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Hohenwetterbacher Geschichte

Die Geschichte von Hohenwettersbach geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen „Durren­we­ter­spach“ war im Jahr 1262.

Geschichtliches im Überblick

Hohenwettersbach blickt auf eine lange Geschichte zurück. Prägenden Einfluss hatte vor allem die Familie Schilling von Canstatt, an die noch heute manch Wegstein erinnert.

Das Hohen­wet­ters­ba­cher Wappen geht auf die ersten Ortsherren von Zweibrücken-Eberstein zurück. Es setzt sich aus der Eberstein­schen Rose und dem Zweibrücker Löwen zusammen. Obwohl die Ortsherren Hohen­wet­ters­bach bereits 1281 an die Markgrafen von Baden verpfän­de­ten – 1535 ging es dann endgültig in den Besitz von Baden-Durlach über – knüpfte man 1901 an die Zweibrücken-Eberstein­sche Tradi­tion an.

Das Wappen besteht aus einem geteilten Schild. Der obere Teil ist in Gold gehalten und zeigt den halben roten Löwen an der Teilung. Im unteren silbernen Teil befindet sich eine Rose mit blauen Butzen und grünen Kelchblättern. 

Bild zeigt das Wappen von Hohenwettersbach

Erste urkundliche Erwähnung

Urkundlich wurde Hohen­wet­ters­bach 1262 erstmals unter dem Namen „Durren­we­ter­spach“ erwähnt, da wohl durch die geogra­fi­sche Lage immer Wasser­man­gel herrschte. In den Jahren von 1250 bis 1280 gehörte Dürren­wet­ters­bach den Grafen von Eberstein und den Grafen von Zweibrücken.

1535 fiel der Ort durch die Teilung Badens an Baden-Durlach. 1568 existier­ten 32 Hofstätten, und 1648, am Ende des dreißig­jäh­ri­gen Krieges, lebten nur noch wenige Menschen in Dürren­wet­ters­bach.

Markgraf benennt Hohenwettersbach

Im Jahr 1706 kaufte Markgraf Karl Wilhelm die Ortschaft und benannte sie in Hohen­wet­ters­bach um. Er ließ im heutigen Lustgarten ein Lustsch­löss­chen errichten. Das Hofgut Hohen­wet­ters­bach übertrug Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach 1725 seiner aus einer morga­na­ti­schen Verbindung stammenden Tochter Karoline von Wangen anlässlich ihrer Eheschlie­ßung mit Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt. 1740 wurde das erste Schulhaus, 1742 die evange­li­sche Kirche erbaut. Um 1760 beschäf­tig­ten die Gutsherren zum Schlossbau und für den landwirt­schaft­li­chen Betrieb Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Tagelöhner, die sich auf herrschaft­li­chem Boden ansiedeln durften, aber zeitlebens von ihrer Herrschaft abhängig waren und vielfach in bitterer Armut leben mussten.

Gründung eine selbstständigen Gemeinde

Erst 1864 – die Revolution hatte den Freiheits­wil­len der Hohen­wet­ters­ba­cher gestärkt – konnte eine selbst­stän­dige Gemeinde Hohen­wet­ters­bach gegründet werden. Der neue Ort zählte rund 650 Einwoh­ne­rin­nen und Einwohner.

1931 wurden die seit 1864 getrennten Gemar­kun­gen des Hofgutes und des Ortes vereinigt.

Einfluss seit 1725

Fast 300 Jahre hat die Familie Schilling von Canstatt die Geschicke in Hohen­wet­ters­bach zuerst bestimmt und geprägt und später maßgebend beein­flusst. Das liegt vor allem darin begründet, dass ab dem Jahr 1725 die gesamte Gemarkung, später der größte Teil der Gemarkung im Besitz der Familie war. Das ist auch heute noch der Fall.

Wer auf seinem Spazier­gang am Rande der Gemarkung auf einen alten Grenzstein trifft, findet dort auf der Hohen­wet­ters­ba­cher Seite immer eine Kanne, das Wappen der Schilling von Canstatt. Die Familie selbst entstammt dem schwä­bi­schen Uradel. Der älteste bekannte Wohnsitz der Familie ist die Altenburg in Cannstadt. Erstmals erwähnt wurde der Name im Jahr 1260. In der Famili­en­chro­nik sind mehr als 300 Häupter aufgeführt. Viele davon waren hohe Offiziere oder dienten unter verschie­de­nen Fürsten in höchsten Ämtern. Aus der Familie gingen viele berühmte Persön­lich­kei­ten hervor.

Ludwig Friedrich Schilling von Canstatt

Ludwig Friedrich Schilling von Canstatt hatte schon unter dem Oberbefehl von Markgraf Ludwig-Wilhelm, dem badischen Türken­louis, bei Budapest gegen die Türken gekämpft. Er sollte 1689 im pfälzi­scher Erbfol­ge­krieg die badische Residenz Durlach als General­ma­jor gegen die Franzosen vertei­di­gen. Seine Offiziere und die Herren der Zivil­ver­wal­tung hielten die Lage für aussichts­los. Sie wollten die Stadt gegen seinen Willen mit der Bitte um Schonung an die Franzosen übergeben. So geschah es dann auch, nach einigem Hin und Her. Die Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Alle mussten am nächsten Tag die Stadt verlassen. Sie konnten auf ihrem Weg nach Langen­stein­bach von den Höhen bei Hohen­wet­ters­bach zusehen, wie ihre Stadt und das wunder­schöne Renaissance­schloss bis auf fünf Häuser nieder­ge­brannt wurde. Schilling von Canstatt kam für drei Jahre in Gefan­gen­schaft. Er musste sich danach wegen der Übergabe der Stadt vor Gericht verant­wor­ten, wobei er in allen Belangen freige­spro­chen wurde.

Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt

Wilhelm Friedrich, Sohn von Ludwig Friedrich Schilling von Canstatt, war schon in jungen Jahren im Dienst des Markgrafen und mit Markgraf Carl Wilhelm, dem späteren Stadt­grün­der, befreundet. Später wurde er Obervogt und Obermar­schall. Der Markgraf gab ihm 1725 seine Tochter Caroline zur Frau. Diese war seit ihrem ersten Lebens­jahr durch ein Kunkel­le­hen im Besitz des Hofes und der Gemarkung Hohen­wet­ters­bach. Durch einen anlässlich der Hochzeit ausge­stell­ten Ehepakt kam die Familie Schilling von Canstatt in den Besitz von Hohen­wet­ters­bach. Mit der Landwirt­schaft hatte Wilhelm Friedrich sicher wenig zu tun, er war in Staats­ge­schäf­ten tätig. Gewohnt hat die Familie größten­teils im Haus seiner Frau Caroline, im heutigen Amthaus in Durlach. Eine kleine Säule auf dem Famili­en­grab der Schilling von Canstatt erinnert an den ersten dieses Namens in Hohen­wet­ters­bach. Er starb 1743 und wurde zunächst neben dem Markgrafen unter dem Altar der Karls­ru­her Konkor­dien­kir­che, heute Marktplatz, begraben. Sein Sohn Karl Friedrich schlug zunächst die Offiziers­lauf­bahn ein und kämpfte unter anderem in Sachsen gegen Friedrich den Großen. Er war schwä­bi­scher Kreis­haupt­mann und badischer Kammerherr. Danach beschäf­tig­te er sich mit seinem 1075 Morgen (etwa 415 Hektar) großen Gut. Von 1758 bis 1760 erbaute er das in Hohen­wet­ters­bach „Schloss“ genannte Herrenhaus. Er starb 1772 und fand hier, wie alle hiesigen Schilling von Canstatt, im Famili­en­grab seine letzte Ruhestätte.

Neue Generation mit gleichem Namen

Der Sohn hieß wie der Vater Karl Friedrich und war ebenfalls badischer Kammerherr, später auch Geheimrat. Er lebte und arbeitete größten­teils in Karlsruhe im großher­zog­li­chen Dienst und war wohl ein etwas unruhiger Geist. Einmal wollte er das Hofgut verkaufen, was aber nicht zustande kam. Von ihm stammt die erste Geschlechts­be­schrei­bung der Schilling von Canstatt. Für den Hof Hohen­wet­ters­bach verfasste er ein Gesetzbuch, außerdem die Famili­en­sta­tu­ten über die Stammgut-Verhält­nisse. Er war wohl mehr Schrift­stel­ler und hatte mit der Landwirt­schaft wenig im Sinn.

Heinrich Schilling von Canstatt

Karl Friedrichs Sohn Heinrich, übernahm 1818 das Hofgut. Vorher hatte er 18-jährig am Befrei­ungs­krieg gegen die Franzosen teilge­nom­men und wurde zum Hauptmann befördert. Im Jahr 1833 wurde das Hofgut zur Kolonie erklärt und ein Stabhal­ter bestellt. Die auf dem Hof lebenden 110 Familien waren damit heimat­be­rech­tigt. Hohen­wet­ters­bach hatte nun eine eigene Gemarkung, die aber zum aller­größ­ten Teil dem Grund­herrn gehörte. Von einer selbststän­di­gen Gemeinde war man jedoch noch weit entfernt. In die Zeit von Heinrich Schilling von Canstatt fielen die unruhigen Revolu­ti­ons­jahre 1848/49 und die erste badische Republik. In den unruhigen Zeiten hielt er sich im Ausland auf. Er starb 1856 nach einem Schlag­an­fall.

Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt

Im Jahr 1856 folgte auf Heinrich Schilling von Canstatt dessen Sohn Wilhelm Friedrich. Im Gegensatz zu seinem Vater blieb er auch während der Wirren der Revolu­ti­ons­jahre in Hohen­wet­ters­bach und half seinem Onkel bei der Bewirt­schaf­tung des Hofguts.

Die Not war groß in Hohen­wet­ters­bach. Der Hof konnte die zahlreich gewordene Bevöl­ke­rung nicht mehr ernähren und so kam es zu ständigem Streit mit den Gutsherren. In dieser Situation waren, teilweise unter Druck, 583 Menschen bereit, nach Amerika auszu­wan­dern, 67 Personen wollte man umsiedeln. Wilhelm Friedrich sah ein, dass es so nicht weiter gehen konnte. Er bot an, zwei Fünftel der Kosten für die Überfahrt nach Amerika zu bezahlen. Die Stadt Durlach lehnte jedoch ab, ihren Anteil an den Kosten zu übernehmen. Darauf verwei­ger­ten auch die Agnaten der Familie Schilling von Canstatt ihre Zustimmung. So blieb es bei den katastro­pha­len Verhält­nis­sen. Als Ausweg versuchte man, das Wachstum der Bevöl­ke­rung einzu­däm­men. Wer heiraten wollte, musste 25 Jahre alt sein, eine eigene Wohnung haben sowie 500 Gulden besitzen und einen sicheren Erwerb nachweisen. Wer aber hatte das schon? Die Folge waren wilde Ehen und mehr uneheliche Kinder.

Wilhelm Friedrich war bereit für die Gründung einer eigenständigen Gemeinde rund 300 Morgen Land zu verkaufen. Die Stadt Durlach sollte 200 Morgen abgeben, weigerte sich aber und wurde letztlich dazu gezwungen. Am 8. Juni 1861 kam es nach jahrzehn­te­lan­gem Hin und Her zu einer Überein­kunft zwischen dem Grundherrn Wilhelm Friedrich und dem Stabhalter Kraut. Am 1. Oktober 1864 wurde Hohen­wet­ters­bach selbststän­dige Gemeinde. Durch Kauf von Grund­stücken, meist über Kredit oder Anpachtung von Acker­flä­chen, konnte die Bevöl­ke­rung nun selbst für ihre Ernährung sorgen. Arbeit gab es auch in den zahlrei­chen Stein­brü­chen und zunehmend in der Industrie. Viele Frauen arbeiteten in der Spinnerei in Ettlingen, die Männer bei Gritzner und anderen Betrieben in Durlach. Die Arbeit war demnach täglich mit einigen Stunden Fußmarsch verbunden.

Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt wird mit Recht „Vater der Gemeinde“ genannt, denn er war es, der dem Entstehen der Gemeinde zum Durchbruch verhalf. Spital- und Linden­straße sowie die unmit­tel­bare Umgebung zum Gutshof blieben als Hofgut­ge­mar­kung mit einem Stabhalter noch bis 1931 erhalten. Der letzte männliche Nachkomme der Familie war Viktor Schilling von Canstatt. Er hatte vier Töchter und hätte doch so gerne einen Sohn gehabt. Nach einem landwirt­schaft­li­chen Studium in Hockenheim übernahm er 1888 das Hofgut, das er zugleich auf die Erfor­der­nisse der Zeit ausrich­tete. Als Rittmeis­ter kämpfte er im Ersten Weltkrieg und wurde danach badischer Kammerherr. Hervor­zu­he­ben ist sein soziales Engagement zum Wohle der Gemeinde. In seiner Art war er eher bescheiden. Während und nach dem Krieg sah man ihn in Schaft­s­tie­feln hinter seiner Kutsche hergehen, wenn er sein Büro in Durlach in der Baden­er­straße besuchte. Gestorben ist er am 1. März 1958.

Ilona von Maffei

Bleibt als letzte der Familie Ilona von Maffei, geborene Schilling von Canstatt. Sie übernahm 1962 zusammen mit ihrem Mann, Hubert Ritter und Edler von Maffei, den Gutsbe­trieb. Hubert von Maffei gelang es in kürzester Zeit, den landwirt­schaft­li­chen Betrieb auf den modernsten Stand zu bringen. Es wurden alle Gebäude saniert und renoviert, was bis heute sichtbar ist. Ein neuer Maschi­nen­park ermög­lichte eine ratio­nel­le Wirtschafts­weise. Herr von Maffei war begeis­te­ter Landwirt und Weinbauer. Zeitweise standen in Hohen­wet­ters­bach über 40 Hektar Weinreben. Die Familie von Maffei hat durch Landabgabe sehr viel zur Weiter­ent­wick­lung der Gemeinde beige­tra­gen. Sie hatte stets ein offenes Ohr für die Belange der Gemeinde und half mit Herz und Hand. Nach dem Tod des Herrn von Maffei führte Ilona von Maffei die Geschäfte des Gutsbe­trie­bes allein weiter. Herr Stech, der Verfasser des Hohen­wet­ters­ba­cher Heimat­buchs, nennt sie treffend „Baronin mit Herz und Sinn“.

Zwischen­zeit­lich sind die Felder verpachtet. Der Gutsbe­trieb wird aber wieder unter dem Namen „Schilling von Canstatt Erben“ geführt. So bleibt der verdienst­volle Name in Erinnerung.

Text von Robert Gültling

Vom Kutscher­weg (Verbin­dungs­weg zwischen Ochsen­straße und Bergwald) weit hinunter in Richtung Durlach, im Gewann Grünberg, erstrecken sich alte Kirsch­bau­m­an­la­gen mit zum Teil riesigen Bäumen. Ein schöner Anblick, über dem jungen Grün der Wiesen die herrlichen weißen Blüten der Kirsch­bäume, im Hinter­grund die Rheinebene und über Durlach der Turmberg.

Hohen­wet­ters­ba­cher Kirschen in den Sorten Pfälzer Riesen, Rote Kracher, Schuppige und andere waren bis in die Nachkriegs­zeit sehr gefragt. Heute ist das Abernten der hohen Bäume unrentabel geworden.

Was ist das Besondere an den Kirschen in Hohenwettersbach?

Auf dem Brunnen in der Ortsmitte sind auf einem Schild Ähren, Kirschen und Wäsche­klam­mern abgebildet. Kirschen und Klammern stehen für einen Teil der Arbeit und des Einkom­mens der ehemaligen Taglöhner, die wie der Name schon sagt, nur zeitweise auf dem Gut für Taglohn arbeiten konnten.

Das war ein karges Einkommen, die Ernährung der Familie musste durch die Erträge aus den Taglöh­ner­gär­ten sicher­ge­stellt werden. Selbst­ver­ständ­lich musste auch dafür, wie auch für die kargen Behau­sun­gen, Pacht an den Grund­herrn bezahlt werden. Der Anbau der Kirschen brachte im Sommer ein Zubrot, im Winter wurden Wäsche­klam­mern, Zündhölz­chen und andere Klein­ar­ti­kel herge­stellt und von Haus zu Haus verkauft. Daher der Übername „Spengler“ für die alten Hohen­wet­ters­ba­cher. Bei der Neugrün­dung der selbststän­di­gen Gemeinde Hohen­wet­ters­bach im Jahre 1864 – das alte Dürren­wet­ters­bach war 1615 bei einem Brand und im 30-jährigen Krieg unter­ge­gan­gen – verkaufte der Grundherr Wilhelm Friedrich Schilling von Cannstatt 291 Morgen Land. Die Stadt Durlach wurde gezwungen, 196 Morgen Land abzugeben. Dadurch konnte die Gemeinde Hohen­wet­ters­bach neu entstehen. Aus Kolonisten, so hießen die mehr oder weniger abhän­gi­gen Einwohner, wurden Bürger. Aus dieser Zeit stammt auch das heute so wichtige gemein­de­ei­gene Bauland. Bei der Einge­mein­dung im Jahre 1972 waren es 34 Hektar.

Auf dem Grünberg (= Grasland) wurden Kirschen angepflanzt. Das Gras und Heu wurde dringend für die Klein­tier­hal­tung benötigt. Heu wird auch heute noch geerntet und an Pferde­hal­ter und den Tierpark verkauft. Geblieben ist eine einmalige Flora und Fauna.

Text: Robert Gültling

Warum haben wir denn seit einigen Jahren überall so viel Mais?

Die Antwort ist einfach: Der Anbau von Mais ist eine pure wirtschaft­li­che Notwen­dig­keit, ohne die viele landwirt­schaft­li­che Betriebe ihre Existenz verlieren würden. In der südlichen Rheinebene links und rechts des Rheins wird, außer Spezi­al­kul­tu­ren, fast nur noch Mais angebaut. Das ist deshalb möglich, weil Mais mit sich selbst verträg­lich ist. Ein Wechsel mit anderen Feldfrüch­ten ist nicht unbedingt erfor­der­lich. Zugegeben, nur Mais ist landwirt­schaft­lich gesehen nicht besonders schön und es muss schon einiges getan werden, wie zum Beispiel die Einsaat von Senf oder Bienen­weide (blüht gelb beziehungsweise blau), um etwas Abwechs­lung in die Landschaft zu bringen. Selbst­ver­ständ­lich hat der Zwischen­fruchtan­bau in erster Linie einen acker­bau­li­chen Aspekt. Auch durch den Anbau von Quali­täts­wei­zen wird für etwas Abwechs­lung gesorgt.

Was ist Mais und wozu wird er verwendet?

Das Wort Mais war vielen Menschen vor dem zweiten Weltkrieg überhaupt nicht bekannt. Die gängige Bezeich­nung dieser Frucht war „Welsch­korn“. Die Welschen – so wurden Menschen aus Italien und Frankreich genannt. „Der welscht was daher“ war eine übliche Redensart für „er spricht unver­ständ­lich“. Die Heimat des Mais war in der Poebene, im Elsass und in Burgund. Klimatisch bedingt konnte Welschkorn nur im südlichen Teil von Baden angebaut werden. In der Vergan­gen­heit wurde diese Frucht vorwiegend zum Mästen (Stopfen) von Gänsen verwendet. Bis heute ist die Gänse­le­ber­pas­tete eine beliebte elsäs­si­sche Spezia­li­tät. Da Mais einen hohen Feuch­tig­keits­ge­halt hat, muss er getrock­net werden. Daher auch die landes­ty­pi­schen Vordächer auf der Giebel­seite der Häuser im Hunauer­land oder im Elsass.

Nach dem Krieg kam der „Pferds­zahn“, dessen Körner wie der Zahn eines Pferdes aussehen. Diese Maissorten werden vorwiegend für die Schwei­ne­mast verwendet. Durch züchte­ri­sche Fortschrit­te wurde die Reifezeit des Mais immer weiter verkürzt, so dass Körner­mai­s­an­bau heute überall südlich des Mains möglich ist. Im Norden und Osten Deuschlands wird Silomais für Maissilage zur Rinder­füt­te­rung angebaut. Körnermais wird neben der Schwei­ne­mast auch zur Herstel­lung von Zucker und Stärke verwendet.

Maisanbau in Hohenwettersbach

Der Maisanbau in Hohen­wet­ters­bach und auf dem Lamprechts­hof stellt eine Spezia­li­tät dar. Es handelt sich nämlich um Süß- oder Zuckermais, wie er heute überall in den Obst- und Gemüse­ab­tei­lun­gen angeboten wird. Mais für den mensch­li­chen Verzehr war früher nicht bekannt. Erst die Vertrie­be­nen brachten diese Gewohnheit mit.

Rudolf Bletscher, der Seniorchef des Lamprechts­hofs, nahm die Idee auf und erreichte in langjäh­ri­ger mühevol­ler Klein­ar­beit von Markt zu Markt und mit Unter­stüt­zung seines Sohnes – dem heutigen Besitzer des Lamprechts­ho­fes Ullrich Bletscher - die Durch­drin­gung der Gemüse­märkte. Heute wird Süßmais vom Lamprechts­hof und Hohen­wet­ters­bach (das Hofgut ist seit 2004 an Herrn Bletscher verpach­tet) über den Großmarkt Bruchsal in ganz Deutsch­land und über weitere Großhänd­ler in ganz Europa verkauft. Der Lamprechts­hof ist bei diesem Produkt in Deutsch­land absolut führend. Der Markt muss selbst­ver­ständ­lich konti­nu­ier­lich beschickt werden. Deshalb hat Herr Bletscher auch Flächen im südlichen Ausland gepachtet, dort wird der Mais früher reif. Danach geht es in der Rheinebene weiter. Eine frühere Reife erzielt man vor allem auch durch Anbau unter Folie. Auch durch Züchtung spezieller Zucker­mais­sor­ten mit unter­schied­li­cher Reifezeit wird die Ernte über einen langen Zeitraum, bei uns bis weit in den Herbst hinein, ausgedehnt. Die Folie verwit­tert übrigens in kurzer Zeit von selbst. Zuckermais bedeutet viel Handarbeit, die bereits mit dem Aufschlit­zen der Folie beginnt. Mit einer Art Lanze wird die Folie geöffnet, damit die Pflanze durch­wach­sen kann. Die Ernte erfolgt maschinell mit einem Maispflücker. Danach wird der Mais zu Hause entliescht und in Klarsicht­fo­lie verpackt. Ein großer Aufwand, der seit vielen Jahren von osteu­ro­päi­schen Saison­ar­beits­kräf­ten bewältigt wird. Die Saison­ar­bei­tenden wohnen in der Zeit auf dem Lamprechts­hof und werden dort auch verpflegt.

Der fertig verpackte Zuckermais geht danach von Hohen­wet­ters­bach und dem Lamprechts­hof auf alle deutschen Märkte und darüber hinaus in viele europäi­sche Länder.

Ein Weizen geht in die Welt!

Es war tatsäch­lich eine Weizen­sorte, durch die die Welt erfuhr, dass es einen Ort namens Hohen­wet­ters­bach gibt.

Natürlich kannte man in der näheren Umgebung den Ort. Durch die Weizen­sorte „Hohen­wet­ters­ba­cher Braun­wei­zen“ wurde der Name jedoch im ganzen damaligen Deutschen Reich bekannt. Das ist vor allem damit zu begründen, dass die Ernährung im „Dritten Reich“ und danach absolut Priorität hatte. Geld war nichts oder wenig wert, Weizen war „Gold“.

Anfänge des Weizenanbaus

Im März 1914 kam Heinrich Eckardt mit seiner Frau Lydia und mit seinem Freund Hans Hege von Heilbronn nach Hohen­wet­ters­bach. Er pachtete von Freiherr Victor Schilling von Canstatt das Hofgut. Danach war er 52 Jahre in Hohen­wet­ters­bach tätig, war ein begnadeter Landwirt und ein ganz hervor­ra­gen­der Saatgut­züch­ter. Sein größter züchte­ri­scher Erfolg war der „Hohen­wet­ters­ba­cher Braun­wei­zen“.

Warum war der Weizen so wichtig?

Das Deutsche Reich war zur Ernährung der Bevöl­ke­rung auf Einfuhren angewiesen. Devisen aber waren knapp, so dass es ein vorran­gi­ges Interesse an der Steigerung der landwirt­schaft­li­chen Erträge gab. Deutsch­land sollte, was die Ernährung anging, autark werden. Um das zu erreichen, mussten die Erträge insbe­son­dere durch Züchtung und neuartige Düngung, gesteigert werden. Der durch­schnitt­li­che Weizen­er­trag lag vor dem Krieg bei etwa 15 Kilogramm pro Ar, heute werden 80  bis 100 kg pro Ar geerntet. In den sechziger Jahren bekam der Landwirt etwa 48 Deutsche Mark für Weizen, heute gerade mal 10 Euro. In einer Brezel für 50 Cent sind gerade noch für 1 Cent Weizen, alles andere ist für den Müller, den Bäcker, den Lohn, die Laden­ein­rich­tung und die Werbung. Kein Wunder, dass landwirt­schaft­li­che Produkte heute so wenig Beachtung finden.

Anfang des Zweiten Weltkrie­ges

Brot gab es nur noch auf Lebens­mit­tel­kar­ten: Heinrich Eckhardt gelang der große Wurf. Sein Hohen­wet­ters­ba­cher Braun­wei­zen brachte nicht nur hohe Erträge, er war auch von bester Backqua­li­tät. Im Krieg ganz wichtig: Er hatte lange Halme und brachte somit viel Stroh, das zu Zellulose verar­bei­tet wurde. Heute ist Stroh fast wertlos, daher züchtet man Weizen­sor­ten mit möglichst kurzen Halmen. Mit seiner Weizen­sorte, aber auch als Ackerbauer war Heinrich Eckhardt absolut Spitze. Hohenwettersbachs Böden sind tiefgrün­dig und somit landwirt­schaft­lich besonders wertvoll. Selbst in in drei Meter Tiefe ist meist kein Stein zu finden.

Da man mit Pferden und Ochsen­ge­span­nen nur flach pflügen konnte, wurden zwei riesige Dampf­ma­schi­nen angeschafft. Diese zogen mit Seilwinden den mehrs­cha­ri­gen Kipppflug, zum Beispiel vom Alten Weinberg über das Köpfle zur Ochsen­stra­ße und wieder zurück. Ein Mann saß auf dem Pflug und sorgte für die Feinsteue­rung. Mit diesem System wurde die Boden­kru­me verbessert und die Erträge deutlich gesteigert. Auch die ersten, von einem Lanz-Bulldog gezogenen Claas-Mähdre­scher fuhren in den Fünfziger Jahren in Hohen­wet­ters­bach. Das Hofgut war ein begehrter Lehrbe­trieb. Wer hier einen Ausbil­dungs­platz bekam, hatte die besten Chancen im Beruf. Anfang der Zwanziger Jahre hatte die Familie Eckardt die Villa am Palmba­cher­weg, heute das Zuhause für Menschen mit Behin­de­rung. Hier wohnte die Familie bis 1966. Für seine Lebens­leis­tung erhielt Heinrich Eckardt 1956 das Bundes­ver­dienst­kreuz. Über zwei Kriege und die schwie­ri­ge Nachkriegs­zeit hat die Familie Eckardt Hervor­ra­gen­des geleistet. Bei den alten Hohen­wet­ters­ba­chern sind beide unver­ges­sen.

Text: Robert Gültling

Die Pappelallee

Die markan­teste und auffäl­ligste Allee in Hohenwettersbach ist sicher die Pappel­al­lee, die vom Thomashof zum Batzenhof führt. Eigentlich gehören Pappeln nicht dahin, denn Pappeln pflanzt man üblicher­weise an Bachläufen und im Tal. Mögli­cher­weise ist gerade das der Grund, dass die Allee so viel Aufmerk­sam­keit auf sich zieht. Auf der Höhe verlaufend sind die steil aufra­gen­den Bäume aus großer Entfernung zu sehen. Licht und Schatten, Sonne und Mondschein tun ihr übriges, um die Allee zu einem markanten Wahrzei­chen in der Landschaft werden zu lassen. Dazu kommt, dass sogenannte "Stech­pap­peln" bei uns eher selten für Alleen verwendet werden. Der Grund für die Verwendung dürfte gewesen sein, dass die steil aufra­gen­den Äste die landwirt­schaft­li­che Nutzfläche und den Einsatz von Maschinen weniger beein­flusst haben. Die Vorbe­sit­zer des Batzen­ho­fes, die Familie Gontard haben die Allee um 1960 angelegt. Damals stand landwirt­schaft­li­che Nutzfläche noch hoch im Kurs. Die ersten Bäume mussten bereits gefällt werden. Allzu lange wird die Allee nicht mehr stehen.

Die Birkenallee

Zu Fuß von der Siedlung aus zum Batzenhof: Was für eine Wohltat! Wie durch einen Tunnel führt der Weg durch die Birken­al­lee. Die weiße Rinde der Baumstämme, das saftige Grün der Birken­blät­ter erfreut das Auge und spendet angenehme Kühle. Die gesamte Wegstrecke ist ein einziges Vogel­pa­ra­dies. Angelegt wurde die Allee von Hubert von Maffei und seiner Frau Ilona in den 60er Jahren.

Hubert von Maffei erkannte sehr früh die Folgen der modernen Bewirt­schaf­tung in der Landwirt­schaft und hat deshalb nicht nur die Birken­al­lee, sondern überall an geeigneter Stelle seines Besitzes Waldstrei­fen angelegt. Diese dienen zum Schutz gegen Erosion (Wind und Wasser) und als Deckung für das Wild. Hohen­wet­ters­bach hatte zu diesem Zeitpunkt auf seiner Gemarkung keinen Wald. Die größten­teils zu diesem Zweck verwen­de­ten Fichten mußten in den letzten Jahren durch Borken­kä­fer­be­fall und andere Einwir­kun­gen gerodet werden. Dankens­wer­ter Weise hat der Eigentümer unter der fachkun­di­gen Beratung von Forstrat Richter die Flächen sofort wieder aufforsten lassen. Verwendet wurden, zur Landschaft passend, Eschen, Ebereschen, Erlen, Ahorn, Buchen sowie Birken und Eichen. So hat der Wildbe­stand, Rehe und Hasen, aber auch Feldmarder, Fuchs und Dachs, wieder ein zu Hause.

Die Mostobstbäume

Es gibt noch weitere Alleen, die schon fast nicht mehr als solche zu erkennen sind und das ist besonders schade, denn sie haben in der Vergan­gen­heit in beson­de­rer Weise das Bild unserer Landschaft geprägt. Die Rede ist von den Mostobst­bäu­men, die entlang der Ochsen­straße, in der Verlän­ge­rung des „Neuen Weges“ sowie am Verbin­dungs­weg zwischen Siedlung und Pappel­al­lee standen. Heute sind diese Alleen nur noch in Fragmenten erhalten. Wo sind sie geblieben, die Schweizer Wasser­bir­nen, Wildbirnen, Palmai­bir­nen und bayrische Weinbir­nen? Es gibt noch ein paar davon. Sie sind einmalig in ihrer Größe und Pracht. Man sollte sich auch nicht daran stören, wenn im Herbst ihre Früchte am Boden liegen und diese kein Mensch mehr haben will, das Wild ist immer noch dankbar dafür.

Diese Bäume waren früher sehr wichtig. In der Saison arbeiteten oft mehr als 100 Leute auf dem Gut und die brauchten bei der harten zehnstün­di­gen Handarbeit ein nahrhaftes Vesper und viel Flüssig­keit. Dafür hatte man den selbst­ge­kel­ter­ten Most. Im Schatten der Bäume wurde in den Arbeit­s­pau­sen gegessen und getrunken. Nur wer einmal auf einem 500 Meter langen Acker von Hand mit krummem Rücken in der Sonne Zucker­rü­ben gehakt oder vereinzelt hat, weiß, wie wohltuend ein schat­ten­spen­den­der Baum sein kann.

Heute sollten die Alleen aus Erosi­ons­grün­den aber auch zur Erhaltung der ursprüng­li­chen Landschaft und im Sinne der Naher­ho­lung wieder aufgebaut werden. Allerdings müssen die Bäume nach dem Pflanzen einige Jahre gepflegt werden (Baum­schei­ben). Wie wäre es mit einer Paten­schaft? Übrigens, auf Feldwegen grüßt man sich von altersher, auch wenn man sich nicht kennt.

@ Robert Gültling

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