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Karlsruhe: Willkommen

Ein Spaziergang erzählt Geschichte: Aus dem Fächer kamen Freiheit und Fortschritt

Was es mit der "Via trium­pha­lis" auf sich hat, wo die erste republi­ka­ni­sche Regierung eines deutschen Staates residierte und woran die Verfas­sungs­säule erinnert.

Karlsruhe besitzt einen einzig­ar­ti­gen Stadt­auf­bau. Ausgehend vom Schlos­sturm reichen 32 Radialen strah­len­för­mig in alle Himmels­rich­tun­gen. Neun dieser Straßen fächern den barocken Grundriss Karlsruhes auf. Daher ist Karlsruhe auch weltweit als "die Fächer­stadt" bekannt. Weitere 16 Strahlen "leuchten" über den Schloss­park in den Hardtwald. Damit schließt sich unmit­tel­bar an den Mittel­punkt der Stadt ein rund 20 Kilometer weit reichendes Grün- und Waldgebiet an, das zu jeder Jahreszeit zu ausge­dehn­ten Spazier­gän­gen und Radtouren einlädt. Auch das ist ein besonderes Merkmal der Karlsruher Stadt­geo­gra­phie.

Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach legte am 17. Juni 1715 den Grundstein für sein neues Schloss, nachdem franzö­si­sche Truppen 1689 während des Pfälzi­schen Erbfol­ge­kriegs die alte Residenz­stadt Durlach nieder­ge­brannt hatten. Einer Gepflo­gen­heit seiner Zeit folgend, verlegte der Markgraf seinen Regie­rungs­sitz vom Bergesrand hinaus in die Ebene. Zugleich ließ er einen Park schaffen, der in seiner zur Bundes­gar­ten­schau 1967 entstan­de­nen heutigen Gestalt vor allem im Sommer viele Menschen zum Verweilen oder zum Sport einlädt. Die Wiese hinter dem Schloss ist zum Betreten frei. Daher findet man dort bei Sonnen­schein - und die Sonne scheint häufig in der Oberrhei­ni­schen Tiefebene - Menschen jeden Alters, die Frisbee oder Fußball spielen, lesen oder einfach die Wärme genießen.

"Via trium­pha­lis" führt zu zentralen Stellen
Der Vorplatz des Schlosses ist einer der europa­weit größten offenen Plätze. Richtung Innenstadt begrenzen ihn Arkaden­bau­ten, in denen einst die Badischen Minis­te­rien unter­ge­bracht waren. Auf der einen Seite liegen flache Kolle­gien­ge­bäude des Campus Süd des Karlsruher Instituts für Techno­lo­gie, auf der anderen die modernen Bauten des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richts. Vom Schloss strebt die Karl-Friedrich-Straße, die mittlere der Fächer­stra­ßen, als "Via trium­pha­lis" direkt nach Süden und führt zu Stellen der Stadt mit zentraler Bedeutung. Nur wenige hundert Meter nach dem Schloss, dem Schloss­platz und dem Zirkel führt der Stadt-Spazier­gang über die Kaiser­straße, die wichtigs­te Ost-West-Achse und belebteste Einkaufs­s­traße. Hier öffnet sich der von Baumeister Friedrich Weinbren­ner gestaltete, klassi­zis­ti­sche Marktplatz mit einer steinernen Pyramide, dem Grabmal des Stadt­grün­ders Karl Wilhelm. Die östliche Hälfte des Markt­plat­zes dominiert die Evange­li­sche Stadt­kir­che - zugleich Bischofs­kir­che des Badischen Evange­li­schen Landes­bi­schofs - die andere das Rathaus, beides Bauten Friedrich Weinbren­ners.

Erste republi­ka­ni­sche Regierung eines deutschen Staates
Unweit südlich folgt der Rondell­platz mit der sogenann­ten Verfas­sungs­säule. Der Obelisk erinnert an die Badische Verfassung von 1818. Diese gilt als die modernste, liberalste Konsti­tu­tion in einem deutschen Teilstaat des 19. Jahrhun­derts. Die Verfassung sah etwa ein ständi­sches Zweikammer-Parlament vor. Und das tagte im Ständehaus, dem ersten für parla­men­ta­ri­sche Zwecke errich­te­ten Bau in ganz Deutsch­land. Vorher lohnt sich ein kurzer Abstecher zum Ettlinger Tor, dem Ende der "Via trium­pha­lis". Hier entsteht bis 2019 ein wichtiger Knoten­punkt der Verkehrs­pro­jekts "Kombi­lö­sung" mit U-Halte­stel­len und Autotunnel. Nähere Auskunft gibt es im Infopa­vil­lon "K." Im 19. Jahrhun­dert schloss ein monumen­ta­les Tor die Karl-Friedrich-Straße ab. Es musste jedoch dem schon vor über 100 Jahren dichter werdenden Verkehr weichen. Den Namen "Ettlinger Tor" trägt seit 2005 auch ein großes Einkaufs­zen­trum, das die Gäste vom Rondell­platz bis zur Kreuzung Ettlinger Tor
begleitet und für die Entwick­lung der Innenstadt nach Süden steht.

Der Weg durch dieses Zentrum - oder vom Rondell­platz aus nördlich über die Erbprin­zen­straße daran vorbei - führt zum Fried­richs­platz, an dessen gegen­über­lie­gen­dem Ende die Katho­li­sche Stadt­kir­che St. Stephan steht. Das moderne Gebäude an ihrer Rückseite, das
Neue Ständehaus, beherbergt die Stadt­bi­blio­thek. Doch die Rotunde an der Ecke Ritter-/Stän­de­haus­straße nimmt die Archi­tek­tur des Baus auf, der dort ursprüng­lich stand, das Badische Ständehaus. Zu den Abgeord­ne­ten, die einst im Ständehaus debat­tier­ten, gehörten neben vielen anderen auch die Anführer der Badischen Revolu­tion Friedrich Hecker, Gustav Struve oder Lorenz Brentano. Hecker und Struve wollten mit "revo­lu­tio­närem Fußvolk" 1848 gen Karlsruhe ziehen, Brentano bildete mit Kameraden 1849 die erste republi­ka­ni­sche Regierung eines deutschen Staates. Sie residierte im Ständehaus. Nach dem Fall der Festung Rastatt durch kaiser­li­che Koali­ti­ons­trup­pen unter Führung des preußi­schen Kronprin­zen Wilhelm, des späteren Kaisers Wilhelm I., im August 1849 war es zunächst für 69 Jahre, bis zur Revolution 1918, vorbei mit der Republik in Baden.

Der Spazier­gang führt über die Erbprin­zen­stra­ße weiter zu einer besonderen Ecke, dem "Savoir Vivre" im Herzen der Stadt. Die Gäste erreichen den Ludwig­s­platz mit seinem gastro­no­mi­schen Szenarium, auf dem sich an lauen Sommer­aben­den junge Karls­ru­he­rin­nen und Karlsruher treffen. Und solche, die jung geblieben sind.

Das imposante Gebäude auf der anderen Seite der Karlstraße wurde 1900 als zentrales "Reichspost-Telegra­fen­ge­bäu­de" errichtet und beher­bergte über Jahrzehnte hinweg zunächst die Oberpost­di­rek­tion und dann Karlsruhes Hauptpost. Seit 2001 ist in dem Haus die "Post­ga­le­rie" unter­ge­bracht, das am Europa­platz gelegene erste große inner­städ­ti­sche Einkaufs­zen­trum in Karlsruhe.