Der Ring um das BBBank-Wildparkstadion soll nach Walther Bensemann benannt werden. Das hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung einstimmig beschlossen. Der 1873 in Berlin geborene und 1934 in Montreux verstorbene Bensemann habe sich um den Fußball in Karlsruhe verdient gemacht, befand das Gremium. Die Ehrung wurde durch die FDP-Fraktion 2016 im Hinblick auf das mittlerweile fertiggestellte Stadion angeregt.
Bensemann kam auf einer englischen Privatschule in der Schweiz mit der in Europa noch weitgehend unbekannten Sportart in Berührung. 1889 zogen seine Eltern nach Karlsruhe. Noch im selben Jahr gründete er den International Football Club (IFC), 1891 folgte die Gründung des Karlsruher Fußballvereins (KFV) und zwei Jahre später die Karlsruher Kickers. Weitere Vereinsgründungen betreute Bensemann in Straßburg, Baden-Baden, Freiburg, Mannheim und anderen Städten – darunter die Fußballabteilung des MTV München, Vorläufer des FC Bayern.
Zusätzlich zu den Vereinsgründungen bemühte sich Bensemann um die Organisation internationaler Fußballspiele, darunter die sogenannten Ur-Länderspiele gegen französische und englische Mannschaften. Das stellte einen Beitrag zur Völkerverständigung dar, da sich unterschiedliche Nationalitäten dadurch außerhalb von Schlachtfeldern gegenüberstanden. Nationaldenken lehnte Bensemann ab: „Auf den Geburtsort eines Menschen kommt es so wenig an, wie auf den Punkt, von wo er in den Hades fährt“, brachte er zum Ausdruck. Mit seiner Unterstützung wurde auch der Deutsche Fußballbund gegründet.
Hauptberuflich arbeitete Bensemann als Lehrer in der Schweiz und in Großbritannien. 1920 gründete er die heute noch erscheinende Zeitschrift „Kicker“. Bensemann, selbst jüdisch, musste sich auf Druck der Nazis 1933 aus der Pressearbeit zurückziehen und wanderte in die Schweiz aus. Dort starb er im November 1934. -red-/-nke-