Über viele Jahre war das Gebiet des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) zwischen Nordschwarzwald, Pfalz und Kraichgau unverändert geblieben. In diesem Jahr erfährt der KVV nun einen deutlichen Zuwachs durch den Beitritt des Verkehrsverbunds Pforzheim-Enzkreis (VPE). Künftig können Fahrgäste mit dem KVV-Tarif bis vor die Tore Stuttgarts fahren.
Mit der Sitzung des Aufsichtsrats am Dienstag dieser Woche nahm die neue Verbundstruktur ihre Arbeit auf. Erstmals mit dabei waren dann auch das Land Baden-Württemberg, die Stadt Pforzheim und der Enzkreis als KVV-Gesellschafter. „Ein schöner Tag für den öffentlichen Nahverkehr in der Region“ nannte Verkehrsminister Winfried Hermann bei einem Pressetermin diesen Schritt. Das Land unterstützt die Bildung größerer Verwaltungseinheiten auch finanziell, weil „kleinere Verbünde mit komplexen Abrechnungsmechanismen überfordert sind“, so Hermann.
Großer Vertrauensbeweis
Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup sprach als KVV-Aufsichtsratsvorsitzender von einem „großen Vertrauensbeweis in der Region“, der den Zusammenschluss ermöglicht habe. Er sei „stolz wie Bolle“, dass sich das VPE-Gebiet Karlsruhe und nicht Stuttgart zugewandt habe, bekannte Mentrup. Weil das Deutschland-Ticket inzwischen rund 85 Prozent der Einnahmen ausmacht, sind die voraussichtlich bis Ende des Jahres umgesetzten Auswirkungen auf die Tarifstruktur weniger gravierend.
Dafür kümmerten sich Verbünde verstärkt um Aspekte, so der OB, „die neben der klassischen Bahn und dem klassischen Bus eine Rolle spielen“. Hierzu zählte er beispielsweise die „Regio-Move“-App, das Fahrradverleihsystem „Nextbike“ oder das Projekt „CiCoBW“ für Ticket Check in und Check out. Zudem könne „man über den einen oder anderen Schritt nachdenken“, wie verstärkte Zusammenarbeit in der TechnologieRegion oder bei Hochschulen.
„Wir haben die richtige Entscheidung getroffen“, zeigte sich Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch überzeugt, „das ist für unsere Bürgerinnen und Bürger ein absoluter Mehrwert“. Bastian Rosenau, Landrat des Enzkreises, betonte, dass „wir über Grenzen hinaus denken müssen“. Daher sollen die guten Kontakte mit dem Verkehrsverbund Stuttgart weiter ausgebaut werden, um dem östlichen Kreisgebiet attraktive Angebote zu ermöglichen. -eck-