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Karlsruhe: Stadtteile

Geschichte von Beiertheim und Bulach

Gemarkungsgrenzen Beiertheim, Karte: Liegenschaftsamt

Gemarkungsgrenzen Beiertheim, Karte: Liegenschaftsamt


Beiertheimer Rathaus (Foto: Stadtarchiv)

Beiertheimer Rathaus (Foto: Stadtarchiv)


Beiertheim: Stephanienbad 1920 (Foto: Stadtarchiv)

Beiertheim: Stephanienbad 1920 (Foto: Stadtarchiv)


Beiertheim Breite Straße (Foto: Stadtarchiv)

Beiertheim Breite Straße (Foto: Stadtarchiv)


 
Beiertheim (erstmals erwähnt 1110) und Bulach (seit 1193) sind zwei in etwa gleich alte Siedlungs­be­rei­che im Süden Karlsruhes. Erste Aufzeich­nun­gen stammen aus dem 12. Jh.. Während Bulach bei der Teilung der badischen Markgraf­schaft Baden-Baden zugeschla­gen wird, blieb Beiertheim zunächst dem Durlacher Markgrafen verbunden, aber nur bis 1582.

1784 wird aus Teilen von Bulach (und Daxlanden) die neue Gemarkung für Grünwinkel gebildet. Ungleich mehr Gelän­de­ein­bu­ßen erlitt Beiertheim zu Gunsten der rasch aufstre­ben­den Residenz­stadt Karlsruhe, indem es ab 1800 den Großteil seiner ehemals 435 ha zählenden Fläche verkaufen musste; heute umfasst Beiertheim gerade noch 51 ha.

Beiertheim und Karlsruhe

Beiert­hei­mer Feld, Beiert­hei­mer Wäldchen, Beiert­hei­mer Allee - es gibt viele Örtlich­kei­ten in Karlsruhe, die den Namen Beiert­heims tragen, aber gar nicht auf Beiert­hei­mer Gemarkung liegen. Wie kommt das?

Beiertheim war bis Anfang des 19. Jahrhun­derts eine landreiche Gemeinde im Süden von Karlsruhe. Terri­to­rial gehörte sie zur Markgraf­schaft Baden-Baden, die Grenze zu Karlsruhe - sie verlief etwa auf der Höhe des Ettlinger Tors - war also eine Landes­grenze. Das änderte sich erst 1771 nach der Verei­ni­gung von Baden-Baden und Baden-Durlach. Seither verkaufte die Gemeinde Beiertheim weite Teile ihrer Gemarkung an die aufstre­bende Stadt Karlsruhe. Das Gelände um das Ettlinger Tor, der heutige Festplatz, der neue Haupt­bahn­hof, das Vincen­ti­us­kran­ken­haus, die Kriegs­straße, die Südwest­stadt, der Stadt­gar­ten und Teile der Weststadt wurden auf ehemals Beiert­hei­mer Gebiet errichtet. Bei der Einge­mein­dung brachte Beiertheim von seinen ursprüng­lich 435 Hektar nur noch 160 Hektar Fläche in den Bund mit Karlsruhe ein.

Anderer­seits bescherte der stete Landver­kauf dem Dorf Beiertheim Wohlstand. So konnte man dem Werben Karlsruhe um Einge­mein­dung dreißig Jahre lang wider­ste­hen. Zum 1. Januar 1907 aber wurde der Zusam­menschluss vollzogen. Die wichtigs­ten Punkte der vertrag­li­chen Einigung: Erstellung der Kanali­sa­tion, Anschluss an das Gas-, Wasser- und Elektri­zi­täts­netz. Außerdem bekam Beiertheim eine Straßen­bahn durch die Breite Straße.
Der Bürger­ver­ein Beiertheim hat anlässlich des 100. Jahrestags der Einge­mein­dung eine Schrift veröf­fent­licht: Bürger­ver­ein Karlsruhe-Beiertheim e.V., 100 Jahre Einge­mein­dung Beiertheim. Rückblick auf die Stadt­teil­ent­wick­lung der letzten 100 Jahre. Eigen­ver­lag, Karlsruhe 2007.
 

Bulach: Ursprüngliche und heutige Gemarkungsgrenzen Kartografie: Liegenschaftsamt

Bulach: Ursprüngliche und heutige Gemarkungsgrenzen Kartografie: Liegenschaftsamt


Straßenzug in Bulach um 1959 (Foto: Schlesiger)

Straßenzug in Bulach um 1959 (Foto: Schlesiger)


Blick in die Litzenhardtstraße um 1955. Im Vordergrund Schranken des Industriegleises zum Rheinhafen (Foto: Stadtarchiv)

Blick in die Litzenhardtstraße um 1955. Im Vordergrund Schranken des Industriegleises zum Rheinhafen (Foto: Stadtarchiv)


Plan des Bulacher Rathauses von Hugo Slevogt

Plan des Bulacher Rathauses von Hugo Slevogt


 

Bulach und Karlsruhe

Im Jahr 1784 verlangte der Hof, dass Bulach und Daxlanden 60 Morgen Feld an das Dorf Grünwinkel abgeben. Diese Abtretung war für Bulach der Anfang einer Kette von Gebiets­re­du­zie­run­gen, die zumeist auf das Konto der Residenz- und Landes­haupt­stadt Karlsruhe gehen sollten. 1892 der Bannwald, 1900 das "Luthe­ri­sche Wäldchen", 1903 fast 400 ha für den neuen Hafen und 1925 Land für neue Gleis­an­la­gen des Haupt­bahn­hofs. 1926 dann wuchs das Dorf durch Einge­mein­dung von Gut Schei­ben­hardt, das damals eine Erzie­hungs­an­stalt für weibliche Gefangene war.

Abtre­tun­gen und Landver­käufe brachten Geld nach Bulach. Damit wurde 1903 an der Grünwink­ler Straße ein imposantes Ratshaus, 1906 an der Ecke zur Litzen­hardt­straße das großzügige Pfarrhaus und 1909 ein modernes Schul­ge­bäude erbaut (1944 durch Flieger­an­griff zerstört). Für ein Dorf mit weniger als 2.500 Einwohnern war das eine hervor­ra­gen­de Infra­struk­tur.

Die Einge­mein­dung erfolgte dann 1929. Bulach brachte immer noch viel Land, nämlich 529 ha, in die Stadt. Dafür wurden Forde­run­gen gestellt und vertrag­lich zugesi­chert, z.B. die Anbindung der Gemeinde an die Straßen­bahn (nie reali­siert) oder der Bau einer Turnhalle. Weltwirt­schafts­krise und Weltkrieg verhin­der­ten, diese Zusagen zeitnah einzu­hal­ten. Im Einge­mein­dungs­ver­trag wurde auch die Übernahme der Gasver­sor­gung und der Strom­ver­sor­gung verlangt. Das war freilich schon vorab realisiert: Die Bulacher Gasver­sor­gung wurde bereits seit 1913 (zumin­dest teilweise) von Karlsruhe übernommen, 1914 bis 1918 auch die Strom­ver­sor­gung.