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Karlsruhe: Stadtteile

Neureuter Chronik

Ansicht der Stadt von Norden 1739, kolorierter Kupferstich des Hofgärtners Christian Thran

Ansicht der Stadt von Norden 1739, kolorierter Kupferstich des Hofgärtners Christian Thran



Historische Stadtpläne

 
1260
Erste urkund­li­che Erwähnung in einem Vertrag zwischen Markgraf Rudolf I. und dem Kloster Gottesaue vom 15. April über eine Neurodung (Novale, Neureut) und Dorfgrün­dung des Markgrafen auf Eggen­stei­ner Gemarkung.
1273
Neureut wird anläßlich der Belagerung Mühlburgs durch König Rudolf geplündert.
1275
Markgraf Rudolf I. schenkt dem Kloster Gottesaue die Dörfer Rintheim und Eggenstein ohne Neureut, das seit diesem Zeitpunkt als selbstän­dige Gemeinde anzusehen ist.
1424
Neureut wird von den Gegnern Markgraf Bernhards I. geplündert, die das benach­barte Wasser­schloß Mühlburg belagern
1525
Die Ämter Mühlburg und Durlach, damit auch Neureut schließen sich dem Bauernauf­stand an. Nach der Nieder­la­ge der Aufstän­di­schen huldigt Neureut am 29. Mai wieder dem Markgrafen.
1535
Bei der Teilung der Markgraf­schaft Baden fällt Neureut mit Pforzheim, Mühlburg und Durlach an Markgraf Ernst, dem Begründer der Durlacher Linie.
1556
Der Ort wird unter Markgraf Karl II. evange­lisch.
1563
Die Neureuter kaufen sich von der Leibei­gen­schaft frei.
1636
Während des Dreißig­jäh­ri­gen Krieges fliehen die Neureuter nach Durlach, da ihr Dorf gemeinsam mit Knielingen und Eggenstein von drei Reiter­ab­tei­lun­gen besetzt ist.
1688-1697
Durch den Pfälzi­schen Erbfol­ge­krieg wird Neureut in Mitlei­den­schaft gezogen, die Dorfbe­woh­ner verlassen zeitweise den Ort.
1699
Franzö­si­sche Glaubens­flücht­linge - Hugenotten - gründen in unmit­tel­ba­rer Nachbar­schaft Welsch­neu­reut.
1720
Welsch­neu­reut erhält eine eigene Kirche, die bereits 1751 durch einen Neubau ersetzt werden muß.
1731
Der bis dahin zur Pfarrei Mühlburg gehörige Ort Teutsch­neu­reut - so die Bezeich­nung für den alten Ort - erhält einen eigenen Pfarrer, der zugleich die Schul­meis­ter­stelle übertragen bekommt.
1754
In Welsch­neu­reut wird der erste Ziehbrun­nen errichtet.
1774/75
Bau eines Schul­hau­ses in Teutsch­neu­reut.
1807
Bau eines Schul- und Rathauses in Welsch­neu­reut.
1846
In beiden Orten entstehen Gesang­ver­ei­ne "Lieder­kranz".
1851
Einweihung des Hardt­hau­ses, das sich an dem Vorbild des von August Hermann Francke in Halle begrün­de­ten Waisen­hau­ses orientiert.
1854
Wegen des zuneh­men­den Wohnungs­man­gels wird ein Ortsbau­plan aufge­stellt, der neues Baugelände zwischen Mittel­tort­straße und Kirchhof ausweist.
1856
Bau des Teutsch­neu­reu­ter Rathauses.
1859
In beiden Orten entstehen Frauen­ver­eine.
1870
Die Neureuter Bemühungen um einen Anschluß an die Eisen­bahn­li­nie Mannheim-Graben-Karlsruhe sind vergeblich. Die Eisenbahn führt östlich an Neureut vorbei.
1876/77
Bau eines neuen Schul­hau­ses in Teutsch­neu­reut, das 1959 dem Erwei­te­rungs­bau der jetzigen Nordschule weichen muß.
1884
Bau des heutigen alten Welsch­neu­reu­ter Schul­hau­ses.
1884-88
Bau der Teutsch­neu­reu­ter Kirche.
1886
In Welsch­neu­reut wird eine Freiwil­lige Feuerwehr gegründet.
1892
Der Turnverein Welsch­neu­reut, heute "TuS Neureut", wird gegründet.
1895
Gründung einer Freiwil­li­gen Feuerwehr in Teutsch­neu­reut.
Ungefähr 600 Teutsch­neu­reu­ter Männer fahren täglich nach Karlsruhe zur Arbeit.
1907
In Welsch­neu­reut entsteht der Fußball­ver­ein "FC Germania", ein Jahr später folgt in Teutsch­neu­reut der "FC Alemannia".
1908/09
Bau eines weiteren Schul­hau­ses in Teutsch­neu­reut.
1912
Welsch­neu­reut erhält ein dem Teutsch­neu­reu­ter ähnliches Schulhaus.
In Welsch­neu­reut werden erstmals zwei sozial­de­mo­kra­ti­sche Gemein­deräte gewählt.
1913/14
Verhand­lun­gen mit der Stadt Karlsruhe über den Bau einer Straßen­bahn­ver­bin­dung werden erfolg­reich abgeschlos­sen. Bei Kriegs­be­ginn werden die gerade begonnenen Arbeiten allerdings einge­stellt und nach dem Ersten Weltkrieg nicht wieder aufge­nom­men.
1914
Rund 900 Arbeits­kräfte, 600 aus Teutsch­neu­reut, pendeln nach Karlsruhe. Die tradi­tio­nelle Arbeit in der Landwirt­schaft wird zum größten Teil von den Frauen ausgeführt. Der seit der Mitte des 19. Jahrhun­derts einset­zende Wandel von einem Bauerndorf zu einem Arbei­ter­dorf ist damit vollzogen. Die Gemeinden zählen 1910 zusammen 3.603 Einwohner.
Die Matzen­fa­brik Strauß nimmt ihren Betrieb auf. Zu diesem Zeitpunkt bestehen schon eine Lackfabrik, eine Zement­fa­brik und eine Dampf­sä­ge­rei.
Neureut erhält von Karlsruhe elektri­schen Strom.
1914-1918
Im Ersten Weltkrieg fallen 45 Soldaten aus Welsch­neu­reut und 103 aus Teutsch­neu­reut.
1921
In Welsch­neu­reut errichtet eine Siedlungs­ge­nos­sen­schaft die ersten zwei Häuser in der Garten­sied­lung am Hardt­wald­rand.
1923
Gründung einer Majoli­kafa­brik.
1925
Zur Behebung der nach dem Ersten Weltkrieg einset­zen­den Wohnungs­not wird eine Siedlungs­ge­sell­schaft gegründet.
1929-1935
Bau der Kirch­feld­sied­lung.
1933
Gleich­schal­tung beider Gemeinden, erzwun­ge­ner Rücktritt der Bürger­meis­ter, die durch Natio­nal­so­zia­lis­ten ersetzt werden.
1935
Am 1. November wird Welsch­neu­reut nach Teutsch­neu­reut einge­mein­det. Der Ort heißt nun "Neureut (Baden)".
1938/39
Mehrere Hundert Westwall­ar­bei­ter werden einquar­tiert.
1944
Bei dem schweren Luftan­griff auf Karlsruhe am 27. September 1944 werden in Neureut 18 Häuser, das Hardthaus und die Welsch­neu­reu­ter Kirche fast völlig zerstört. Seit 1940 war auch das Dorf Neureut immer wieder von Luftan­grif­fen betroffen, die zahlreiche Verletzte und bis Kriegsende 31 Menschen­le­ben forderten. 238 Soldaten aus Neureut fallen im Zweiten Weltkrieg, weitere 67 gelten als vermißt.
1950
Aus der ehemaligen Garten­sied­lung wird in den folgenden Jahren der neue Ortsteil Heide.
1951
Bau einer Wasser­lei­tung. Bis dahin wurde der Ort mit Brunnen versorgt.
1954
Einweihung der Waldschule.
1956
Mitte Oktober überschrei­tet Neureut die 10.000-Einwoh­ner­grenze. In der Nachkriegs­zeit hatten sich zahlreiche Flücht­linge nieder­ge­las­sen, die zu diesem Zeitpunkt mehr als ein Drittel der Bevöl­ke­rung ausmachen. Der größte Teil der Neubürger wohnt in der Kirch­feld­sied­lung und der Neuen Siedlung, die im Anschluß an die Kirch­feld­sied­lung entstand.
1960
Neureut feiert 850 Jahre Erster­wäh­nung. Man ging irrtümlich davon aus, daß in einer Urkunde König Heinrichs V. für das Kloster Gottesaue aus dem Jahr 1110 Neureut bereits genannt wurde. Bei der dort aufge­führ­ten Neurodung "Novale" handelt es sich aber noch nicht um Neureut. Mit fast 11.000 Einwohnern ist Neureut größte baden-württem­ber­gi­sche Landge­meinde.
1964
Erstes Hallenbad im Landkreis Karlsruhe.
1969
Neureut erhält ein Gymnasium, das zunächst in der Waldschule, seit 1973 in einem eigenen Gebäude unter­ge­bracht ist.
1972
Der Ort erhält eine Realschule.
1974
Baubeginn der Badnerland-Halle, die 1977 fertig­ge­stellt wird.
1975, 14. Feb.
Nach heftigem Widerstand wird Neureut mit dem Urteil des Staats­ge­richts­ho­fes, bei dem die Gemeinde eine Klage gegen das Gemein­de­re­form­ge­setz des Landtags vom 19. Juli 1974 angestrengt hatte, doch nach Karlsruhe einge­mein­det. Der Einge­mein­dungs­ver­trag wird am 10. April von Oberbür­ger­meis­ter Otto Dullenkopf und Bürger­meis­ter Hermann Meinzer im Haus Solms unter­zeich­net. Der Ort zählt 13.645 Einwohner.
Quellen:

Manfred Koch, Karlsruher Chronik. Stadt­ge­schichte in Daten, Bildern, Analysen, Veröf­fent­li­chun­gen des Karlsruher Stadt­ar­chivs Band 14, Karlsruhe 1992.

Die Chroniken der Karlsruher Stadt­tei­le sind diesem Buch entnommen.