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Karlsruhe: Stadtteile

Linden statt Pappeln für Hohenwettersbach

Linden Statt Pappeln


In der Pappelallee

In der Pappelallee


 
Wie aus dem Ortschafts­rat verlautet, sind die Würfel gefallen. Die stark geschä­digte Pappel­al­lee wird nach und nach entfernt und durch eine Linden­al­lee ersetzt. Die Fachleute der Stadt haben sich ihre Entschei­dung sicher nicht leicht gemacht, wohlwis­send, dass die Pappel­al­lee bei vielen Menschen sehr beliebt ist. Vielleicht liegt ihr Reiz gerade darin, dass die "Schwarz­pap­pel" eigent­lich nicht auf eine Anhöhe, sondern viel mehr ins Tal an einen Bachlauf gehört. Um wirklich alt zu werden, braucht sie vor allem viel Feuch­tig­keit. An einem Höhenweg ist das in der Regel aber nicht der Fall und so nagt seit einigen Jahren "der Zahn der Zeit" an ihr.

Um in der Sache weiter zu kommen, waren zunächst die Eigen­tums­ver­hält­nisse zu klären. Das Fällen und die Erneuerung der Allee ist ja ein erheb­li­cher Kosten­fak­tor, dem mit Sicherheit kein wirtschaft­li­cher Ertrag gegenüber steht. Nachdem nun feststeht, welche Bäume wem gehören - Eigentümer sind sowohl das Hofgut wir auch der Batzenhof und der Lamprechts­hof - konnte die Stadt tätig werden. Soweit bekannt ist, übernimmt die Stadt die Kosten der Aktion und regelt in einem Vertrag mit den Eigen­tü­mern auch die spätere Unter­hal­tung. Das Roden und die Neuan­pflan­zung soll in Abschnit­ten erfolgen, wobei ein Teil der Pappeln zunächst saniert werden soll, was ebenfalls einen erheb­li­chen Aufwand bedingt. Zunächst geschieht jedoch noch nichts, außer, dass der Weg auf noch unbestimm­te Zeit gesperrt ist. Für machen Spazier­gän­ger und Radfahrer ein Schock, da die Maßnahme von vielen als übertrie­ben angesehen wird. Sicher wird bei Windstille nichts passieren. Kann man aber eine Straße nur bei Sturm sperren? Und wer trägt die Verant­wor­tung, wenn, wie bei Fachleuten befürchtet, tatsäch­lich etwas passiert? Die Stadt hat sich jeden­falls schon einmal abgesi­chert!

Ja! Und dann sind da noch die Fleder­mäuse und die bald brütenden Vögel. Für das Fällen und Sanieren bleibt nur wenig Zeit. Erst müssen die Fleder­mäuse aus dem Winter­schlaf erwachen und danach dürfen die Vögel noch nicht mit der Eiablage in den Nisthöhlen der Pappeln begonnen haben. Eine Gratwan­de­rung, die aber vor allem wegen der vielen Brutvögel beachtet werden muss.

Was aber ist oder vielmehr war der Reiz der Pappel­al­lee? Es ist das Spiel von Licht und Schatten. Die hoch gewach­se­nen Bäume werfen ihre oft bizarren Schat­ten­ge­bilde in die Landschaft. Besonders bei Mondlicht entstehen so traum­haf­te Gebilde und dann ist da noch – im Sommer – der dunkle Kamm, der sich markant und von weitem sichtbar über die Höhe erstreckt. Alles ein bisschen eigenartig, fast abson­der­lich, aber eben doch schön! Ein gutes halbes Jahrhun­dert sind die Bäume alt und man fragt sich, was stand da eigentlich früher? Mostobst­bäume, Äpfel und vor allem Birnen, säumten die Wege der Hofgüter. Diese Bäume sind heute nur noch in Fragmenten erhalten, z.B. am Dachs­bau­weg steht noch eine Vierer­gruppe dieser Pracht­ex­em­plare. Der daraus gewonnene Most war das Alltags­ge­tränk der auf den Feldern arbei­ten­den Menschen, man brauchte viel davon.

Ein langer Arbeitstag in der Hitze des Sommers erfor­der­te Pausen für Mensch und Tier. Da war so ein Birnbaum­rie­se genau der richtige Schat­ten­spen­der. Nicht zuletzt wurde durch die Baumreihen auch die Erosion gemildert. Könnte man sich nicht auf eine Birnbau­mal­lee vorstel­len? Die Blüten­pracht im Frühjahr und die herrliche Rotfärbung im Herbst sprächen dafür. Aber wer liest die Früchte zusammen? Man braucht sie ja nicht mehr! Ein Auto könnte rutschen oder ein Spazier­gän­ger von einer herunter fallenden Birne getroffen werden. Also doch lieber auf die Streu­obst­wie­sen mit den Birnbäumen, die Zeiten haben sich eben geändert.
 

Weitere Informationen

 

Wie kam es zur Pappelallee?

Frau Susanne Gontard hat 1960 den Batzenhof mit einem kleinen Teil der Felder geerbt. Frau Gontard, eine geborene Schilling von Canstatt, lebte mit ihrem Mann Adalbert von Gontard in den USA. Sie wollten jedoch einen Wohnsitz in Hohen­wet­ters­bach, der Heimat von Frau Gontard, haben. Da zu einem Hofgut von alters her eine Allee gehört, wurden die restlichen Obstbäume gefällt und eine raumspa­ren­de Pappel­al­lee angelegt. Raumspa­rend? Ja, 1960 war der landwirt­schaft­li­che Grund und Boden noch wertvoll. Eine Eichen­al­lee z.B. beein­träch­tigt den landwirt­schaft­li­chen Ertrag auf einer breiten Fläche. Schwarz­pap­peln dagegen wachsen steil auf und mindern den Ertrag benach­bar­ter Kulturen weit weniger. Das mag wohl den Ausschlag gegeben haben.

Nun hat man sich also für Linden entschie­den, genauer gesagt, für "Winter­lin­den". Mir gefällt der Gedanke. Die Linde gehört zu den ältesten Bäumen in Mittel­eu­ropa und sie ist Bestand­teil unserer deutschen Kultur. Unzählige Lieder und Sagen ranken sich um den Lindenbaum. Es gibt kaum ein Dorf ohne die teilweise uralte "Dorf­lin­de". Man stelle sich vor, ein Abend­spa­zier­gang auf dem Kammweg vom Batzenhof zum Thomashof, in der lauen Abendluft des Juni/Juli, die schöne Fernsicht und dazu den betörenden Duft der Linden­blü­ten. Das hat schon was! Die Linde stellt keine hohen Ansprüche an Klima und Boden und ist recht wider­stands­fä­hig, sie passt demnach auf den Hügelkamm. Es gibt zwei Arten von Linden. Die Sommer­lin­de ist großblätt­rig und blüht Mitte/Ende Juni. Die Winter­lin­de hat kleinere Blätter. Sie blüht Anfang Juli und hat einen etwas steileren Wuchs, was dem Verkehr entgegen kommt. In den letzten Jahren ist sie ein bisschen zum Modebaum geworden, das tut dem statt­li­chen Baum jedoch keinen Abbruch. Eine Winter­lin­den­al­lee wurde vor wenigen Jahren an der Straße von Stupferich nach Waldbronn gepflanzt. Auch auf unserem Brunnen­platz stehen Winter­lin­den.

Ja, nun hoffen wir, dass es bald etwas wird mit unserer "Linden­stra­ße". Denn eine lücken­hafte Baumreihe ist auf Dauer eben keine Allee. Um das Bild zu vervoll­stän­di­gen, sollte die Allee durch­ge­hend vom Batzenhof zum Thomashof angelegt werden.


R.G.