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Einblicke in Karlsruhes Stadtwald

Forstamt setzt beim Klimawandel auf nachhaltige Lösungen und Bürgerinformation

Zustand des Waldes Die Forstexperten Yannick Erb (links) und Bastian Hochreiter veranschaulichen die Schäden, die starker Pilz­befall – hier Überbleibsel des Brandkrustenpilzes – an Bäumen verursachen können. © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin

In einer Pappschachtel liegen fünf kleine, schwarze Brocken. Sie wirken unscheinbar, wie Kohlestückchen oder Steine. Doch es sind die Überbleibsel eines schwerwiegenden Pilzbefalls, den Yannick Erb und Bastian Hochreiter vom Forstamt Karlsruhe im Stupfericher Wald ­herumreichen.

Rund 20 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer informierten sich Ende September 2024 über den Zustand des Karlsruher Stadtwaldes – darunter Gemeinderäte und Mitglieder des Umweltausschusses und des Ausschusses für öffentliche Einrichtungen sowie des Naturschutzbeirates. Die gemeinsame Waldexkursion, zu der das städtische Forstamt jedes Jahr im Herbst einlädt, hat Tradition. Das Ziel an diesem Nachmittag: Praktische Einblicke in die Arbeit des Forstamtes geben, aktuelle Herausforderungen anhand konkreter Beispiele vor Ort erläutern und sich über Zukunftskonzepte austauschen. „Der Klimawandel stellt unseren Wald vor große Veränderungen. Wir wollen zeigen, welche Auswirkungen Hitzeperioden und Dauerregen auf die Bäume haben – und vor allem wie rasant sich die Natur verändert“, erläuterte Forstamtsleiter Stefan Wilhelm am Startpunkt der rund zweistündigen Wanderung an der Bergleshalle. Mit dabei auch Bürgermeisterin Bettina Lisbach, die sich über das große Interesse seitens der Teilnehmenden freute.

Zustand des Waldes

Waldtypische Gefahren im Blick

An insgesamt fünf Stationen standen unterschiedliche Themen im Fokus – von der Bekämpfung invasiver Arten wie dem Kirschlorbeer, der Ausbildung von Nachwuchskräften bis hin zu notwendigen Pflegemaßnahmen und waldtypischen Gefahren. Yannick Erb und Bastian Hochreiter machten die Herausforderungen der Verkehrssicherungspflicht deutlich: Die beiden Experten des forstlichen Verkehrssicherungsteams kontrollieren jedes Jahr 360000 Bäume und legen dabei eine Strecke von rund 200 Kilometern zurück – zu Fuß. Denn Baumkontrolle bedarf großer Sorgfalt, regelmäßiger Fortbildung und einer intensiven Begutachtung jedes einzelnen Baumes. Das Problem: Von außen ist ein Pilzbefall nur sehr schwer festzustellen, scheinbar gesunde Bäume können ohne Vorwarnung umstürzen – wie die Buche im Stupfericher Wald, an der die Gruppe Halt macht. Der Stamm war vom sogenannten Brandkrustenpilz befallen. Die schwarzen Brocken in der Pappschachtel sind Teil des Fruchtkörpers des Pilzes. „Der Brandkrustenpilz gehört zu den gefährlichsten holzabbauenden Pilzarten. Er befällt den Baum von unten über die Wurzeln und greift das Kernholz an. Die Moderfäule zersetzt den Baum dann von Innen“, so die Experten. Umso wichtiger ist die regelmäßige Kontrolle durch das Forstamt bei Einrichtungen wie Waldkindergärten, Spielplätzen und Sitzbänken oder entlang von Bahntrassen. Technik – etwa Drohnen – wird unterstützend eingesetzt, kann aber den Menschen nicht ersetzen.

Personen laufen auf Waldweg

Es gibt auch Lichtblicke im Wald

Der Klimawandel macht die Arbeit im Wald insgesamt schwieriger, lange Hitzeperioden oder zu viel Regen wie in diesem Jahr schwächen die Bäume. Es gibt aber auch Lichtblicke: Einige Baumarten kommen mit dem Klimawandel besser zurecht, etwa die Eiche. Hier unterstützt das Forstamt punktuell mit Pflegemaßnahmen – etwa der Entnahme anderer Baumarten, um lichte Flächen zu schaffen. Der Wald der Zukunft wird sich aus vielen verschiedenen Baumarten zusammensetzen, darin sind sich die Forstexperten und Teilnehmende der Waldexkursion an diesem Nachmittag einig. „Wir werden uns an extreme Witterungen gewöhnen und uns anpassen müssen“, so Forstamtsleiter Stefan Wilhelm. Verstärkt hat das Forstamt in den vergangenen Monaten außerdem die Information der Bürgerinnen und Bürger über waldtypische Gefahren in den Blick genommen. So wird mittlerweile mit Schildern auf die Gefahren hingewiesen, die von herabfallenden Ästen und umstürzenden Bäumen ausgehen können.

Der Karlsruher Stadtwald

Karlsruhe ist mit einem Waldanteil von 26 Prozent der Gemarkungsfläche bis heute eine waldreiche Großstadt. Das größte zusammenhängende Waldgebiet ist der nördliche Hardtwald, der ursprünglich von neun, heute noch von sechs ebenfalls ­fächerförmig auf den Schloss­turm zulaufenden Haupt­alleen durchzogen ist und somit bis fast ins Stadtzentrum von Karlsruhe reicht. Mit einer Fläche von 2250 Hektar befindet sich etwa die Hälfte des Waldes im Eigentum der Stadt (Stadtwald), die andere Hälfte mit einer Fläche von 2326 Hektar gehört dem Land Baden-Württemberg (Staatswald).

Mehr zum Karlsruher Stadtwald als Ort der Erholung, Ökosystem und Brennholzlieferant finden Sie hier.

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