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Karlsruhe: Stadtteile

Unsere Alleen

In der Pappelallee

In der Pappelallee


Die markan­teste und auffäl­ligste ist sicher die Pappel­al­lee, die vom Thomashof zum Batzenhof führt. Eigentlich gehört die gar nicht dahin, den Pappeln pflanzt man üblicher­weise an Bachläufen und im Tal. Mögli­cher­weise ist gerade das der Grund, dass die Allee so viel Aufmerk­sam­keit auf sich zieht. Auf der Höhe verlaufend sind die steil aufra­gen­den Bäume aus großer Entfernung zu sehen. Licht und Schatten, Sonne und Mondschein tun ihr übriges, um die Allee zu einem markanten Wahrzei­chen in der Landschaft werden zu lassen. Dazu kommt, dass sogenannte "Stech­pap­peln" bei uns eher selten für Alleen verwendet werden. Der Grund für die Verwendung dürfte gewesen sein, dass die steil aufra­gen­den Äste die landwirt­schaft­li­che Nutzfläche und den Einsatz von Maschinen weniger beein­flusst haben. Die Vorbe­sit­zer des Batzen­ho­fes, die Familie Gontard (Frau Susanne Gontard war eine geborene Schilling von Cannstatt) haben die Allee um 1960 angelegt. Damals stand landwirt­schaft­li­che Nutzfläche noch hoch im Kurs. Ein Doppel­zent­ner Weizen kostete ca. DM 48,--, heute gerade noch ca. 10 Euro.
In diesem Jahr mussten die ersten Bäume nach sorgfäl­ti­ger Unter­su­chung gefällt werden. Allzu lange wird die Allee nicht mehr stehen. Was für ein Verlust, wenn sie nicht, eventuell auch durch andere Baumarten, erhalten werden könnte.

Sind Sie, lieber Leser, schon einmal an einem Sommertag von der Siedlung aus zum Batzenhof gegangen? Was für eine Wohltat! Wie durch einen Tunnel führt der Weg durch die Birken­al­lee. Die weiße Rinde der Baumstämme, das saftige Grün der Birken­blät­ter erfreut das Auge und spendet angenehme Kühle. Die gesamte Wegstrecke ist ein einziges Vogel­pa­ra­dies. Angelegt wurde die Allee von Herrn Hubert von Maffei und seiner Frau Ilona, ebenfalls eine geborene Schilling von Cannstatt, in den 60er Jahren.

Herr Hubert von Maffei erkannte sehr früh die Folgen der modernen Bewirt­schaf­tung in der Landwirt­schaft und hat deshalb nicht nur die Birken­al­lee, sondern überall an geeigneter Stelle seines Besitzes Waldstrei­fen angelegt. Diese dienen zum Schutz gegen Erosion (Wind und Wasser) und als Deckung für das Wild. Hohen­wet­ters­bach hatte zu diesem Zeitpunkt auf seiner Gemarkung keinen Wald. Die größten­teils zu diesem Zweck verwen­de­ten Fichten mußten in den letzten Jahren durch Borken­kä­fer­be­fall und andere Einwir­kun­gen gerodet werden. Dankens­wer­ter Weise hat der Eigentümer unter der fachkun­di­gen Beratung von Herrn Forstrat Richter die Flächen sofort wieder aufforsten lassen. Verwendet wurden, zur Landschaft passend, Eschen, Ebereschen, Erlen, Ahorn, Buchen sowie Birken und Eichen. So hat der Wildbe­stand, Rehe und Hasen, aber auch Feldmarder, Fuchs und Dachs, wieder ein zu Hause. Der Spazier­gän­ger kann sich an den fast schon zutrau­li­chen Rehen erfreuen. Für die Hege und Pflege ist ebenfalls Herr Richter zuständig. Liebe Hunde­hal­ter, achtet bitte gerade jetzt auf eure Hunde. Rehe und Hasen haben z.zt. Junge und schon ein Beschnüf­feln kann zu deren Tod führen und das will doch sicher niemand!

Birkenallee im Schnee

Birkenallee im Schnee


Ja ... Und dann gibt es noch Alleen, die schon fast nicht mehr als solche zu erkennen sind und das ist besonders schade, denn sie haben in der Vergan­gen­heit in beson­de­rer Weise das Bild unserer Landschaft geprägt. Die Rede ist von den Mostobst­bäu­men, die entlang der Ochsen­straße, in der Verlän­ge­rung des "Neuen Weges" sowie am Verbin­dungs­weg zwischen Siedlung und Pappel­al­lee standen. Heute sind diese Alleen nur noch in Fragmenten erhalten, wie schade! Wo sind sie geblieben, die Schweizer Wasser­bir­nen, Wildbirnen, Palmai­bir­nen und bayrische Weinbir­nen? Es gibt noch ein paar davon. Bald stehen die majestä­ti­schen Bäume wieder in voller Blüte. Sie sind einmalig in ihrer Größe und Pracht. Man sollte sich auch nicht daran stören, wenn im Herbst ihre Früchte am Boden liegen und diese kein Mensch mehr haben will, das Wild ist aber immer noch dankbar dafür. Warum trinken wir eigentlich "Cidre", aber keinen Most? Das ist doch das gleiche.

Diese Bäume waren früher sehr wichtig. In der Saison arbeiteten oft mehr als 100 Leute auf dem Gut und die brauchten bei der harten zehnstün­di­gen Handarbeit ein nahrhaftes Vesper und viel Flüssig­keit. Dafür hatte man den selbst­ge­kel­ter­ten Most. Im Schatten der Bäume wurde in den Arbeit­s­pau­sen gevespert und getrunken. Nur wer einmal auf einem 500 m langen Acker von Hand mit krummem Rücken in der Sonne Zucker­rü­ben gehakt oder vereinzelt hat, weiß, wie wohltuend ein schat­ten­spen­den­der Baum sein kann. Heute sollten die Alleen aus Erosi­ons­grün­den aber auch zur Erhaltung der ursprüng­li­chen Landschaft und im Sinne der Naher­ho­lung wieder aufgebaut werden. Allerdings müssen die Bäume nach dem Pflanzen einige Jahre gepflegt werden (Baum­schei­ben). Wie wäre es mit einer Paten­schaft? Auch die Alleen sind Bestand­teil unserer "kleinen Schweiz".

Übrigens, auf Feldwegen grüßt man sich von altersher, auch wenn man sich nicht kennt. Müssen muss man aber nicht!

R.G.