Claudia Altmeyer, eine Bewohnerin des inklusiven Wohnprojekts, zeigt sich begeistert von der Gemeinschaft und erinnert sich an eine 15jährige Jubiläumsfeier 2025, bei der alle bisherigen Studierenden mit ihren Familien vorbeikamen. Sina Lang, die Bauingenieruwesen studient, wohnt in einer WG mit Seniorinnen, zusammen mit anderen Studierenden: „Unter der Woche passen wir abends auf sie auf, spielen Brettspiele, am Wochenende unternehmen wir etwas, machen auch eigene Vorschläge.“ Sie schätzt das familiäre Verhältnis, teilweise verbrächten sie Weihnachten und Silvester zusammen.
Auch für Auszubildende möglich
Die Anfragen nähmen zu, erklärt die Psychologin Maike Sommer, die das Wohnprogramm mit Senioren betreut. „Heute morgen hat eine Studentin aus Laos angerufen – eine normale WG war für sie nicht das richtige.“ Auch Auszubildende fragen an. Für sie existiert mittlerweile ebenfalls ein Format, das erweiterte Projekt „Wohnen für Hilfe Plus“. -nke-