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Karlsruhe: Stadtteile

Geschichte Südweststadt

Stadtplanausschnitt von 1880. Quelle: Koch, Manfred, Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen. Karlsruhe 1992

Stadtplanausschnitt von 1880. Quelle: Koch, Manfred, Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen. Karlsruhe 1992


Hirschbrücke, Aufnahme von 1895. Rechts (also im Norden) ist die Blockrandbebauung noch nicht geschlossen, im Vordergrund eine frisch angelegte Allee

Hirschbrücke, Aufnahme von 1895. Rechts (also im Norden) ist die Blockrandbebauung noch nicht geschlossen, im Vordergrund eine frisch angelegte Allee


Hirschbrücke heute (Foto: Bildstelle Stadt)


Feuerwache

Feuerwache


Schriftrelief am Gebäude des Konsumvereins in der Roonstraße

Schriftrelief am Gebäude des Konsumvereins in der Roonstraße


Festhalle und Stadtgartensee Postkartenmotiv 1908

Festhalle und Stadtgartensee Postkartenmotiv 1908


 
Plan der Südwest­stadt von 1880
Erkennbar ist südlich der Garten­straße - wo sich heute das Goethe-Gymnasium befindet - die Maschinen- und Wagen­fa­brik. Die südliche Karlstraße heißt noch Beiert­hei­mer Feldweg. An der Einmündung zur Kriegs­straße liegt das alte Vincentius-Kranken­haus. Ganz im Westen ist die Patro­nen­fa­brik einge­zeich­net, später IWKA. Auf dem Gebiet des heutigen Stadt­gar­tens verläuft die Bahnlinie nach Ettlingen, die Hirsch­straße endet (noch) an der Bahnlinie nach Maxau, und damit auch die geschlos­se­ne Bebauung. Aber der projek­tierte Stadtteil bis zur Südend­straße ist schon einge­zeich­net.

Entstehung

Mitte des 19. Jahrhun­derts, als die Südstadt schon allmählich Gestalt annahm, war das Gebiet der Südwest­stadt noch weitgehend Gartenland und lag auch größten­teils auf Beiert­hei­mer Gemarkung. Die Garten­straße, die aus dieser Zeit ihren Namen hat, bildete die Gemar­kungs­grenze.

Zunächst entwi­ckelte sich dort ein Indus­trie­ge­lände, denn drei Bahnlinien durch­schnit­ten das heutige Gebiet der Südwest­stadt (und trafen sich am alten Bahnhof, wo heute das Staats­thea­ter steht). Vor allem metall­ver­ar­bei­tende Betriebe hatten sich angesie­delt, zum Beispiel die Keßler­sche Maschi­nen­fa­brik, die Wagen­fa­brik Schmieder + Mayer sowie eine Metall­pa­tro­nen­fa­brik, aus der später die Indus­trie­werke Karlsruhe (IWKA) entstehen sollten. Aber auch Brauereien und Möbel­fa­bri­ken bestimmten das gewerb­li­che Leben der Südwest­stadt.

Aber seit 1860 begann eine rege Bautä­tig­keit. Die Beier­heit­hei­mer Allee wurde 1871 angelegt, die (verlän­ger­te) Hirsch­straße 1876, das alte Vincen­ti­us entsstand 1861 an der Kriegs­straße, der Zoo 1864 und Josef Durm baute Anfang der siebziger Jahre das Vierordt­bad und die alte Festhalle am Stadt­gar­ten­see. Erst mit der Jahrhun­dert­wen­de hatte die geschlos­sene Bebauung die Südend­stra­ße erreicht. Zu diesem Zeitpunkt tätigte die Stadt auch den letzten großen Gebiets­kauf, damit war die südwest­li­che Vorstadt wirklich karls­ru­he­risch geworden.

Die Zeit der Jahrhun­dert­wende ließ auch ein Quartiers­be­wußt­sein entstehen. 1895 trafen sich mehrere Bürger in der Schrempp­schen Bierhalle (heute alter Brauhof) und gründeten den "Bürger­ver­ein Südwest­stadt", und hatten damit so nebenbei auch dem neuen Viertel einen Namen gegeben.

 

Südweststadt ab 1900

Um die Jahrhun­dert­wende bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs entfaltete sich eine rege Bautä­tig­keit in Karlsruhe, ganz besonders in der Südwest­stadt. Haus für Haus, Straße für Straße entstand. Wichtige Infra­struk­turein­rich­tun­gen folgten: das Wasser­hochre­ser­voir im Stadt­gar­ten (Lauter­berg) 1893, der Konsum­ver­ein 1905, Garten­schule 1883, Südend­schu­le 1912, Goethe-Gymnasium 1908, das Vincentius-Kranken­haus 1912 und vieles andere mehr.

Trotz Hirsch­brücke bildete die Eisenbahn auch weiterhin ein Hindernis für die Entwick­lung der Südwest­stadt. Die Bahnan­la­gen mit ihrem Lärm und Schmutz konnten auf Dauer nicht bestehen bleiben. Um 1900 setzte eine Diskussion um den Standort des Haupt­bahn­hofs ein, der schließ­lich 1913 am neuen Ort in Betrieb genommen wurde. Die alten Trassen werden heute von der Straßen­bahn benutzt.
Der Erste Weltkrieg setzte eine Zäsur in der Entwick­lung, bis auf eine Ausnahme. Die Deutsche Waffen- und Muniti­ons­fa­brik (später IWKA) baute mitten im Krieg den Hallenbau A ihrer Anlage, der auch den zweiten Weltkrieg gut überstand und heute das Zentrum für Kunst und Medien­tech­no­lo­gie sowie die Städtische Galerie beherbergt.

Nach dem Krieg, mit Inflation und Wirtschafts­krise ging es deutlicher langsamer voran. In der Garten­straße mußte 1923 das Stadt­ar­chiv dem Arbeitsamt weichen. Die Feuerwache, erste städtische Neubau nach dem Krieg, wurde 1926 vom Archi­tek­ten Herrmann Billing gebaut, ein Vertreter der Neuen Sachlich­keit. Billing plante auch den Kolping­platz, mit dem der Stadtteil über die Südend­straße hinaus­wuchs und seine heutige Größe erreichte.

Der Natio­nal­so­zia­lis­mus fand leider in der Südwest­stadt starke Unter­stüt­zung. Vier von 39 Karlsruher Ortsgrup­pen stellte der Stadtteil. Und im Krieg wurden im großen Stil Zwangs­ar­bei­ter bei der Deutschen Waffen- und Muniti­ons­fa­brik in der Südwest­stadt eingesetzt. Eine Gedenk­ta­fel am Eingang zum Hallenbau A erinnert heute daran. Die Südwest­stadt überstand aber die Bombar­de­ments der Alliierten relativ gut.
 

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