Wenn sich eine Persönlichkeit wie Wolfgang Benz "ungemein besorgt über die Entwicklung unserer Demokratie" zeigt, dann sollte dies ein Weckruf sein. Denn die Stimme des 84-jährigen Historikers hat Gewicht. Seit vielen Jahrzehnten forscht der gebürtige Ellwangener zu Antisemitismus, Vorurteile und Nationalsozialismus. Über die dabei gewonnenen Erkenntnisse referierte Benz auf Einladung der Stadtverwaltung bei der Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar im Badischen Staatstheater.
"Für Schuld und Scham gibt es kein Ende"
Dabei stellte sich der frühere Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin einmal mehr in den Dienst der Aufklärung, die für ihn "eine Haltung und kein schnell wirkendes Wundermittel ist". Erinnerung sei "das Fundament aller Zivilisiertheit nach der nationalsozialistischen Barbarei". In seinem Vortrag zeigte Benz zunächst in fünf Stufen auf, wie die jüdische Bevölkerung Deutschlands erst gedemütigt, dann drangsaliert, entrechtet, ihrer ökonomischen Grundlage und schließlich ihrer physischen Existenz beraubt wurde. Dabei "ging es um Menschen wie wir; Menschen die gleiches Recht und gleiche Würde hatten". Die Erinnerungskultur der Nachkriegszeit habe zunächst "Jahrzehnte der Amnesie, in denen vor allem der Schlussstrich gefordert wurde", hervorgebracht. Erst mit der Fernsehserie "Holocaust" und dem Film "Schindlers Liste" habe Hollywood die Erkenntnis über beispiellose Verbrechen der Nationalsozialisten in breite Bevölkerungsschichten getragen. "Für diese Schuld und Scham gibt es kein Ende", unterstrich Benz, "die Empathie für Israel und die Juden ist die angemessene Haltung aus historischem und moralischen Bewusstsein". Dies gelte auch für Deutsche mit Migrationshintergrund.