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Karlsruhe: Stadtteile

Das Malerdorf Grötzingen

Jenny Fikentscher, Blühender Kirschbaum, 1899 Farblithografie, 32 x 21,3 cm Städtische Galerie Karlsruhe

Jenny Fikentscher, Blühender Kirschbaum, 1899 Farblithografie, 32 x 21,3 cm Städtische Galerie Karlsruhe



Gustav Kampmann, Blaue Luft, 1907 Öl auf Leinwand, 41,5 x 54 cm Städtische Galerie Karlsruhe

Gustav Kampmann, Blaue Luft, 1907 Öl auf Leinwand, 41,5 x 54 cm Städtische Galerie Karlsruhe



Franz Heinz, Herbstreifmorgen Farblithografie, 30 x 41 cm Sammlung Dr. Hans-Jürgen Vogt

Franz Heinz, Herbstreifmorgen Farblithografie, 30 x 41 cm Sammlung Dr. Hans-Jürgen Vogt


Brigitte Nowatzke-Kraft, Lichtraum Acryl 2004, 60 x 70 cm

Brigitte Nowatzke-Kraft, Lichtraum Acryl 2004, 60 x 70 cm


 
Mit dem Erwerb eines Sommer­hau­ses durch Friedrich Kallmorgen im Jahre 1889 begann die Geschichte der Grötzinger Maler­ko­lo­nie. Wenig später kaufte der Tiermaler Otto Fikent­scher die Augus­ten­burg, ein ehemals markgräf­lich-badisches Schloß, in dem er sich mit seiner Frau Jenny niederließ. Ihre Karls­ru­her Maler­kol­le­gen Gustav Kampmann, Franz Hein und Karl Biese schlossen sich mit ihren Familien an. Immer im künst­le­ri­schen Austausch mit der nahege­le­ge­nen badischen Residenz, gehörten die Grötzinger zu den Gründungs­mit­glie­dern des 1896 entstan­de­nen sezes­sio­nis­ti­schen "Karls­ru­her Künst­ler­bun­des". An dessen refor­me­ri­schen Bestre­bun­gen zur Förderung des künst­le­ri­schen Wandschmucks für Schule und Heim hatten die Grötzin­ger großen Anteil. In ganz Deutsch­land berühmt wurden die vom Künst­ler­bund herge­stell­ten Litho­gra­fien, die vor allem durch die Leipziger Verlage Teubner und Voigt­län­der vertrieben wurden. Bald nach 1900 löste sich die Grötzinger Maler­ko­lo­nie weitgehend auf. Im Sommer kam das Ehepaar Kallmor­gen weiterhin nach Grötzingen, und die Fikent­schers lebten dort bis ins hohe Alter. 1912 zog mit Oskar Hagemann und Gertrud Stamm-Hagemann wieder ein Künst­ler­ehe­paar in die verfal­len­de Augus­ten­burg ein. Unter dem Eindruck der Malerinnen und Maler studierten einige Grötzinger Buben um 1910 an der Akademie: Gustav Hofmann, Karl Doll, Fritz Siegrist und August Rumm. Zu Beginn der 1920er Jahre erst wohnten und arbeiteten wieder mehrere Künstler im Malerdorf; auch ihr Thema war die Landschaft um Grötzingen. Paul Rein und Karl Martin Graff ließen sich in Grötzingen nieder, nur kurze Zeit lebten Friedrich Bach, Hugo Bickel, Albert Feßler und das Künst­ler­ehe­paar Hans und Else Winkler-Dentz dort. Der neusach­li­che Maler Georg Scholz ist als einziger der Grötzinger Künstler aus dieser Zeit noch heute weit über Baden hinaus bekannt.

Ab Mitte der 1920er Jahre bis 1938 gab es in unregel­mä­ßi­gen Abständen Ausstel­lun­gen in Grötzingen, in den großen badischen Ausstel­lun­gen der 30er und 40er Jahre waren sie jedoch kaum vertreten. Ende der 1930er Jahre ließ sich der Bildhauer Karl Seckinger in Grötzingen nieder.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten noch Gustav Hofmann und Karl Seckinger im badischen Malerdorf, und auch neue Künstler, die wie ihre Vorgänger an der Karls­ru­her Akademie studiert hatten, ließen sich nieder. Zwischen ihnen entwi­ckel­ten sich sehr lose Bekannt­schaf­ten, das Interesse an Grötzinger Motiven verband sie. Zu nennen sind hier Franz und Susanne Dewald, Helmut Lingg, Waltraud Kniss und in den 1980er Jahren die Malerinnen und Maler Hans Peter Fischer, Helmut Liebe, Brigitte Nowatzke-Kraft, Richard Rothweiler, Bruno Schüßler, Johanna Sitterle und Josef Sommer, der Bildhauer Oskar Rösch und der Keramiker Stefan Holzmüller. In dieser Zeit gründete sich auch der "Freun­des­kreis Badisches Malerdorf Grötzingen e.V." Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, die über hundert Jahre bestehende Tradition des künst­le­ri­schen Schaffens in Grötzingen zu fördern und zu beleben. Im Laufe der Jahre zogen nach und nach weitere Künst­le­rin­nen und Künstler nach Grötzingen. Hierzu zählen unter anderem Sabine Classen, Horst Leyen­de­cker, Michael Melchers, Dieter Mokroß, Guntram Prochaska, Ulrich Sekinger und Axel Schmid.

Heute, nach mehr als 100 Jahren, existiert wieder eine lebendige Kunstszene im inzwischen zu Karlsruhe gehören­den Stadtteil. Tradition und Moderne ergänzen sich, Indivi­dua­li­tät und eine Erwei­te­rung des künst­le­ri­schen Spektrums über die Malerei hinaus sind Kennzei­chen der spannungs­vol­len Weiter­ent­wick­lung der Kunst in Grötzingen. Durch Ausstel­lun­gen und besondere Aktivi­tä­ten tragen die ansässigen Künst­le­rin­nen und Künstler mit ihrer Arbeit dazu bei, den Namen des Ortes nach außen zu tragen. Die Ateliers mit ihrer besonderen Atmosphäre sind oft in inter­essan­ten Baulich­kei­ten unter­ge­bracht und prägen so das Gesicht des Ortes mit. Bei regel­mä­ßi­gen Gruppen­aus­stel­lun­gen in Grötzingen werden unter dem tradi­tio­nel­len Namen "Gröt­zin­ger Maler" alle zwei Jahre aktuelle Arbeiten gezeigt. Bei "Offenen Ateliers" führt ein Rundgang zu den Künst­le­rate­liers.

 

Weitere Informationen


Lesetipp:
Brigitte Baumstark, Grötzingen - das "Badische Malerdorf", in: Susanne Asche, Eintausend Jahre Grötzingen. Die Geschichte eines Dorfes. Veröf­fent­li­chun­gen des Karls­ru­her Stadt­ar­chivs, Band 13, Karlsruhe 1991, S. 313 - 335

Internetseiten der Grötzinger Maler

Weitere Informationen zu den Künstlerinnen und Künstlern und Malerdorf