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Karlsruhe: Stadtteile

Geschichte der Weststadt seit 1900

Villa Schönleber

Villa Schönleber



Detail am Schultor des Lessinggymnasiums

Detail am Schultor des Lessinggymnasiums


Rathaus West

Rathaus West


Brauerei Moninger

Brauerei Moninger


Bonifaziuskirche

Bonifaziuskirche


(Bilder:PBe)

 

Neben der Industrie, z.B. in Gestalt der Maschi­nen­fa­brik Junker & Ruh und den Brauereien, nahm auch das Militär Quartier in der Weststadt. 1898 bezogen die Dragoner ihre Kaserne an der Kaise­r­al­lee. Bereits 1891 wurden die Kadet­ten­an­stalt und drei Jahre später direkt daneben die neue Infan­te­rie­ka­serne fertig­ge­stellt. Heute befindet sich in dem riesigen Gebäu­de­kom­plex das Behör­den­zen­trum.

Weiter westlich an der Moltke­straße wurde 1907 das neue Städtische Kranken­haus eröffnet, das als einer der modernsten und großzü­gigs­ten Klinik­bau­ten seiner Zeit galt. Nördlich der Kaise­r­al­lee entstanden um die Jahrhun­dert­wen­de weitere große Reprä­sen­ta­tiv­bau­ten, denen vor allem der Architekt Josef Durm seinen Stempel im Stil der Neo-Renaissance aufdrückte, die Kunst­aka­de­mie, das Amtsge­fäng­nis, das Oberlan­des­ge­richt sowie - unter Feder­füh­rung des Archi­tek­ten Julius Ratzel - das monumen­ta­le Generallan­des­ar­chiv und am Mühlburger Tor von Adolf Hanser das Gebäude der Karlsruher Lebens­ver­si­che­rung (heute Rathaus West) Gebaut wurden aber auch schöne Bürger­hau­ser wie die mit Wandma­le­reien geschmückte Villa Schönleber, die heute zur Musik­hoch­schule gehört.


An der Kaise­r­al­lee erhob sich bereits 1896 das von Stadt­bau­meis­ter Strieder geplante Friedrichs-Schulhaus, das 1922 in die Helmholtz-Oberre­al­schule und 1954 in Helmholtz-Gymnasium umbenannt wurde. Das erste deutsche Mädchen­gym­na­sium wurde 1898 der Höheren Mädchen­schule in der Sophien­straße 14 (heute Fichte-Gymnasium) angeglie­dert. 1911 bezog es ein neues Gebäude in der Sophien­straße. Die Schule erhielt den Namen Lessing-Gymnasium, den sie immer noch trägt. In Sichtweite gegenüber war bereits 1908 als Volks­schule die Guten­berg­schule feierlich einge­weiht worden.

Auf dem Areal zwischen den beiden Schulen stand bis 1890 zur Belus­ti­gung des Volkes die Schüt­zen­platz­an­lage, die schließ­lich der zuneh­men­den Bebauung weichen mußte, davor - bis Anfang des 19.Jahrhun­derts - befand sich hier die öffent­li­che Hinrich­tungs­stätte. Die Baulücke zwischen den Schulen verwan­delte sich in den Guten­berg­platz, dem der von dem Archi­tek­ten Friedrich Ratzel geschaf­fe­ne Kraut­kopf­brun­nen die Krone aufsetzte. Nördlich der Kaise­r­al­leee entstand vor dem ersten Weltkrieg das "Musi­ker­vier­tel"(­die Straßen tragen die Namen berühmter Kompo­nis­ten und Musiker) mit großbür­ger­li­chen indivi­du­ell und originell gestal­te­ten Wohnhäu­sern.

Um 1901 war Karlsruhe eine Großstadt mit 100 000 Einwoh­nern geworden, das enorme Bevöl­ke­rungs­wachs­tum führte zu raschen Erschlie­ßung der Weststadt, die mit der 1897 einge­weih­ten altka­tho­li­schen Aufer­ste­hungs­kir­che auf dem heutigen Oekume­ne­platz ihr erstes Kirchen­ge­bäude erhielt. Drei Jahre später wurde der erste evange­li­sche Gottes­dienst in der von dem Archi­tek­ten­büro Curjel und Moser im neogo­ti­schen Stil erbauten Chris­tus­kir­che abgehalten. Südlich der Kaise­r­al­lee entwi­ckelte sich eine dichtere Wohnbe­bau­ung, deren prägendes Element der Jugendstil wurde. An der Sophien­straße wurde 1908 für den katho­li­schen Bevöl­ke­rungs­teil die Kirche St. Bonifatius-Kirche errichtet. .Nach und nach verlor die Weststadt ihren indus­tri­el­len Charakter. Junker & Ruh zog 1913 in das Indus­trie­ge­biet im Bannwald. Die kleinen Brauereien fielen dem Konzen­tra­ti­ons­pro­zeß zum Opfer. Die Brauerei Moninger, die ein großes Areal zwischen Kriegs- und Sophien­straße einnahm, verließ allerdings erst 1980 die Weststadt und zog nach Grünwinkel. Erhalten blieb nur das Verwal­tungs­ge­bäude der Brauerei in der Kriegs­straße.

Die Kriegs­straße war auch das Ziel des ersten Bomben­an­griffs auf Karlsruhe am 15. Juni 1915. Weit größere Zerstö­run­gen hinter­lie­ßen die Bomben­an­griffe des Zweiten Weltkrie­ges, bei denen u.a. die Christus-Kirche, die Gutenberg-Schule und das Städtische Klinikum schwer beschädigt wurden.

Noch nachhal­ti­gere Verän­de­run­gen erfuhr die Weststadt durch die rege Bautä­tig­keit der Nachkriegs­zeit. Hochhäuser wie das der LVA, der Wohnturm Ecke Kaise­r­al­lee und Uhland­straße, das Wohnzen­trum auf dem Gelände der ehemaligen Stadtwerke oder das Verwal­tungs­ge­bäude in der Kriegs­strasse zeugen eher von der Dynamik der Wirtschafts­wun­der­jahre als von archi­tek­to­ni­schen Finger­spit­zen­ge­fühl. Den in der Gründer­zeit geprägten Charakter der Weststadt haben aber auch ein paar bauliche "Ausrut­scher" nicht wesent­lich beschädigt.