Inklusion Plus Award 2026
Für öffentliche Orte im Karlsruher Stadtgebiet liefert die Web-App Karlsruhe barrierefrei vielfältige Informationen. In der Kartenanwendung sind zahlreiche Ortsinformationen zu öffentlichen Einrichtungen im Stadtplan hinterlegt. Die Angaben beantworten zahlreiche Fragen, zum Beispiel:
Ulrike Wernert
Behindertenbeauftragte Stadt Karlsruhe
Defekte Aufzüge oder Stufen ohne Rollstuhlrampe im Eingangsbereich von Gebäuden – all das kann im Alltag für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen unüberwindbare Hürden darstellen.
Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit sind besonders betroffen, etwa weil sie eine Gehhilfe benutzen oder mit dem Kinderwagen unterwegs sind.
Um ihren Besuch in einem öffentlichen Gebäude zu planen, benötigen sie Informationen zu dessen barrierefreiem Zugang.
Mit der interaktiven Kartenanwendung leistet die Stadt Karlsruhe seit 2016 einen Beitrag zum Thema Barrierefreiheit. Damals nahm das Liegenschaftsamt erstmalig Informationen zur Barrierefreiheit öffentlicher Orte bei Begehungen auf.
Auch die Web-App Karlsruhe barrierefrei wurde überarbeitet. Optimiert wurde die gesamte Benutzerfreundlichkeit.
Folgende Funktionen stehen zur Verfügung:
In der Übersichtskarte sind alle aufgenommenen Orte mit Informationen zur Barrierefreiheit zu finden. Diese können nach Stadtteil, Kategorie und Merkmalen für Barrierefreiheit gefiltert werden. Um die Detailinformationen abzurufen, können die Orte in der Karte oder alternativ über eine Listenansicht ausgewählt werden. Die Karte zeigt ferner die Positionen von Gebäudeeingängen und Aufzügen an. Ergänzt wird die Karte durch interessante Orte – Points of Interest (POI) – aus dem Geoportal. Dazu zählen Behindertenparkplätze, Blindenampeln oder Haltestellen mit Angaben zur Barrierefreiheit. Außerdem kann die Hintergrundkarte geändert und der aktuelle Kartenausschnitt geteilt werden.
Über die Seite Orte in Ihrer Nähe können die nächstgelegenen Orte innerhalb von einem bestimmten Umkreis gefunden werden. Dazu zählen nicht nur die Orte mit Informationen zur Barrierefreiheit, sondern auch andere interessante Orte wie zum Beispiel Behindertenparkplätze, Haltestellen oder Toiletten.
Auf der Seite Live-Informationen von Aufzügen wird in Echtzeit angezeigt, ob Aufzüge an den U-Haltestellen und Bahnhöfen gerade fahren oder außer Betrieb sind.
Unter Neuigkeiten und Informationen finden sich aktuelle Neuigkeiten rund um das Projekt.
Für Menschen, die die Anwendung mit einem Screenreader verwenden möchten oder Schwierigkeiten bei der Nutzung von Karten haben, steht eine Text-Version zur Verfügung. Hier sind alle Orte mit Informationen zur Barrierefreiheit sowie die Live-Informationen zu den Aufzügen in Textform hinterlegt und können bei Bedarf vorgelesen werden.
Bei der Optimierung setzte die Stadt auf Kooperationen mit Expertinnen und Experten. Ehrenamtliche Mitarbeitende verschiedener Interessensvertretungen von Menschen mit Behinderungen haben hier unterstützt.
Die Stadt Karlsruhe und deren Sozial- und Jugendbehörde wurde mit dem Inklusion Plus Award 2026 für das Projekt „Web-App Karlsruhe barrierefrei“ ausgezeichnet. Mit dem Preis des Landesverbandes Selbsthilfe Körperbehinderter Menschen Baden-Württemberg e.V. werden Projekte ausgezeichnet, die den Gedanken der Inklusion und Barrierefreiheit vorbildlich umsetzen.
Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup zeigte sich erfreut über den Preis für Karlsruhe: „Inklusion ist besonders dort stark, wo sie gemeinsam entwickelt wird. Nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg, sondern mit ihnen. Nicht als Sonderlösung für wenige, sondern als selbstverständlicher Bestandteil unseres Gemeinwesens.“
16 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer wurden Mitte März 2026 geschult, um neue Orte im Stadtgebiet in „Karlsruhe barrierefrei“ aufzunehmen. Die Datenaufnahme – das sogenannte Mapping – erfolgt über einen digitalen Fragebogen am Smartphone. Über die technische Anbindung werden die Daten in der Web-App „Karlsruhe barrierefrei“ und der Wheelmap hinterlegt. Im Weiteren sind Events mit Auszubildenden oder Schülerinnen und Schülern geplant.
Die Datenaufnahme ist mit einem hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand verbunden. Daher war eine dauerhafte Aktualisierung der Orte in der Web-App nicht möglich. Deren Daten waren infolge dessen veraltet. Sie auf den neuesten Stand zu bringen, ist ein wichtiges Anliegen der Stadt.
Um diesen Prozess zu vereinfachen, kooperiert das Projekt „Karlsruhe barrierefrei“ seit 2021 mit den Sozialhelden e.V. Der gemeinnützige Berliner Verein hat das Community-Projekt Wheelmap.org an den Start gebracht: Eine digitale Karte – die „Wheelmap“ – macht Informationen zu barrierefreien Orten weltweit für alle Menschen zugänglich.
Karlsruhe barrierefrei ist an eine technische Schnittstelle der Wheelmap angebunden. Das bringt zahlreiche Vorteile für die Aktualisierung der Datenbestände. Ebenso können neue barrierearme Orte in Karlsruhe einfacher in die Web App aufgenommen werden. Die Basis dafür bildet ein digitaler Fragebogen (Survey) der Sozialhelden.
Marcus Albert
Liegenschaftsamt
Durch den neuen Survey ist die Aufnahme von Orten nicht nur für städtische Angestellte einfacher geworden, sondern es ist nun auch möglich die Öffentlichkeit zu beteiligen.
Außerdem werden die Daten beim Ausfüllen des Fragebogens in einer einheitlichen Struktur gespeichert und können so direkt in der Wheelmap oder anderen Open Source-Projekten genutzt werden.
Der Fragebogen gibt standardisierte Kriterien für Barrierefreiheit vor, mit denen Freiwillige die Infrastruktur in Gebäuden prüfen können. Sie messen etwa, wie breit und hoch Treppenstufen oder Türen sind und prüfen, ob funktionierende Aufzüge oder behindertengerechte Toiletten vorhanden sind. Die aufgenommenen Daten werden in den Fragebogen eingetragen und über eine Schnittstelle in der Web-App aktualisiert.
Um die Funktion des digitalen Fragebogens zu testen, haben Mitarbeitende sowie Auszubildende des Liegenschaftsamts an verschiedenen Orten in Karlsruhe Informationen zur Barrierefreiheit aufgenommen. Sie waren unterwegs im Rathaus am Marktplatz, im Bürgerbüro K8 in der Kaiserallee, im Rathaus West, im Rathaus an der Alb sowie an mehreren U-Bahn-Haltestellen in der Innenstadt.
Insgesamt 50 Orte nahmen die Auszubildenden bei ihren Begehungen auf. Die Angaben ersetzen nun die veralteten Karlsruher Daten in der Web-App.
Die bei den Datenaufnahmen gesammelten Erfahrungen flossen außerdem in die Optimierung des Fragebogens ein.
Im Juni 2025 wurde die Web-App Karlsruhe barrierefrei zum IQ-Zukunftsprojekt (Gemeinsam Karlsruhe gestalten) der Stadt Karlsruhe. Eine Projektstelle bei der Sozial- und Jugendbehörde wurde für die Kommunikation, die Öffentlichkeitsarbeit, die Vernetzung, die Aufnahme von Orten und die Durchführung von Mapping-Events geschaffen. Die Leitung des Projekts hat die Kommunale Behindertenbeauftragte inne, unterstützt wird das Projekt durch das Liegenschaftsamt, die Sozial- und Jugendbehörde und die Karlsruhe Tourismus GmbH.
An der Datenaktualisierung der Web-App arbeitet seit 2021 eine Projektgruppe der Stadt Karlsruhe. Die Federführung liegt beim Liegenschaftsamt und beim Amt für Informationstechnik und Digitalisierung (IT).
Das Liegenschaftsamt übernimmt im Projekt die technische Umsetzung und Weiterentwicklung der Web-App und koordiniert an der Schnittstelle zur Wheelmap. Die Sozial- und Jugendbehörde übernimmt die strategische Planung und Steuerung im Bereich der Sozialplanung.
Um den Prozess der Datenaktualisierung zu vereinfachen, kooperiert „Karlsruhe barrierefrei“ seit 2021 mit den Sozialhelden e.V. Der gemeinnützige Berliner Verein hat das Community-Projekt Wheelmap.org an den Start gebracht: Informationen zu rollstuhlgerechten Orten werden über eine digitale Karte – die Wheelmap – für alle zugänglich gemacht. Ebenso können Freiwillige Daten zu barrierefreien Orten in die Anwendung einspeisen.
Grundsätzlich wurde darauf geachtet, dass der Survey nicht nur für die Stadt Karlsruhe entwickelt wird, sondern im Sinne des Open-Source-Gedankens zukünftig von der gesamten Community oder anderen Städten und Institutionen genutzt werden kann. Außerdem wird seit Anfang 2023 eine kondensierte Form des Surveys bei der standardmäßigen Aufnahme von Wheelmap-Orten eingesetzt. In dieser Hinsicht wird einmal mehr der große Mehrwert dieser Zusammenarbeit für alle Beteiligten deutlich.
Für die Abbildung barrierefreier Informationen haben die Sozialhelden einen Standard entwickelt – A11yJSON (A11y = accessibility, JSON = Dateiformat). Über diesen können barrierefreie Informationen in einer vordefinierten Objektstruktur abgespeichert werden. Die Orte in der Wheelmap der Sozialhelden basieren bereits auf A11yJSON. Auch die Karlsruher Daten wurden in das standardisierte Format überführt und in die Datenbank der Sozialhelden (accessibility.cloud) importiert. Dadurch ist es zukünftig möglich, barrierefreie Informationen in der Struktur des digitalen Fragebogens der Sozialhelden in die Karlsruher Web App aufzunehmen. Darüber hinaus werden die so aufgenommenen Karlsruher Orte automatisch in der Wheelmap angezeigt.
Kontakt für technische Fragen: stadtplan(at)la.karlsruhe.de
Kontakt für inhaltliche Fragen: mobilitaet(at)sjb.karlsruhe.de