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Karlsruhe: Stadtteile

Das Mühlburger Feld

Urlaubsstimmung im Mühlburger Feld

Urlaubsstimmung im Mühlburger Feld


Die typische Bauweise der damaligen Zeit

Die typische Bauweise der damaligen Zeit


Das Mühlburger Feld in den 50er Jahren - Ansicht von Südosten

Das Mühlburger Feld in den 50er Jahren - Ansicht von Südosten


Gedenktafel


Wohnung in den 50er Jahren

Wohnung in den 50er Jahren


Straßenbahn


(Bilder: Stadt Karlsruhe, Stadt­ar­chiv)

 

In Karlsruhes erster Großsiedlung ist die Entwicklung nicht stehen geblieben

Schon zu Beginn des 20. Jahrhun­derts gab es erste Überle­gun­gen, das Mühlburger Feld im Nordwesten von Karlsruhe zu bebauen. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg entschied sich die Stadt Karlsruhe, die gut 19 Hektar große Fläche als Siedlungs­ge­biet auszu­wei­sen. Menschen, die es während des Krieges auf das Land getrieben hatte, kehrten in die Städte zurück. Dazu kamen die gewal­ti­gen Flücht­lings­ströme und eine Vielzahl zerstörter Häuser. Die Wohnungs­not in Karlsruhe war, wie in allen deutschen Städten, in den Nachkriegs­jah­ren enorm. Die Bebauung des Mühlburger Feldes hatte somit einen hohen politi­schen Stellen­wert.

Projekt mit Priorität

Im Januar 1953 fällte der Gemein­de­rat den Baube­schluss. Die VOLKS­WOH­NUNG wurde beauftragt, weit über 1.000 Wohnungen zu erstellen. Eine große Heraus­for­de­rung, denn für die Wohnungs­bau­ge­sell­schaft war es das bis dahin größte und wichtigste Bauprojekt. Auf dem Areal, das von der Wichern- und Sophien­straße sowie dem Entenfang und der Alb einge­grenzt wird, befanden sich bis zum Baubeginn Klein­gar­ten­an­la­gen. Bereits Ende 1953 waren die ersten Häuser fertig gestellt. Im bitter­kal­ten Dezember bezogen die ersten Menschen ihr neues Zuhause. Die Siedlung ist in ihrer Bauweise typisch für die damalige Zeit. In vielen deutschen Städten entstanden in den 1950er und 60er Jahren viele ähnliche Wohnge­biete. Im Gegensatz zu den strengen Formen früherer Zeilenbau-Siedlungen waren die Häuser­rei­hen jedoch freier angeordnet. Im Konzept des Stadt­pla­nungs­am­tes war die offene Zeilen­bau­weise, die heute selbst­ver­ständ­lich anmutet, vorgegeben worden. Von daher hatte das Mühlburger Feld einen beispiel­haf­ten Charakter.

Moderner Siedlungs­bau

Die städte­bau­li­che Gestaltung des Wohnge­bie­tes folgte dem Ziel, jeder Wohnung ein Höchstmaß an Licht, Luft und Sonne zu garan­tie­ren. Zwischen den fünfge­schos­si­gen Häuser­zei­len befinden sich deswegen 30 bis 40 Meter lange Grünräume. Die Siedlungs­mitte bildet ein von der Peter- und Paulkirche bis hin zur damals neu gebauten Grund­schule durch­ge­hen­der Grünzug. Insgesamt entstanden 22 Häuser­zei­len, ausge­rich­tet in Nord-Süd-Richtung und bis zu 80 Meter lang. Hinzu kommen drei so genannte Miba-Häuser, die an der Wichern­stra­ße stehen. Dabei handelt es sich um gleich­ar­tige Serien­häu­ser, die später auch in anderen Stadt­tei­len errichtet wurden. Die fünfge­schos­si­gen Gebäude haben zwei Beson­der­hei­ten: Einen innen liegenden Licht­schacht für die Belüftung der Bäder sowie gegen­läu­fige Treppen­häu­ser. Alle Häuser der Siedlung wurden aus Kosten­grün­den ohne Zentral­hei­zung und Aufzug gebaut.

Die ersten Wohnhoch­häu­ser

Das archi­tek­to­ni­sche Ausru­fe­zei­chen der Siedlung sind die drei Hochhäuser am Entenfang. Das erste war Ende 1954 mit 34 Metern Höhe im Rohbau fertig gestellt. Das von der Archi­tek­ten­ge­mein­schaft Backhaus und Brosinsky entwor­fe­ne Gebäude war das erste Wohnhoch­haus in Karlsruhe.1955 bezie­hungs­weise 1969 folgten die anderen beiden Gebäude. Die übrige Bebauung des Mühlburger Feldes war bereits 1958 abgeschlos­sen.

Im Wesent­li­chen orien­tierte sich der Siedlungs­bau an dem 1952 vom Stadt­pla­nungs­amt erarbei­te­ten Konzept. Kriti­siert wurde damals, dass bei der Reali­sie­rung keine der preis­ge­krön­ten Entwürfe des Archi­tek­ten­wett­be­werbs übernommen wurden. Die ersten drei Preise des Wettbe­wer­bes gingen an Alfred Gärtner, M. Meffer und Erich Rossmann, nachdem die eigent­li­chen Sieger (Hans W. Jung, Ralph W. Becker) infolge eines Einspruchs des Bundes Deutscher Archi­tek­ten nachträg­lich ausge­schlos­sen wurden.

Bis zur Fertig­stel­lung der Südtan­gente 1988 war die Verkehrs­be­las­tung für einen Großteil der Bewohner enorm. Mit der Ebert­straße führte direkt am südwest­li­chen Rand der Siedlung eine Haupt­ver­kehrs­achse vorbei. Die Weinbren­ner­straße querte als weitere stark befahrene Straße das Quartier. Heute hat sich das Wohnumfeld durch den Rückbau der Ebert­straße und die Verkehrs­be­ru­hi­gung in der Weinbren­ner­straße merklich verbessert.

Gut angebunden ist das Mühlburger Feld an den öffent­li­chen Perso­nen­nah­ver­kehr. Die Linie 5 streift die Siedlung im Südwesten. Am Entenfang und der Rhein­stra­ße fahren drei Straßen- und Stadt­bah­nen in Richtung Innen­stadt oder nach Daxlanden, Rheins­tet­ten und in die Pfalz. Zudem profi­tie­ren die Bewohner des Mühlburger Feldes von der Nähe zur Günther-Klotz-Anlage.

Einzel­han­dels- oder Dienst­leis­tungs­ge­schäfte haben sich in dem Viertel kaum etabliert. Die Versor­gungs­si­tua­tion ist durch die Nähe zum Entenfang und der Rhein­straße – mit ihren vielen Geschäften eine kleine Kaiser­straße – dennoch gut.

Wohnungen für Singles und Paare

Viele Flücht­linge und viele junge Leute – bis zu 5.000 Menschen – wohnten anfangs im Mühlburger Feld. Es wimmelte förmlich von Kindern. Mit den Jahren hat sich die Struktur des Viertels gewandelt, nicht zuletzt weil sehr viele Bewohner dort heimisch und alt geworden sind. Schon 1977 war der Anteil der über 50-jährigen überpro­por­tio­nal hoch. Heute leben im Mühlburger Feld rund 2.430 Menschen. Etwas über 1.000 davon sind älter als 60 Jahre, nur rund 280 sind noch unter 18 Jahren. Die VOLKS­WOH­NUNG besitzt und bewirt­schaf­tet im Mühlburger Feld ca. 1.100 Wohnungen, die sich sowohl in ihrer Größe als auch im Schnitt unter­schei­den. Zum größten Teil sind es Zwei- und Dreizim­mer­woh­nun­gen. Nach ihrer Moder­ni­sie­rung entspre­chen die Wohnungen voll und ganz den heutigen Standards an Komfort und Wirtschaft­lich­keit. Sie eignen sich gut für junge Singles und allein­ste­hende Paare. Das Mühlburger Feld beweist damit seine Anpas­sungs­fä­hig­keit an die heutigen Wohnan­for­de­run­gen.
 

Aus "Daheim Journal", Ausgabe 3/2003 der Volks­woh­nung.