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Karlsruhe: Stadtteile

Geschichte der Oststadt

Stadtplanausschnitt von 1880. Quelle: Koch, Manfred, Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen. Karlsruhe 1992

Stadtplanausschnitt von 1880. Quelle: Koch, Manfred, Karlsruher Chronik. Stadtgeschichte in Daten, Bildern, Analysen. Karlsruhe 1992


 

Auf dem Karlsruher Stadtplan von 1880 ist noch keine Oststadt zu sehen. Auf dem Gelände, auf dem sie sich wenig später ausbreiten wird, befinden sich nördlich der Straße, die nach Durlach führt, die Küchen­gär­ten des Schlosses und nördlich davon der städtische und der israe­li­ti­sche Friedhof sowie einige militä­ri­sche Anlagen.

Das Schloss Gottesaue, das Markgraf Karl II 1553 anstelle der einige Jahre zuvor einge­äsch­ten Benedik­ti­ner-Abtei erbauen lief, wurde seit 1824 als Artil­le­rie­ka­ser­ne militä­risch genutzt.

Auf der Straße, die die junge Residenz Karlsruhe mit Durlach verbindet, wurde 1877 ausgehend vom Mühlburger Tor über das Durlacher Tor bis hin zu Gottesaue die erste Probefahrt mit einer Pferdebahn unter­nom­men. Am Nordo­steck der heutigen Georg-Friedrich-Straße wurden Stallungen und Remisen für die Pferdebahn angelegt, die sich freilich nur als Vorhut, der elektri­schen Straßen­bahn erwies, die zum bevor­zug­ten Fortbe­we­gungs­mit­tel der Karlsruher werden sollte.

Die um die Durlacher Allee herum sich gruppie­ren­de Oststadt entstand und vergrö­ßerte sich nicht zuletzt, um den wachsenden Wohnungs­be­darf der Straßen­bah­ner zu befrie­di­gen.

 

Die Oststadt vor dem ersten Weltkrieg

Gegen Ende des 19. Jahrhun­derts wuchs Karlsruhe über seine bisherigen Stadt­gren­zen hinaus. Im Osten wurde ab 1890 auf dem Gelände der ehemaligen Hofkü­chen­gär­ten zügig ein neues Wohn- und Indus­trie­ge­biet erschlos­sen. Bereits 1866 war östlich von Schloss Gottesaue das neue Gaswerk eröffnet worden, das zur Bedarfs­de­ckung der rapide wachsenden Stadt ständig erweitert werden müßte. Um 1900 ließen sich die Parfü­me­rie­fa­brik Wolff & Sohn, die Nähma­schi­nen­fa­brik Haid & Neu und die Privat­braue­rei Hoepfner in der Oststadt nieder. Geblieben ist davon die Brauerei Hoepfner, deren im neogo­ti­schen Stil errichtete Burg zu einem der Wahrzei­chen der Oststadt geworden ist. Bereits 1887 hatte Adolf Speck mit einer 3 Mann-Beleg­schaft die erste "Badische Dampf­zucker­wa­ren- und Drage­efa­brik" gegründet. Die daraus hervor­ge­gan­gene, weltweit operie­rende Firma RAGOLDS (Rachen­gold Gmbh) hat nach wie vor ihren Firmensitz in der Tulla­straße.

Um die Jahrhun­dert­wende entstanden zwischen Rinthei­mer Straße und Durlacher Allee die Mietwohn­häu­ser im Stil des Histo­ris­mus, deren Misch­nut­zung typisch für die Zeit und ihre Sozial­struk­tur ist. Erdge­schosse oder Rückge­bäu­de wurden häufig für Klein­ge­werbe und Handwerk genutzt. Die damals übliche Randbe­bau­ung prägte die frühe Oststadt. Bezeich­nend für den Bürgersinn und das Zusam­men­ge­hö­rig­keits­ge­fühl der neuen Oststädter ist die bereits 1896 erfolgte Gründung eines Bürger­ver­eins.

Zu Beginn des 20. Jahrhun­derts wurden die beiden markanten Gottes­häu­ser der Oststadt gebaut. 1901 wurde im Stil der Neogotik die katho­li­sche St.Bernhar­dus­kir­che am Durlacher Tor fertig­ge­stellt. Die dreischif­fige Basilika wurde von ihrem Archi­tek­ten Max Meckel auf einen 1,50 Meter hohen Sockel gestellt wurde.Das macht die Kirche bis heute zu einem der markan­tes­ten Punkte der Stadt. 1907 wurde in der unweit davon gelegenen evange­li­schen Luther­kir­che der erste Gottes­dienst gefeiert. Die Archi­tek­ten Curjel und Moser, die bereits die Chris­tus­kir­che in der Weststadt und die Villa Hoepfner an der Rückseite der Hoepfner-Burg entworfen hatten, gestal­te­ten das protes­tan­ti­sche Gottes­haus als Kreuz­kir­che im romani­schen Stil, an die Gemein­deräu­me und das Pfarrhaus angebaut wurden. Ein großes Relief vom predi­gen­den Luther schmückt die Außen­fassade. Das Innere der Kirche ist geprägt durch Jugend­sti­lor­ma­nen­tik,wie man sie in anderer verspiel­te­rer Form in vielen Gebäuden der Gründer­zeit finden kann. Kein Kirchen­ge­bäude, sondern ein Denkmal der Herrscher­hau­ses der Zähringer ist die 1896 fertig­ge­stellte Grabka­pelle im Fasanen­gar­ten am heutigen Klosterweg.

Bereits 1887 wurde der Schlacht­hof am äußersten Ende der Oststadt noch hinter Schloß Gottesaue angesie­delt. Ansonsten waren es Militär­an­la­gen, die diesem Teil der Oststadt ihren Stempel aufdrück­ten. Die heterogene Gestalt war der Oststadt, in der 1905 bereits 15 Prozent der Karls­ru­her Bevöl­ke­rung wohnte, gewis­ser­ma­ßen in die Wiege gelegt.

Die äußersten Enden der Oststadt werden durch Friedhöfe markiert. Nachdem der Alte Friedhof, der von 1804 bis 1876 genutzt wurde, mit der von Friedrich Eisenlohr erbauten Eingangs­ka­pelle an der späteren Kapel­len­straße, an die Grenzen seiner Kapazität gestoßen war (ebenso wie der angren­zende isrea­lis­ti­sche Friedhof) , wurde an der späteren Haid- und Neu-Straße der Haupt­fried­hof als großzü­gi­ge Parkanlage angelegt. Nicht nur das von Joseph Durm nach italie­ni­schen Vorbildern errichtete Gebäu­de­en­sem­ble mit Eingangs­por­tal, Gruften­halle und die Grabka­pelle ist sehenswert, auch die Fried­hofs­an­lage mit ihren verschie­den­ge­stal­ti­gen Grabmalen lädt zum Flanieren und Schauen ein.

Unweit des Haupt­fried­ho­fes wurde 1914 nach Plänen des Stadt­bau­ra­tes Beichel die Tulla­schule fertig­ge­stellt. Das imposante, großzügig angelegte Gebäude ist immer noch eine der großen Grund- und Haupt­schu­len Karlsruhes. Ein weiteres markantes Gebäude der Oststadt in Nachbar­schaft der Bernhardus-Kirche ist das ehemalige Viktoria-Mädchen­pen­sio­nat, das ab 1920 bis zum Ende des 20. Jahrhun­derts die Karlsruher Kinder­kli­nik beher­bergte.

 

Parfümeriefabrik Wolff & Sohn, später Kaloderma, 1910. Im Vordergrund die Durlacher Allee (Bild: Stadtarchiv)

Parfümeriefabrik Wolff & Sohn, später Kaloderma, 1910. Im Vordergrund die Durlacher Allee (Bild: Stadtarchiv)


Eingangsgebäude des Schlacht- und Viehhofs, 2004

Eingangsgebäude des Schlacht- und Viehhofs, 2004


Hauptfriedhof

Hauptfriedhof