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Höhenstadtteil feiert "Goldene Hochzeit"

50. Jahrestag der Eingemeindung von Grünwettersbach und Palmbach

Auf das Jubiläum angestoßen: Stadtrat Tilmann Pfannkuch, Ortsvorsteherin Kerstin Tron und Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz (v.l.). Auf das Jubiläum angestoßen: Stadtrat Tilmann Pfannkuch, Ortsvorsteherin Kerstin Tron und Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz (v.l.). © Volker Knopf

Allen Grund zu feiern hatte der Karlsruher Höhenstadtteil Wettersbach gleich zu Jahresbeginn 2025. Vor 50 Jahren wurde die Eingemeindung von Grünwettersbach und Palmbach offiziell vollzogen. Die Gemeinde Wettersbach gab seinerzeit ihre Selbstständigkeit auf und wurde Teil der Stadt Karlsruhe. Zahlreich hatte sich die kommunalpolitische Prominenz in der ASC-Arena zum Festakt eingefunden. Zuvor gab es eine ökumenische Andacht.

Lebensqualität und Natur

"Heimat ist dort, wo Identität entsteht, wo man seine Wurzeln hat. Karlsruhe ist nicht nur der Marktplatz, sondern auch liebenswerte Stadtteile wie Grünwettersbach und Palmbach", sagte die Wettersbacher Ortsvorsteherin Kerstin Tron, die zudem den vielen Helfern für die Vorbereitung des Festakts dankte. Lebendige Stadtteile mit einer engagierten Bürgerschaft sowie reichlich Lebensqualität und Natur – so charakterisierte sie Wettersbach. Beide Seiten seien durch die Eingemeindung gestärkt worden, die Höhenstadtteile ebenso wie Karlsruhe.

Gedenken an Rainer Frank

Voll des Lobes für das zukunftsweisende Projekt von 1975 war Erste Bürgermeisterin Gabriele Luczak-Schwarz. "Eine goldene Hochzeit hat immer auch etwas Erhabenes. Man ist den Weg gemeinsam gegangen, es hat gehalten, es stimmt in der Partnerschaft." Wenngleich es zu Beginn nicht unbedingt eine Liebesheirat, sondern eine Vernunftehe gewesen sei. Luczak-Schwarz erinnerte auch an den 2021 verstorbenen Ortsvorsteher Rainer Frank, der 26 Jahre lang die Geschicke des Stadtteils lenkte. Die Erste Bürgermeisterin nannte etliches, was in den vergangenen Jahren entstand. Den Waldenserweg beispielsweise, der an die Verfolgung der protestantischen Waldenser in den Westalpen, im Piemont an der Grenze zu Savoyen Ende des 17. Jahrhunderts erinnert. Oder den Skulpturenweg, der Palmbach und Grünwettersbach mit Natur, Sport, und Kunst verbindet. Die Stadtteile stünden für ehrenamtliches Engagement, reges Vereinsleben und einen aktiven Ortschaftsrat – und dies in einer reizvollen Naturlandschaft.

"Win-Win-Situation" für beide Seiten

Von einer "Win-Win-Situation" für Karlsruhe und Wettersbach sprach Stadtrat Tilman Pfannkuch, der 29 Jahre dem Ortschaftsrat von Wettersbach angehörte. Die Fächerstadt lebe von der Wechselwirkung von dörflichem Gepräge und Urbanität. Es habe bittere Momente, wie die Schließung des Hallenbads gegeben, ebenso Positives, wie die Entstehung des TT-Zentrums mit dem Bundesligisten ASC Grünwettersbach. Als Vision wünschte er sich einen Rahmenplan Höhenstadtteile 2.0. Für das musikalische Programm sorgte das „Quintett ohne Namen“ mit schwungvollen Pop-Songs. Zudem wurde die Ausstellung zweier Künstler aus Wettersbach – Albert Schneller und Heinz Barth, beides einst Absolventen der Karlsruher Kunstakademie – eröffnet. Die Einführung kam von Sylvia Bieber.

 

Wettersbachs Bürgermeister Walter Rohrer (l.) und Oberbürgermeister Otto Dullenkopf unterzeichnen am 28. Jubi 1974 den den Eingemeindungsvertrag.

Gemeindereformgesetz gab den Anstoß

Wettersbach war mit Wirkung zum 1. Januar 1975 Teil der Fächerstadt geworden. Der Ort folgte damit als letztes der "Bergdörfer" – seinerzeit weniger spektakulär auch als Höhenorte bezeichnet. Zuvor waren bereits 1971 Hohenwettersbach und Stupferich, sowie 1973 Wolfartsweier eingemeindet worden. Außerdem hatte sich Grötzingen 1974 in die Nachbarstadt eingegliedert. Wettersbach selbst war erst 1972 durch die Fusion von Grünwettersbach und Palmbach entstanden. Anlass dafür war die 1967 vom Land Baden-Württemberg angestoßene Gemeindereform, durch die mit dem 1974 verabschiedeten Gemeindereformgesetz bis 1975 die Zahl von einst über 3 000 existierenden Gemeinden im Land auf weniger als ein Drittel reduziert werden sollte. Ziel waren Kommunen mit mindestens 8 000 Einwohnern. Dies konnte durch Bildung von Großgemeinden oder Eingemeindung in größere Städte erfolgen. Die rund 4 000 Einwohner der gerade fusionierten Gemeinde Wettersbach reichten im Sinne des neuen Gesetzes damit nicht aus. Außerdem hatten sich die um 1970 geschmiedeten Pläne, zusammen mit anderen späteren "Bergdörfern" eine eigene Gemeinde zu bilden, zerschlagen, weil die übrigen lieber zur Großstadt gehören wollten. Der danach verfolgte Plan, mit den heute zu Waldbronn zählenden Ortschaften Reichenbach, Busenbach und Etzenrot zu fusionieren, wurde dort eher unkooperativ behandelt.

Verhandlungen auch mit Reichenbach

In Reichenbach sah man in der seinerzeit entstehenden Wettersbacher Turn- und Schwimmhalle offensichtlich eine Konkurrenz zum geplanten eigenen Thermalbad. Die Verhandlungen des Wettersbacher Bürgermeisters Walter Rohrer mit Karlsruhes Oberbürgermeister Otto Dullenkopf fielen danach umso leichter und gelangten in kürzester Zeit zu einem befriedigenden Abschluss für beide Seiten. ­Eine größtmögliche Bewahrung seiner traditionellen Identität garantierte dem neuen Stadtteil die ihm gemäß Gemeindereformgesetz zustehende Ortschaftsverfassung, welche alle in den 1970er Jahren neu hinzugekommenen Stadtteile erhielten – im Gegensatz zu allen anderen in den 90 Jahren nach Karlsruhe eingemeindeten Orten.
-voko- / jsk-

Dieser Artikel erschien in der StadtZeitung Nr. 51/52 am 20. Dezember 2024
sowie in der StadtZeitung Nr. 01/02 am 10. Januar 2025.

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