Noch bevor im Jahr 2029 die gesetzliche Verpflichtung zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm in Kraft tritt, handelt die Stadt Karlsruhe schon jetzt innovativ, ressourcenschonend und umweltbewusst. Um den wertvollen Rohstoff Phosphor im Kreislauf zu erhalten, geht die Stadtentwässerung der Stadt Karlsruhe eine zukunftsweisende Kooperation ein. Sie nutzt zukünftig die Ash2Phos-Anlage der Phosphorgewinnung Schkopau GmbH (PGS) zur Verarbeitung von Klärschlammasche.
450 Tonnen Asche pro Jahr
Diese richtungsweisende Kooperation wurde am 5. November 2025 zwischen der Stadtentwässerung Stuttgart (SES), dem Tiefbauamt der Stadt Karlsruhe und der PGS GmbH unterzeichnet. Sie vereint Expertise aus kommunaler Abwasserentsorgung und modernste Technologie der Phosphorrückgewinnung. Im Rahmen der Zusammenarbeit werden insgesamt voraussichtlich 1.500 Tonnen Klärschlammasche jährlich in Chargen nach Schkopau geliefert – 1.050 Tonnen stammen aus Stuttgart und 450 Tonnen aus Karlsruhe. Diese Lieferung ermöglicht es der PGS, ihre Ash2Phos-Anlage ab 2027 unter realen Bedingungen zu betreiben und wertvolle Erkenntnisse für den zukünftigen Betrieb zu gewinnen.
"Wir sind uns der Verantwortung für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft im Sinne der nachfolgenden Generationen bewusst und freuen uns, mit dieser Kooperation aktiv einen Beitrag zur Entwicklung einer zukunftsfähigen Technologie für die Phosphorrückgewinnung zu leisten", sagt Stephen Kemper, Bereichsleitung Stadtentwässerung im Tiefbauamt der Stadt Karlsruhe.
"Mit gutem Beispiel vorangehen"
Martin Braunersreuther, Geschäftsführer der PGS, bewertet den Vertragsabschluss als "ein starkes Zeichen, dass Stuttgart und Karlsruhe mit gutem Beispiel voran gehen und bereits heute freiwillig auf hochwertige Phosphorrückgewinnung setzen – noch bevor gesetzliche Vorgaben greifen. Dieses vorausschauende Engagement verdient Anerkennung und politische Unterstützung". Boris Diehm, Abteilungsleiter Klärwerke und Kanalbetrieb der Stadtentwässerung Stuttgart, betont: "Wir sind begeistert, die innovative Ash2Phos-Anlage bis vorerst Ende 2028 zu nutzen und damit von einer neuen Technologie zu profitieren. Über diesen Weg sehen wir, wie gut aus unserer Klärschlammasche Phosphor zurückgewonnen werden kann. Für uns ein wichtiger Schritt zu mehr Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit in der SES."
Industrie und Landwirtschaft als Abnehmer
Im Abwasser und im Klärschlamm befindet sich der wertvolle Rohstoff Phosphor. Das im Abwasser gelöste Phosphor wird bei der Abwasserreinigung biologisch und chemisch durch Fällung eliminiert und reichert sich im Klärschlamm an. Wird dieser verbrannt, bleibt der Phosphor in der Asche zurück und kann mithilfe spezieller Rückgewinnungsverfahren extrahiert und in industriellen Prozessen oder in der Landwirtschaft wiederverwendet werden. Derzeit befinden sich eine ganze Reihe von Rückgewinnungsverfahren in der Entwicklung und Testphase. Die weltweit erste Ash2Phos-Anlage wird gerade in Schkopau von der PGS GmbH gebaut. Diese wurde 2021 von der GELSENWASSER AG und der EasyMining Service Sweden AB, die auch das Technologiepatent hält, gegründet. Die Ash2Phos-Anlage wird im Chemiepark Schkopau errichtet und hat eine Kapazität von 30.000 Tonnen Klärschlammasche pro Jahr.
Gesetzliche Vorgabe ab 2029
Die Phosphorrückgewinnung aus Klärschlammasche soll in Zukunft einen Beitrag zur nachhaltigen Versorgung mit Phosphor leisten – ab 2029 ist sie für Betreiber von Klärschlammverbrennungsanlagen sogar verpflichtend. Phosphor steht auf der Liste kritischer Rohstoffe der Europäischen Kommission. Die natürlichen Ressourcen sind begrenzt und Länder wie Deutschland, die keine eigenen Vorkommen haben, sind auf Importe angewiesen. Phosphor ist für den Knochenaufbau und den Energiestoffwechsel von Lebewesen unverzichtbar und von entscheidender Bedeutung für das Pflanzenwachstum in der Landwirtschaft.