Bevor die ersten Menschen im Neubaugebiet "Oberer Säuterich" einziehen können, müssen erst einmal die bisherigen Bewohner des Areals auf den Friedhof umziehen. Klingt wie ein makabrer Scherz, ist aber essentielle Voraussetzung dafür, dass am Rande von Durlach-Aue dereinst die Bagger rollen können. Denn im künftigen Baugebiet findet sich ein bedeutendes Vorkommen der streng geschützten Wechselkröte.
"Wichtige Grünoase in der Stadt"
Damit für diese bedrohte Amphibienart weiterhin Lebensräume in der Fächerstadt erhalten bleiben, haben Gartenbauamt, Stadtplanungsamt, Friedhof- und Bestattungsamt sowie die Ortsverwaltung Durlach an einem Strang gezogen und eine Lösung gefunden. Auf der Erweiterungsfläche für den Auer Friedhof werden insgesamt 11.200 Quadratmeter als neues Wechselkröten-Habitat angelegt. Das Besondere daran ist, "dass die Biotope keine Fremdkörper sind", wie Bürgermeisterin Bettina Lisbach beim ersten Spatenstich für das auf rund 800.000 Euro veranschlagte Projekt erklärte. Vielmehr würden die Laichgewässer mosaikartig in die künftigen Bestattungsflächen eingebettet. Für Lisbach ist diese Verzahnung von Friedhofsplanung und Naturschutz stimmig: "Friedhöfe sind nicht nur ein Ort der Trauer und des Abschieds, sondern auch wichtige Grünoasen in der Stadt."
Zwei Jahre Entwicklungspflege
Gleichzeitig gehe es darum "Eingriffe wie ein Neubaugebiet so gut es geht zu kompensieren", führte die Umweltdezernentin weiter aus. Amphibien bedürften generellen Schutzes, da sie stark unter den Auswirkungen des Klimawandels litten, und im Falle der Wechselkröte habe Karlsruhe eine besondere Verantwortung. Mit vier Standorten gebe es im Stadtgebiet ein bedeutendes Vorkommen dieser auf der Roten Liste stehenden Art. Daher steckt in dem Kröten-Umzug eine umfangreiche Vorbereitung. Das Büro "stadt landschaft plus" hatte bereits 2020 mit dem Vorentwurf und zwei Jahre später mit Ausführungsplanung begonnen. Weitere zwei Jahre soll nun die Entwicklungspflege des neuen Habitats dauern, bis die Amphibien in ihrem neuen Domizil heimisch werden. Darüber hinaus sind weitere Ausgleichsflächen in Durlach geplant, informierte Rolf Basse vom Gartenbauamt. So müssten beispielsweise Gehölze für die Vogelbrut angelegt werden.
Raum für 800 Einwohnerinnen und Einwohner
Das Baugebiet "Oberer Säuterich" ist eines der größten Erweiterungsflächen für Wohnbebauung. In dem Areal zwischen B3, Fiduciastraße und der Straßenbahnlinie 2 sollen auf einer Fläche von 12,7 Hektar rund 385 Wohneinheiten, eine Kindertagesstätte und eine Pflegeeinrichtung entstehen. Dies schafft Wohnraum für rund 800 Bürgerinnen und Bürger geschaffen werden. Zudem sind Grün- und Gartenräume vorgesehen. Das Bebauungsplanverfahren ist derzeit in Bearbeitung. -eck-