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Karlsruhe: Stadtteile

Geschichte Dammerstock

"Neues Bauen" - Erste Siedlungsreihe

"Neues Bauen" - Erste Siedlungsreihe


Reihenbauweise um 1950

Reihenbauweise um 1950


Die Gebrauchswohnung

Die Gebrauchswohnung


Gemischte Bebauung entlang der Nürnbergerstraße | Bilder: Stadt karlsruhe, Stadtarchiv

Gemischte Bebauung entlang der Nürnbergerstraße | Bilder: Stadt karlsruhe, Stadtarchiv


 

Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhun­derts wurde von drei Bauge­nos­sen­schaf­ten, der Hardt­wald­sied­lung Karlsruhe, der Volks­woh­nung Karlsruhe und der Gemein­nüt­zi­gen Bau- und Siedlungs-A.G. Berlin, der erste Bauab­schnitt der Dammer­stock­sied­lung errichtet.

Die Stadt setzte mit dem Bau der Siedlung neue Maßstäbe und öffnete sich mit dem Bau der Dammer­stock­sied­lung, einem der promi­nen­tes­ten Beispiele des Neuen Bauens, dem modernen Siedlungs­bau. Die avant­gar­dis­ti­sche Bauweise des Archi­tek­ten und geistigen Vaters der Dammer­stock­sied­lung, Walter Gropius, löste schon unter den Zeitge­nos­sen teilweise heftige Diskus­sio­nen aus.

Unter die Lobes­hym­nen zum "Neuen Bauen" mischten sich einst ebenso Spötte­leien. Es war die Rede vom "Jammer­stock" mit so dünnen Wänden, daß neben­ein­an­der wohnende Familien mit nur einem Nagel auskamen, um zwei Bilder aufzu­hän­gen. Ebenso witzelte man über die Erfindung des Dammer­stock-Nacht­top­fes, der platz­spa­rend den Henkel innen hatte. Mit der Macht­über­nahme der Natio­nal­so­zia­lis­ten war es mit dem Neuen Bauen entgültig vorbei. Die weitere Bebauung des Geländes wurde im konven­tio­nel­len Stil vorge­nom­men.

1907 bereits soll das Gelände zur Bebauung als Indus­trie­ge­biet mit Gleis­an­schluß freige­ge­ben werden. Jedoch kam die Planung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrie­ges nicht recht voran.

1926 legte dann der Baubür­ger­meis­ter Dipl. Ing. Hermann Schneider einen Bebauungs- und Flächen­nut­zungs­plan vor.

1928 wurde ein Wettbewerb über die Bebauung des stadt­ei­ge­nen südlichen Teils des Dammer­stock-Geländes ausge­schrei­ben, mit der Vorgabe, das Baugelände bis Mitte des Jahres 1929 zu bebauen. Bei der Ausschrei­bung stand "der Gebrauchs­wert der Wohnungen für Familien aus mittleren und unteren Einkom­mens­schich­ten" im Vorder­grund.

Zu dem Wettbewerb wurden außer den ortsan­säs­si­gen Archi­tek­ten so bekannte Persön­lich­kei­ten wie Walter Gropius, Otto Haesler, Riphahn, Groth, und einige andere eingeladen. Auch das Preis­ge­richt entsprach mit Archi­tek­ten wie Ernst May, Mies van der Rohe und Paul Schnit­then­ner, der weit über die örtlichen Verhält­nis­se hinaus­rei­chen­den Bedeutung der Ausschrei­bung.

Den ersten Preis erhielt der Entwurf von Walter Gropius, der kurz zuvor die Leitung des Bauhauses aufgegeben hatte, gefolgt von Otto Haesler. Der "Vater des Bauhau­ses" übernahm die Oberlei­tung für den ersten Bauab­schnitt und hatte die Tätig­kei­ten der daran betei­lig­ten Archi­tek­ten zu koordi­nie­ren.

Die wichtigste, von Gropius in allen Konse­quen­zen verwirk­lichte Planungs­idee war die Zeilen­bau­weise. Anstelle der herkömm­li­chen Block­rand­be­bau­ung trat das Bauen in nord-süd-parallel gesetzten Reihen. Damit erreichte man eine optimale Besonnung - morgens Licht im Schlaf­zim­mer, mittags in den Wohnräumen.

Am 29. September 1929 wurde nach nur sieben­mo­na­ti­ger Bauzeit mit der Ausstel­lung "Die Gebrauchs­woh­nung" Karlsruhes viel gelobte und ebenso kontrovers disku­tierte Siedlung eröffnet.

Man stellte funktio­nel­les Wohnen ohne Plüsch und Schnörkel vor. Speziell für diese Schau hatte man auch passende Möbel entworfen. Werbung und grafische Gestal­tung vom Katalog bis hin zum Plakat lagen in den Händen des dadais­ti­schen Künstlers Kurt Schwitters - ebenfalls ein Novum.

Von 1934
ab entstand die von der Gagfah (Gemein­nüt­zige Aktien­ge­sell­schaft für Angestell­ten-Heimstät­ten) im Sperber-, Bussard- und Falkenweg nördlich der Maria-Matheis-Straße und im Gebiet nördlich der Nürnberger Straße angelegte Siedlung in konven­tio­nel­ler Bauweise.

Bild- und Textquel­len: Stadt­ar­chiv, Vortrag von Dr. Heinz Schmitt, A. Borchardt-Wenzel: BNN vom 5.März 1989

 

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