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Karlsruhe: Willkommen

Stadtplanung und Architektur: Eine klare Struktur mit Liebe zum feinsinnigen Detail

Welche Baumeister das archi­tek­to­ni­sche Profil der Fächer­stadt maßgeblich formten, warum Karlsruhe immer noch Weinbren­ner­stadt ist und welche Ziele das Integrierte Stadt­ent­wick­lungs­kon­zept Karlsruhe 2020 hat.

Karlsruhe ist eine junge Stadt. Als 1715 Markgraf Karl Wilhelm sein Jagdschloss im Wald zwischen Durlach und Rhein anlegte, waren Befes­ti­gungs­an­la­gen um Städte überholt. So entstand "Carols-Ruhe" am Reißbrett als reprä­sen­ta­ti­ves Muster­bei­spiel einer barocken Stadt­grün­dung: eine zur Landschaft hin offene Stadt mit breiten, geraden Alleen. Enge Gassen, wie sie mittel­al­ter­li­che Städte fast immer kennzeich­nen, sind der Stadt fremd. Deutliche Parallelen zum Karlsruher Fächer weist der Stadt­grund­riss von Washington auf. Exporteur war vermutlich US-Präsident Thomas Jefferson. Inspiriert von seinem Besuch in der Fächer­stadt bei einer Deutsch­land­reise 1788 dürfte er die Idee des Strah­len­kran­zes beim Bau der US-Hauptstadt ab 1792 einge­bracht haben.

Alle heute einge­mein­de­ten Stadtteile wie die früher eigen­stän­di­gen Städte Durlach und Mühlburg oder Dörfer wie Knielingen, Hagsfeld oder Neureut sind wesent­lich älter als die Kernstadt. Neben Stadt­grün­der Markgraf Karl Wilhelm, dem der barocke Karlsruher Stadtkern mit dem berühmten Fächer zu danken ist, war es vor allem der große Baumeister und Stadt­pla­ner Friedrich Weinbren­ner, der durch die erste große Stadt­er­wei­te­rung Anfang des 19. Jahrhun­derts die klare Struktur der klassi­zis­ti­schen Stadt­an­lage vorgab.

Klassi­zis­ti­sche Platz­fol­ge charak­te­ri­siert Innenstadt
Als Stadt ohne weiträu­mi­ges Hinterland war Karlsruhe stets boden­stän­dig. Prunkar­chi­tek­tur ist selten, die klare Grund­kon­zep­tion kommt ohne "laute" Gebäude aus. Die Baukörper drängen sich nicht auf, sind dabei aber feinsinnig im Detail. Nach Weinbren­ner formte vor allem Heinrich Hübsch das archi­tek­to­ni­sche Profil der Stadt, zu seinen schönsten Bauten zählen die Staat­li­che Kunsthalle und die Orangerie am Botani­schen Garten. Mit dem Vierordt­bad (1871 bis 1873), damals die erste städtische Badean­stalt mit Wannen­bä­dern, und dem Haupt­fried­hof (1876) machte Josef Durm die Neore­naissance italie­ni­scher Prägung zum Leitstil des späten 19. Jahrhun­derts.

Für den Karlsruher Jugendstil stehen die Hof-Apotheke oder die Villen­ko­lo­nie Baisch­straße von Hermann Billing (1867 bis 1946), aber auch der Haupt­bahn­hof von August Stürzen­acker (1871 bis 1943). Nach dem Zweiten Weltkrieg entsteht am Festplatz 1953 mit der Schwarz­wald­halle die erste Halle mit einem freitra­gen­den "Hänge­dach" (Erich Schelling). Zu den jüngeren Archi­tek­ten­hand­schrif­ten zählen das Badische Staats­thea­ter (Helmut Bätzner, 1975), die expres­si­ve Heinrich-Hübsch-Schule (Heinz Mohl, 1983 bis 1985) oder auch die streng geome­trisch konzi­pierte Badische Landes­bi­blio­thek (Oswald Mathias Ungers, 1992) im archi­tek­to­ni­schen Dialog mit der Kirche St. Stephan. Zu nennen sind zudem das Zentrum für Kunst und Medien­tech­no­lo­gie - ZKM (Schwe­ger+­Part­ner), die Erwei­te­rung des Bundes­ge­richts­ho­fes durch Dohle+Lohse, die Friedrich-List-Schule (Ross­mann+­Part­ner), der Neubau CampusOne der Musik­hoch­schule (3P archi­tek­ten) oder die L-Bank (Wein­mil­ler).

Auch heute noch Weinbren­ner­stadt
Bei aller Weiter­ent­wick­lung: Karlsruhe ist heute noch die Weinbren­ner­stadt. Von bauge­schicht­lich höchstem Wert ist nach wie vor die klassi­zis­ti­sche, steinerne Platzfolge, die er entlang der heutigen Karl-Friedrich-Straße mit dem Marktplatz, dem Rondell­platz und Ettlinger Tor schuf. Gerade an der Mitte­lachse des Fächers, seit den 20er Jahren "Via trium­pha­lis" genannt, konzen­triert sich Karls­ru­her Bau- und Stadt­ge­schichte. Viele Gebäude Weinbren­ners wurden zwar im Zweiten Weltkrieg zerstört. Doch sein bauliches Konzept blieb auch für die "dritte Stadt­grün­dung" - den Wieder­auf­bau nach dem Krieg und die Entwick­lung Karlsruhes zu einem Oberzen­trum am Rhein - verbind­lich.
Ein bedeu­ten­der Stadtumbau erfolgte zwischen 1970 und 1995 mit der Sanierung des Dörfles, dem ältesten Teil Karlsruhes. In der für die Zeit typischen Form wurde zunächst flächensa­niert. Es war dann aber ein Glücksfall für die Stadt, dass beim Neubau des Quartiers auf histo­ri­sche Leitbilder wie "Stra­ßen­raum" und "Block­rand" zurück­ge­grif­fen wurde und mit dem Wohnungs­bau des Büros Hilmer und Sattler (1972 - 1977) beispiel­ge­bende Archi­tek­tur entstand.

In den 1970er Jahren disku­tierte man erstmals in einem größeren Zusam­men­hang die Frage, wie viel Verkehr erfor­der­lich und verträg­lich ist. Aus der Diskus­sion ging ein Verkehrs­kon­zept hervor, auf das der Ausbau der Kriegs­straße und die Fußgän­ger­zo­nen in der City zurück­ge­hen. Aus Parkplät­zen wurden Treff­punkte - der Ludwig­s­platz mit seinem pulsie­ren­den Leben ist hierfür ein gutes Beispiel. Nicht weit von der Innen­stadt bot die Umnutzung ehemaliger Militär- und Bahnflä­chen ab Mitte der 1990er Jahre zunächst die Nordstadt, später dann auch in der Südstadt, Neureut und Knielingen Raum für neuen Städtebau.

Der Karlsruher Süden als Trend­set­ter
"Modern" wohnte und wohnt der Karlsruher im Süden der Stadt. Vor allem hier setzte die Fächer­stadt immer wieder Trends für das "Wohnen der Zukunft". Ob Garten­stadt, Dammer­stock- oder Baumgar­ten­sied­lung: Stets ging es um Modell­sied­lun­gen für quali­täts­vol­le Stadt­er­wei­te­run­gen auf knappem Bauland. Wohnideen, die bis heute außer­ge­wöhn­li­che Qualitäten bieten. Die Garten­stadt-Bewegung führte in Karlsruhe zur ersten Vereins­grün­dung auf deutschem Boden und ab 1911 mit den unter­schied­li­chen Haustypen der Garten­stadt Rüppurr zur Muster­sied­lung für kosten­güns­ti­gen genos­sen­schaft­li­chen Wohnungs­bau.

Wenige Jahre später sorgten die einheit­li­chen Zeilen der Dammer­stock­sied­lung für inter­na­tio­na­les Aufsehen, deren "Gebrauchs­woh­nun­gen" unter der künst­le­ri­schen Oberlei­tung von Walter Gropius im Geiste der "Neuen Sachlich­keit" und Bauhaus-Archi­tek­tur konsequent der Linie "minimiert in Reihen bei einem Maximum an Licht, Luft und Sonne" folgten. Mitte der 1960er Jahre reagierte die Baumgar­ten­sied­lung in Rüppurr auf die gestie­ge­nen Wohnan­sprü­che mit indivi­du­el­lem Wohnen in hoher Qualität bei relativer Dichte.

Karlsruhe ist seit jeher eine Stadt des Grüns: Der Schloss­park bietet die Möglich­keit, vom Stadt­zen­trum aus direkt in die freie Landschaft zu gelangen, und der Zoolo­gi­sche Stadt­gar­ten - mit dem ältesten Japan­gar­ten Europas - bildet im Süden eine grüne Lunge. Das Albgrün mit der Günther-Klotz-Anlage, der Otto-Dullenkopf-Park rund um das Schloss Gottesaue und der Stadtpark Südost im "City Park Karlsruhe" ergänzen den "grünen Fächer".

Entwick­lungs­pro­jekt Integrier­tes Stadt­ent­wick­lungs­kon­zept Karlsruhe 2020 (ISEK)

Der 300. Stadt­ge­burts­tag 2015 gab Anstoß für einen auf die Zukunft gerich­te­ten Stadt­ent­wick­lungs­pro­zess. Er wurde nach einem breit angelegten Betei­li­gungs­pro­zess in das Integrier­te Stadt­ent­wick­lungs­kon­zept Karlsruhe 2020 (ISEK) aufge­nom­men.

ISEK zielt auf eine lebendige anziehende Stadt, die für künftige Heraus­for­de­run­gen und Bedürf­nisse gerüstet ist. Impuls­ge­ber ist die Kombi­lö­sung - bestehend aus den Teilpro­jek­ten Stadt­bahn­tun­nel mit unter­ir­di­schem Südabzweig ab Marktplatz und oberir­di­scher Flanier­meile in der Kaiser­straße sowie der Umgestal­tung der Kriegs­straße zum begrünten Stadt­bou­le­vard mit Autotunnel und Straßen­bahn­trasse. Mit dem ersten Spaten­stich für die Kombi­lö­sung hat Karlsruhe 2010 die Weichen auf Zukunft gestellt. Auch andere Leitpro­jek­te zur Stadt­ent­wick­lung haben schon vor dem Stadt­ju­bi­lä­um Fahrt aufge­nom­men: Radstadt Karlsruhe, Verkehrs­ent­wick­lungs­kon­zept oder auch Landschaftspark Rhein und Wohnraum­för­de­rung.

Im Zuge der Entwick­lung eines Räumlichen Leitbilds 2015 wird seit 2010 die Frage diskutiert, mit welchen räumlichen Strategien die Planstadt Karlsruhe sich den Heraus­for­de­run­gen als Wohn-, Arbeits- und Forschungs­stand­ort stellen soll. Karlsruhe ist unterwegs - zu einer noch urbaneren, moderneren, lebens­wer­te­ren Stadt.