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Die Geschichte von Hohenwettersbach geht bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen „Durrenweterspach“ war im Jahr 1262.
Hohenwettersbach blickt auf eine lange Geschichte zurück. Prägenden Einfluss hatte vor allem die Familie Schilling von Canstatt, an die noch heute manch Wegstein erinnert.
Das Hohenwettersbacher Wappen geht auf die ersten Ortsherren von Zweibrücken-Eberstein zurück. Es setzt sich aus der Ebersteinschen Rose und dem Zweibrücker Löwen zusammen. Obwohl die Ortsherren Hohenwettersbach bereits 1281 an die Markgrafen von Baden verpfändeten – 1535 ging es dann endgültig in den Besitz von Baden-Durlach über – knüpfte man 1901 an die Zweibrücken-Ebersteinsche Tradition an.
Das Wappen besteht aus einem geteilten Schild. Der obere Teil ist in Gold gehalten und zeigt den halben roten Löwen an der Teilung. Im unteren silbernen Teil befindet sich eine Rose mit blauen Butzen und grünen Kelchblättern.
Urkundlich wurde Hohenwettersbach 1262 erstmals unter dem Namen „Durrenweterspach“ erwähnt, da wohl durch die geografische Lage immer Wassermangel herrschte. In den Jahren von 1250 bis 1280 gehörte Dürrenwettersbach den Grafen von Eberstein und den Grafen von Zweibrücken.
1535 fiel der Ort durch die Teilung Badens an Baden-Durlach. 1568 existierten 32 Hofstätten, und 1648, am Ende des dreißigjährigen Krieges, lebten nur noch wenige Menschen in Dürrenwettersbach.
Im Jahr 1706 kaufte Markgraf Karl Wilhelm die Ortschaft und benannte sie in Hohenwettersbach um. Er ließ im heutigen Lustgarten ein Lustschlösschen errichten. Das Hofgut Hohenwettersbach übertrug Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach 1725 seiner aus einer morganatischen Verbindung stammenden Tochter Karoline von Wangen anlässlich ihrer Eheschließung mit Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt. 1740 wurde das erste Schulhaus, 1742 die evangelische Kirche erbaut. Um 1760 beschäftigten die Gutsherren zum Schlossbau und für den landwirtschaftlichen Betrieb Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Tagelöhner, die sich auf herrschaftlichem Boden ansiedeln durften, aber zeitlebens von ihrer Herrschaft abhängig waren und vielfach in bitterer Armut leben mussten.
Erst 1864 – die Revolution hatte den Freiheitswillen der Hohenwettersbacher gestärkt – konnte eine selbstständige Gemeinde Hohenwettersbach gegründet werden. Der neue Ort zählte rund 650 Einwohnerinnen und Einwohner.
1931 wurden die seit 1864 getrennten Gemarkungen des Hofgutes und des Ortes vereinigt.
Fast 300 Jahre hat die Familie Schilling von Canstatt die Geschicke in Hohenwettersbach zuerst bestimmt und geprägt und später maßgebend beeinflusst. Das liegt vor allem darin begründet, dass ab dem Jahr 1725 die gesamte Gemarkung, später der größte Teil der Gemarkung im Besitz der Familie war. Das ist auch heute noch der Fall.
Wer auf seinem Spaziergang am Rande der Gemarkung auf einen alten Grenzstein trifft, findet dort auf der Hohenwettersbacher Seite immer eine Kanne, das Wappen der Schilling von Canstatt. Die Familie selbst entstammt dem schwäbischen Uradel. Der älteste bekannte Wohnsitz der Familie ist die Altenburg in Cannstadt. Erstmals erwähnt wurde der Name im Jahr 1260. In der Familienchronik sind mehr als 300 Häupter aufgeführt. Viele davon waren hohe Offiziere oder dienten unter verschiedenen Fürsten in höchsten Ämtern. Aus der Familie gingen viele berühmte Persönlichkeiten hervor.
Ludwig Friedrich Schilling von Canstatt hatte schon unter dem Oberbefehl von Markgraf Ludwig-Wilhelm, dem badischen Türkenlouis, bei Budapest gegen die Türken gekämpft. Er sollte 1689 im pfälzischer Erbfolgekrieg die badische Residenz Durlach als Generalmajor gegen die Franzosen verteidigen. Seine Offiziere und die Herren der Zivilverwaltung hielten die Lage für aussichtslos. Sie wollten die Stadt gegen seinen Willen mit der Bitte um Schonung an die Franzosen übergeben. So geschah es dann auch, nach einigem Hin und Her. Die Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Alle mussten am nächsten Tag die Stadt verlassen. Sie konnten auf ihrem Weg nach Langensteinbach von den Höhen bei Hohenwettersbach zusehen, wie ihre Stadt und das wunderschöne Renaissanceschloss bis auf fünf Häuser niedergebrannt wurde. Schilling von Canstatt kam für drei Jahre in Gefangenschaft. Er musste sich danach wegen der Übergabe der Stadt vor Gericht verantworten, wobei er in allen Belangen freigesprochen wurde.
Wilhelm Friedrich, Sohn von Ludwig Friedrich Schilling von Canstatt, war schon in jungen Jahren im Dienst des Markgrafen und mit Markgraf Carl Wilhelm, dem späteren Stadtgründer, befreundet. Später wurde er Obervogt und Obermarschall. Der Markgraf gab ihm 1725 seine Tochter Caroline zur Frau. Diese war seit ihrem ersten Lebensjahr durch ein Kunkellehen im Besitz des Hofes und der Gemarkung Hohenwettersbach. Durch einen anlässlich der Hochzeit ausgestellten Ehepakt kam die Familie Schilling von Canstatt in den Besitz von Hohenwettersbach. Mit der Landwirtschaft hatte Wilhelm Friedrich sicher wenig zu tun, er war in Staatsgeschäften tätig. Gewohnt hat die Familie größtenteils im Haus seiner Frau Caroline, im heutigen Amthaus in Durlach. Eine kleine Säule auf dem Familiengrab der Schilling von Canstatt erinnert an den ersten dieses Namens in Hohenwettersbach. Er starb 1743 und wurde zunächst neben dem Markgrafen unter dem Altar der Karlsruher Konkordienkirche, heute Marktplatz, begraben. Sein Sohn Karl Friedrich schlug zunächst die Offizierslaufbahn ein und kämpfte unter anderem in Sachsen gegen Friedrich den Großen. Er war schwäbischer Kreishauptmann und badischer Kammerherr. Danach beschäftigte er sich mit seinem 1075 Morgen (etwa 415 Hektar) großen Gut. Von 1758 bis 1760 erbaute er das in Hohenwettersbach „Schloss“ genannte Herrenhaus. Er starb 1772 und fand hier, wie alle hiesigen Schilling von Canstatt, im Familiengrab seine letzte Ruhestätte.
Der Sohn hieß wie der Vater Karl Friedrich und war ebenfalls badischer Kammerherr, später auch Geheimrat. Er lebte und arbeitete größtenteils in Karlsruhe im großherzoglichen Dienst und war wohl ein etwas unruhiger Geist. Einmal wollte er das Hofgut verkaufen, was aber nicht zustande kam. Von ihm stammt die erste Geschlechtsbeschreibung der Schilling von Canstatt. Für den Hof Hohenwettersbach verfasste er ein Gesetzbuch, außerdem die Familienstatuten über die Stammgut-Verhältnisse. Er war wohl mehr Schriftsteller und hatte mit der Landwirtschaft wenig im Sinn.
Karl Friedrichs Sohn Heinrich, übernahm 1818 das Hofgut. Vorher hatte er 18-jährig am Befreiungskrieg gegen die Franzosen teilgenommen und wurde zum Hauptmann befördert. Im Jahr 1833 wurde das Hofgut zur Kolonie erklärt und ein Stabhalter bestellt. Die auf dem Hof lebenden 110 Familien waren damit heimatberechtigt. Hohenwettersbach hatte nun eine eigene Gemarkung, die aber zum allergrößten Teil dem Grundherrn gehörte. Von einer selbstständigen Gemeinde war man jedoch noch weit entfernt. In die Zeit von Heinrich Schilling von Canstatt fielen die unruhigen Revolutionsjahre 1848/49 und die erste badische Republik. In den unruhigen Zeiten hielt er sich im Ausland auf. Er starb 1856 nach einem Schlaganfall.
Im Jahr 1856 folgte auf Heinrich Schilling von Canstatt dessen Sohn Wilhelm Friedrich. Im Gegensatz zu seinem Vater blieb er auch während der Wirren der Revolutionsjahre in Hohenwettersbach und half seinem Onkel bei der Bewirtschaftung des Hofguts.
Die Not war groß in Hohenwettersbach. Der Hof konnte die zahlreich gewordene Bevölkerung nicht mehr ernähren und so kam es zu ständigem Streit mit den Gutsherren. In dieser Situation waren, teilweise unter Druck, 583 Menschen bereit, nach Amerika auszuwandern, 67 Personen wollte man umsiedeln. Wilhelm Friedrich sah ein, dass es so nicht weiter gehen konnte. Er bot an, zwei Fünftel der Kosten für die Überfahrt nach Amerika zu bezahlen. Die Stadt Durlach lehnte jedoch ab, ihren Anteil an den Kosten zu übernehmen. Darauf verweigerten auch die Agnaten der Familie Schilling von Canstatt ihre Zustimmung. So blieb es bei den katastrophalen Verhältnissen. Als Ausweg versuchte man, das Wachstum der Bevölkerung einzudämmen. Wer heiraten wollte, musste 25 Jahre alt sein, eine eigene Wohnung haben sowie 500 Gulden besitzen und einen sicheren Erwerb nachweisen. Wer aber hatte das schon? Die Folge waren wilde Ehen und mehr uneheliche Kinder.
Wilhelm Friedrich war bereit für die Gründung einer eigenständigen Gemeinde rund 300 Morgen Land zu verkaufen. Die Stadt Durlach sollte 200 Morgen abgeben, weigerte sich aber und wurde letztlich dazu gezwungen. Am 8. Juni 1861 kam es nach jahrzehntelangem Hin und Her zu einer Übereinkunft zwischen dem Grundherrn Wilhelm Friedrich und dem Stabhalter Kraut. Am 1. Oktober 1864 wurde Hohenwettersbach selbstständige Gemeinde. Durch Kauf von Grundstücken, meist über Kredit oder Anpachtung von Ackerflächen, konnte die Bevölkerung nun selbst für ihre Ernährung sorgen. Arbeit gab es auch in den zahlreichen Steinbrüchen und zunehmend in der Industrie. Viele Frauen arbeiteten in der Spinnerei in Ettlingen, die Männer bei Gritzner und anderen Betrieben in Durlach. Die Arbeit war demnach täglich mit einigen Stunden Fußmarsch verbunden.
Wilhelm Friedrich Schilling von Canstatt wird mit Recht „Vater der Gemeinde“ genannt, denn er war es, der dem Entstehen der Gemeinde zum Durchbruch verhalf. Spital- und Lindenstraße sowie die unmittelbare Umgebung zum Gutshof blieben als Hofgutgemarkung mit einem Stabhalter noch bis 1931 erhalten. Der letzte männliche Nachkomme der Familie war Viktor Schilling von Canstatt. Er hatte vier Töchter und hätte doch so gerne einen Sohn gehabt. Nach einem landwirtschaftlichen Studium in Hockenheim übernahm er 1888 das Hofgut, das er zugleich auf die Erfordernisse der Zeit ausrichtete. Als Rittmeister kämpfte er im Ersten Weltkrieg und wurde danach badischer Kammerherr. Hervorzuheben ist sein soziales Engagement zum Wohle der Gemeinde. In seiner Art war er eher bescheiden. Während und nach dem Krieg sah man ihn in Schaftstiefeln hinter seiner Kutsche hergehen, wenn er sein Büro in Durlach in der Badenerstraße besuchte. Gestorben ist er am 1. März 1958.
Bleibt als letzte der Familie Ilona von Maffei, geborene Schilling von Canstatt. Sie übernahm 1962 zusammen mit ihrem Mann, Hubert Ritter und Edler von Maffei, den Gutsbetrieb. Hubert von Maffei gelang es in kürzester Zeit, den landwirtschaftlichen Betrieb auf den modernsten Stand zu bringen. Es wurden alle Gebäude saniert und renoviert, was bis heute sichtbar ist. Ein neuer Maschinenpark ermöglichte eine rationelle Wirtschaftsweise. Herr von Maffei war begeisteter Landwirt und Weinbauer. Zeitweise standen in Hohenwettersbach über 40 Hektar Weinreben. Die Familie von Maffei hat durch Landabgabe sehr viel zur Weiterentwicklung der Gemeinde beigetragen. Sie hatte stets ein offenes Ohr für die Belange der Gemeinde und half mit Herz und Hand. Nach dem Tod des Herrn von Maffei führte Ilona von Maffei die Geschäfte des Gutsbetriebes allein weiter. Herr Stech, der Verfasser des Hohenwettersbacher Heimatbuchs, nennt sie treffend „Baronin mit Herz und Sinn“.
Zwischenzeitlich sind die Felder verpachtet. Der Gutsbetrieb wird aber wieder unter dem Namen „Schilling von Canstatt Erben“ geführt. So bleibt der verdienstvolle Name in Erinnerung.
Text von Robert Gültling
Vom Kutscherweg (Verbindungsweg zwischen Ochsenstraße und Bergwald) weit hinunter in Richtung Durlach, im Gewann Grünberg, erstrecken sich alte Kirschbaumanlagen mit zum Teil riesigen Bäumen. Ein schöner Anblick, über dem jungen Grün der Wiesen die herrlichen weißen Blüten der Kirschbäume, im Hintergrund die Rheinebene und über Durlach der Turmberg.
Hohenwettersbacher Kirschen in den Sorten Pfälzer Riesen, Rote Kracher, Schuppige und andere waren bis in die Nachkriegszeit sehr gefragt. Heute ist das Abernten der hohen Bäume unrentabel geworden.
Auf dem Brunnen in der Ortsmitte sind auf einem Schild Ähren, Kirschen und Wäscheklammern abgebildet. Kirschen und Klammern stehen für einen Teil der Arbeit und des Einkommens der ehemaligen Taglöhner, die wie der Name schon sagt, nur zeitweise auf dem Gut für Taglohn arbeiten konnten.
Das war ein karges Einkommen, die Ernährung der Familie musste durch die Erträge aus den Taglöhnergärten sichergestellt werden. Selbstverständlich musste auch dafür, wie auch für die kargen Behausungen, Pacht an den Grundherrn bezahlt werden. Der Anbau der Kirschen brachte im Sommer ein Zubrot, im Winter wurden Wäscheklammern, Zündhölzchen und andere Kleinartikel hergestellt und von Haus zu Haus verkauft. Daher der Übername „Spengler“ für die alten Hohenwettersbacher. Bei der Neugründung der selbstständigen Gemeinde Hohenwettersbach im Jahre 1864 – das alte Dürrenwettersbach war 1615 bei einem Brand und im 30-jährigen Krieg untergegangen – verkaufte der Grundherr Wilhelm Friedrich Schilling von Cannstatt 291 Morgen Land. Die Stadt Durlach wurde gezwungen, 196 Morgen Land abzugeben. Dadurch konnte die Gemeinde Hohenwettersbach neu entstehen. Aus Kolonisten, so hießen die mehr oder weniger abhängigen Einwohner, wurden Bürger. Aus dieser Zeit stammt auch das heute so wichtige gemeindeeigene Bauland. Bei der Eingemeindung im Jahre 1972 waren es 34 Hektar.
Auf dem Grünberg (= Grasland) wurden Kirschen angepflanzt. Das Gras und Heu wurde dringend für die Kleintierhaltung benötigt. Heu wird auch heute noch geerntet und an Pferdehalter und den Tierpark verkauft. Geblieben ist eine einmalige Flora und Fauna.
Text: Robert Gültling
Die Antwort ist einfach: Der Anbau von Mais ist eine pure wirtschaftliche Notwendigkeit, ohne die viele landwirtschaftliche Betriebe ihre Existenz verlieren würden. In der südlichen Rheinebene links und rechts des Rheins wird, außer Spezialkulturen, fast nur noch Mais angebaut. Das ist deshalb möglich, weil Mais mit sich selbst verträglich ist. Ein Wechsel mit anderen Feldfrüchten ist nicht unbedingt erforderlich. Zugegeben, nur Mais ist landwirtschaftlich gesehen nicht besonders schön und es muss schon einiges getan werden, wie zum Beispiel die Einsaat von Senf oder Bienenweide (blüht gelb beziehungsweise blau), um etwas Abwechslung in die Landschaft zu bringen. Selbstverständlich hat der Zwischenfruchtanbau in erster Linie einen ackerbaulichen Aspekt. Auch durch den Anbau von Qualitätsweizen wird für etwas Abwechslung gesorgt.
Das Wort Mais war vielen Menschen vor dem zweiten Weltkrieg überhaupt nicht bekannt. Die gängige Bezeichnung dieser Frucht war „Welschkorn“. Die Welschen – so wurden Menschen aus Italien und Frankreich genannt. „Der welscht was daher“ war eine übliche Redensart für „er spricht unverständlich“. Die Heimat des Mais war in der Poebene, im Elsass und in Burgund. Klimatisch bedingt konnte Welschkorn nur im südlichen Teil von Baden angebaut werden. In der Vergangenheit wurde diese Frucht vorwiegend zum Mästen (Stopfen) von Gänsen verwendet. Bis heute ist die Gänseleberpastete eine beliebte elsässische Spezialität. Da Mais einen hohen Feuchtigkeitsgehalt hat, muss er getrocknet werden. Daher auch die landestypischen Vordächer auf der Giebelseite der Häuser im Hunauerland oder im Elsass.
Nach dem Krieg kam der „Pferdszahn“, dessen Körner wie der Zahn eines Pferdes aussehen. Diese Maissorten werden vorwiegend für die Schweinemast verwendet. Durch züchterische Fortschritte wurde die Reifezeit des Mais immer weiter verkürzt, so dass Körnermaisanbau heute überall südlich des Mains möglich ist. Im Norden und Osten Deuschlands wird Silomais für Maissilage zur Rinderfütterung angebaut. Körnermais wird neben der Schweinemast auch zur Herstellung von Zucker und Stärke verwendet.
Der Maisanbau in Hohenwettersbach und auf dem Lamprechtshof stellt eine Spezialität dar. Es handelt sich nämlich um Süß- oder Zuckermais, wie er heute überall in den Obst- und Gemüseabteilungen angeboten wird. Mais für den menschlichen Verzehr war früher nicht bekannt. Erst die Vertriebenen brachten diese Gewohnheit mit.
Rudolf Bletscher, der Seniorchef des Lamprechtshofs, nahm die Idee auf und erreichte in langjähriger mühevoller Kleinarbeit von Markt zu Markt und mit Unterstützung seines Sohnes – dem heutigen Besitzer des Lamprechtshofes Ullrich Bletscher - die Durchdringung der Gemüsemärkte. Heute wird Süßmais vom Lamprechtshof und Hohenwettersbach (das Hofgut ist seit 2004 an Herrn Bletscher verpachtet) über den Großmarkt Bruchsal in ganz Deutschland und über weitere Großhändler in ganz Europa verkauft. Der Lamprechtshof ist bei diesem Produkt in Deutschland absolut führend. Der Markt muss selbstverständlich kontinuierlich beschickt werden. Deshalb hat Herr Bletscher auch Flächen im südlichen Ausland gepachtet, dort wird der Mais früher reif. Danach geht es in der Rheinebene weiter. Eine frühere Reife erzielt man vor allem auch durch Anbau unter Folie. Auch durch Züchtung spezieller Zuckermaissorten mit unterschiedlicher Reifezeit wird die Ernte über einen langen Zeitraum, bei uns bis weit in den Herbst hinein, ausgedehnt. Die Folie verwittert übrigens in kurzer Zeit von selbst. Zuckermais bedeutet viel Handarbeit, die bereits mit dem Aufschlitzen der Folie beginnt. Mit einer Art Lanze wird die Folie geöffnet, damit die Pflanze durchwachsen kann. Die Ernte erfolgt maschinell mit einem Maispflücker. Danach wird der Mais zu Hause entliescht und in Klarsichtfolie verpackt. Ein großer Aufwand, der seit vielen Jahren von osteuropäischen Saisonarbeitskräften bewältigt wird. Die Saisonarbeitenden wohnen in der Zeit auf dem Lamprechtshof und werden dort auch verpflegt.
Der fertig verpackte Zuckermais geht danach von Hohenwettersbach und dem Lamprechtshof auf alle deutschen Märkte und darüber hinaus in viele europäische Länder.
Es war tatsächlich eine Weizensorte, durch die die Welt erfuhr, dass es einen Ort namens Hohenwettersbach gibt.
Natürlich kannte man in der näheren Umgebung den Ort. Durch die Weizensorte „Hohenwettersbacher Braunweizen“ wurde der Name jedoch im ganzen damaligen Deutschen Reich bekannt. Das ist vor allem damit zu begründen, dass die Ernährung im „Dritten Reich“ und danach absolut Priorität hatte. Geld war nichts oder wenig wert, Weizen war „Gold“.
Im März 1914 kam Heinrich Eckardt mit seiner Frau Lydia und mit seinem Freund Hans Hege von Heilbronn nach Hohenwettersbach. Er pachtete von Freiherr Victor Schilling von Canstatt das Hofgut. Danach war er 52 Jahre in Hohenwettersbach tätig, war ein begnadeter Landwirt und ein ganz hervorragender Saatgutzüchter. Sein größter züchterischer Erfolg war der „Hohenwettersbacher Braunweizen“.
Das Deutsche Reich war zur Ernährung der Bevölkerung auf Einfuhren angewiesen. Devisen aber waren knapp, so dass es ein vorrangiges Interesse an der Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge gab. Deutschland sollte, was die Ernährung anging, autark werden. Um das zu erreichen, mussten die Erträge insbesondere durch Züchtung und neuartige Düngung, gesteigert werden. Der durchschnittliche Weizenertrag lag vor dem Krieg bei etwa 15 Kilogramm pro Ar, heute werden 80 bis 100 kg pro Ar geerntet. In den sechziger Jahren bekam der Landwirt etwa 48 Deutsche Mark für Weizen, heute gerade mal 10 Euro. In einer Brezel für 50 Cent sind gerade noch für 1 Cent Weizen, alles andere ist für den Müller, den Bäcker, den Lohn, die Ladeneinrichtung und die Werbung. Kein Wunder, dass landwirtschaftliche Produkte heute so wenig Beachtung finden.
Brot gab es nur noch auf Lebensmittelkarten: Heinrich Eckhardt gelang der große Wurf. Sein Hohenwettersbacher Braunweizen brachte nicht nur hohe Erträge, er war auch von bester Backqualität. Im Krieg ganz wichtig: Er hatte lange Halme und brachte somit viel Stroh, das zu Zellulose verarbeitet wurde. Heute ist Stroh fast wertlos, daher züchtet man Weizensorten mit möglichst kurzen Halmen. Mit seiner Weizensorte, aber auch als Ackerbauer war Heinrich Eckhardt absolut Spitze. Hohenwettersbachs Böden sind tiefgründig und somit landwirtschaftlich besonders wertvoll. Selbst in in drei Meter Tiefe ist meist kein Stein zu finden.
Da man mit Pferden und Ochsengespannen nur flach pflügen konnte, wurden zwei riesige Dampfmaschinen angeschafft. Diese zogen mit Seilwinden den mehrscharigen Kipppflug, zum Beispiel vom Alten Weinberg über das Köpfle zur Ochsenstraße und wieder zurück. Ein Mann saß auf dem Pflug und sorgte für die Feinsteuerung. Mit diesem System wurde die Bodenkrume verbessert und die Erträge deutlich gesteigert. Auch die ersten, von einem Lanz-Bulldog gezogenen Claas-Mähdrescher fuhren in den Fünfziger Jahren in Hohenwettersbach. Das Hofgut war ein begehrter Lehrbetrieb. Wer hier einen Ausbildungsplatz bekam, hatte die besten Chancen im Beruf. Anfang der Zwanziger Jahre hatte die Familie Eckardt die Villa am Palmbacherweg, heute das Zuhause für Menschen mit Behinderung. Hier wohnte die Familie bis 1966. Für seine Lebensleistung erhielt Heinrich Eckardt 1956 das Bundesverdienstkreuz. Über zwei Kriege und die schwierige Nachkriegszeit hat die Familie Eckardt Hervorragendes geleistet. Bei den alten Hohenwettersbachern sind beide unvergessen.
Text: Robert Gültling
Die markanteste und auffälligste Allee in Hohenwettersbach ist sicher die Pappelallee, die vom Thomashof zum Batzenhof führt. Eigentlich gehören Pappeln nicht dahin, denn Pappeln pflanzt man üblicherweise an Bachläufen und im Tal. Möglicherweise ist gerade das der Grund, dass die Allee so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. Auf der Höhe verlaufend sind die steil aufragenden Bäume aus großer Entfernung zu sehen. Licht und Schatten, Sonne und Mondschein tun ihr übriges, um die Allee zu einem markanten Wahrzeichen in der Landschaft werden zu lassen. Dazu kommt, dass sogenannte "Stechpappeln" bei uns eher selten für Alleen verwendet werden. Der Grund für die Verwendung dürfte gewesen sein, dass die steil aufragenden Äste die landwirtschaftliche Nutzfläche und den Einsatz von Maschinen weniger beeinflusst haben. Die Vorbesitzer des Batzenhofes, die Familie Gontard haben die Allee um 1960 angelegt. Damals stand landwirtschaftliche Nutzfläche noch hoch im Kurs. Die ersten Bäume mussten bereits gefällt werden. Allzu lange wird die Allee nicht mehr stehen.
Zu Fuß von der Siedlung aus zum Batzenhof: Was für eine Wohltat! Wie durch einen Tunnel führt der Weg durch die Birkenallee. Die weiße Rinde der Baumstämme, das saftige Grün der Birkenblätter erfreut das Auge und spendet angenehme Kühle. Die gesamte Wegstrecke ist ein einziges Vogelparadies. Angelegt wurde die Allee von Hubert von Maffei und seiner Frau Ilona in den 60er Jahren.
Hubert von Maffei erkannte sehr früh die Folgen der modernen Bewirtschaftung in der Landwirtschaft und hat deshalb nicht nur die Birkenallee, sondern überall an geeigneter Stelle seines Besitzes Waldstreifen angelegt. Diese dienen zum Schutz gegen Erosion (Wind und Wasser) und als Deckung für das Wild. Hohenwettersbach hatte zu diesem Zeitpunkt auf seiner Gemarkung keinen Wald. Die größtenteils zu diesem Zweck verwendeten Fichten mußten in den letzten Jahren durch Borkenkäferbefall und andere Einwirkungen gerodet werden. Dankenswerter Weise hat der Eigentümer unter der fachkundigen Beratung von Forstrat Richter die Flächen sofort wieder aufforsten lassen. Verwendet wurden, zur Landschaft passend, Eschen, Ebereschen, Erlen, Ahorn, Buchen sowie Birken und Eichen. So hat der Wildbestand, Rehe und Hasen, aber auch Feldmarder, Fuchs und Dachs, wieder ein zu Hause.
Es gibt noch weitere Alleen, die schon fast nicht mehr als solche zu erkennen sind und das ist besonders schade, denn sie haben in der Vergangenheit in besonderer Weise das Bild unserer Landschaft geprägt. Die Rede ist von den Mostobstbäumen, die entlang der Ochsenstraße, in der Verlängerung des „Neuen Weges“ sowie am Verbindungsweg zwischen Siedlung und Pappelallee standen. Heute sind diese Alleen nur noch in Fragmenten erhalten. Wo sind sie geblieben, die Schweizer Wasserbirnen, Wildbirnen, Palmaibirnen und bayrische Weinbirnen? Es gibt noch ein paar davon. Sie sind einmalig in ihrer Größe und Pracht. Man sollte sich auch nicht daran stören, wenn im Herbst ihre Früchte am Boden liegen und diese kein Mensch mehr haben will, das Wild ist immer noch dankbar dafür.
Diese Bäume waren früher sehr wichtig. In der Saison arbeiteten oft mehr als 100 Leute auf dem Gut und die brauchten bei der harten zehnstündigen Handarbeit ein nahrhaftes Vesper und viel Flüssigkeit. Dafür hatte man den selbstgekelterten Most. Im Schatten der Bäume wurde in den Arbeitspausen gegessen und getrunken. Nur wer einmal auf einem 500 Meter langen Acker von Hand mit krummem Rücken in der Sonne Zuckerrüben gehakt oder vereinzelt hat, weiß, wie wohltuend ein schattenspendender Baum sein kann.
Heute sollten die Alleen aus Erosionsgründen aber auch zur Erhaltung der ursprünglichen Landschaft und im Sinne der Naherholung wieder aufgebaut werden. Allerdings müssen die Bäume nach dem Pflanzen einige Jahre gepflegt werden (Baumscheiben). Wie wäre es mit einer Patenschaft? Übrigens, auf Feldwegen grüßt man sich von altersher, auch wenn man sich nicht kennt.
@ Robert Gültling