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Karlsruhe: Feuerwehr

Einsatzleitwagen der Feuerwehr Karlsruhe

Das Konzept der Feuerwehr Karlsruhe und des Landes Baden-Württemberg










 

Im Jahr 1983 beschaffte die Feuerwehr Karlsruhe einen der ersten Einsatz­leit­wa­gen (ELW), Typ 2 nach damals neuer, richtung­wei­sen­der Norm. Nach nun 23 Jahren und vielfach geänderten Anfor­de­run­gen war eine Ersatz­be­schaf­fung notwendig. Hierbei wurde in mehrfacher Hinsicht Neuland betreten. Der nachfol­gende Beitrag erläutert die organi­sa­to­ri­schen und feuer­wehr­tak­ti­schen Randbe­din­gun­gen und stellt die sich daraus ergeben­den fahrzeug- und fernmel­de­tech­ni­schen Konse­quen­zen und Lösungen vor.

Planungs­grund­la­gen und Randbe­din­gun­gen

Organi­sa­to­ri­sche und feuer­wehr­tak­ti­sche Aspekte im Zuge der Aufbe­rei­tung der Ereignisse des 11.September 2001 sowie der Elbe- und Oderflut haben der Bund und die Länder ihre Bemühungen um eine wirksame Führungs­struk­tur bei Großscha­dens­fäl­len verstärkt und ein neues, bundes­ein­heit­li­ches Führungs­sys­tem entwickelt. Nach diesen Vorgaben teilt sich die Führung in die Einsatz­lei­tung für den operativ-taktischen Bereich und den Verwal-tungsstab als adminis­tra­tiv-organi­sa­to­ri­sche Komponente auf. Die mit einem allum­fas­sen­den Führungs­auf­trag ausge­stat­te­ten früheren Katastro­phen­schutz­stä­be wurden aufgelöst. Damit kommen auf die Einsatz­lei­tung deutlich erweiterte Aufga­ben­stel­lun­gen zu, die eine potente Führung vor Ort mit einem entspre­chen­den Führungs­mit­tel erfordern.

Auch bei Schadens­la­gen unterhalb der Katastro­phen­schwelle besteht heute ein erhöhter Anspruch an die organi­sa­ti­ons­über­grei­fen­de Koordi­na­tion der einge­setz­ten Behörden und Organi­sa­tio­nen mit Sicher­heits­auf­ga­ben (BOS). Regelmäßig sind auch die Betreiber betrof­fe­ner Anlagen und Vertreter der Geschä­dig­ten einzu­be­zie­hen. Darüber hinaus wurden Aufga­ben­be­rei­che der Einsatz­be­wäl­ti­gung zunehmend umfang­rei­cher und in das Bewusst­sein der Öffent­lich­keit gerückt. So bilden die Bereiche "Schad­stoff­mes­sung / Umwelt­schutz", "Lösch­was­ser­rück­hal­tung" sowie "Warnung und Infor­ma­tion der Bevöl­ke­rung" eigene, nicht zuletzt auch für die politisch Verant­wort­li­chen, bedeut­sa­me Einsatz­ab­schnit­te

Aus der neu einge­führ­ten Feuer­wehr­dienst­vor­schrift zur Führungs­or­ga­ni­sa­tion (FwDV 100) leitet sich ab, welche Führungs­ebe­nen gebildet und welche Führungs­mit­tel ihnen zur Verfügung gestellt werden müssen. Unter fachlichen, organi­sa­to­ri­schen und ausbil­dungs­tech­ni­schen Aspekten ist eine Verein­heit­li­chung der Vorge­hens­weise bei punktu­el­len und flächigen Lagen dringend geboten. Nur so lassen sich einheit­li­che Abläufe definieren und die erfor­der­li­che Prozess­si­cher­heit garan­tie­ren.

In den nächsten Jahren beginnt in Deutsch­land die Einführung des Digital­funks. Dies betrifft die Leitstelle und die Führungs­fahr­zeuge in beson­de­rer Weise. Die Spezi­fi­ka­tio­nen des Digital­funks ermög­li­chen durch neue technische Möglich­kei­ten taktische und organi­sa­to­ri­sche Verän­de­run­gen, die das Zusam­men­wir­ken zwischen der Einsatz­lei­tung und den Einheiten vor Ort sowie der Leitstelle betreffen. Insbe­son­dere die Einbe­zie­hung des Datenfunks wird die Abläufe verändern und einsatz­be­zo­gen nach "vor Ort" verlagern.

Der sichere Betrieb der gemein­sa­men Leitstelle des Stadt- und Landkrei­ses Karlsruhe erfordert eine Ausweitung redun­dan­ter Techniken für die Bereiche Notru­f­ab­frage, Dispo­si­tion und Alarmie­rung. Es ist vorgesehen, mit Hilfe des ELW einen Leitstel­len-betrieb mit beschränk­ten Möglich­kei­ten auf Minimal­ni­veau aufrecht zu erhalten. Die techni­schen Ressourcen der Einsatz­lei­tung müssen zur wirksamen Führungs­un­ter­stüt­zung möglichst schnell, idealer Weise bereits auf der Anfahrt verfügbar sein.

Die instal­lierte Technik muss daher mit wenigen Handgrif­fen perso­nal­spa­rend einsatz­klar bereit­ge­stellt werden können. Diese Vorgabe bedingt eine ausschließ­lich hierfür vorge­se­hene, vorin­stal­lier­te Technik mit entspre­chen­den Räumen und optimier­ten Arbeits­be­zie­hun­gen. Das vorge­stellte ELW-Konzept bietet dazu ein optimales Verhältnis zwischen notwen­di­ger Verkehrs- und Aufstell­flä­chen einer­seits sowie der Nutzfläche anderer­seits. Das von der Brand­di­rek­tion nach sorgfäl­ti­ger Analyse der sachlichen Notwen­dig­kei­ten und der verschie­de­nen techni­schen Möglich­kei­ten auf-gestellte Konzept für den ELW fand im Vorfeld breite fachliche Anerken­nung. Die Industrie hat das Konzept bei ersten Präsen­ta­tio­nen als die derzeit "inno­va­tivste Ent-wicklung im Fahrzeug­be­reich" mit zukunfts­wei­sen­der Vermark­tungs­mög­lich­keit aufge­grif­fen und mit der Reali­sie­rung dieses Prototyps seine Reali­sier­bar­keit unter Beweis gestellt.

Gesamt­städ­ti­scher Nutzen und überre­gio­na­le Zusam­men­ar­beit

Zudem wird die Besatzung dadurch ohne zusätz­li­chen Übungs­auf­wand für die Gefah­ren­ab­wehr trainiert. Die Bewäl­ti­gung von Großscha­dens­fäl­len und Katastro­phen erfordert die inter­kom­mu­nale Zusam­men­ar­beit. Die in der AGBF Baden-Württem­berg zusam­men­ge­schlos­se­nen Leiter der Berufs­feu­er­weh­ren und der Feuer­weh­ren mit haupt­amt­li­chen Kräften haben dazu mit dem Land und der Landes­feu­er­wehr­schule eine enge Abstimmung und gemeinsame Übungen zur mobilen Führungs­un­ter­stüt­zung vereinbart. Auch das "Neukon­zept zum Schutz der Bevöl­ke­rung" baut auf Spezi­al­ein­hei­ten im Bereich der Führung. Der AGBF-BW ist es dabei ein beson­de­res Anliegen, die in der kommunalen Verant­wor­tung stehenden Führungs­kräfte der Feuer­weh­ren gegen­sei­tig verfügbar zu machen und sich zur nachhal­ti­gen Sicher­stel­lung leistungs­fä­hi­ger Einsatz- und Abschnitts­lei­tun­gen überört­lich zu unter­stüt­zen.

Das vorge­stellte ELW-Konzept ist durch seine hohe Mobilität (Wendig­keit, hohe Reise­ge­schwin­dig­keit, leichte Verleg­bar­keit) und seine völlig autarke Technik als Führungs­mit­tel hierfür besonders geeignet. Mit seiner Indienst­stel­lung wird die Möglich­keit der mobilen Führungs­un­ter­stüt­zung in enger Koope­ra­tion aller Partner weiter ausgebaut. Das Land Baden-Württem­berg beabsich­tigte für die Landes­feu­er­wehr­schule (LFS) in Bruchsal ebenfalls eine Ersatz­be­schaf­fung ihres ELW. Nach Präsen­ta­tion des Konzepts wurde vereinbart, die Mittel in den Karls­ru­her ELW zu inves­tie­ren und im Gegenzug das Fahrzeug für Lehrgänge an der Schule einzu­set­zen. Dies unter­streicht die Sinnhaf­tig­keit des Konzepts, führt zu einem regel­mä­ßi­gen Übungs­be­trieb und er-möglicht zukünftig die fachliche und personelle Zusam­men­ar­beit mit der LFS im Bereich der Leitung und der mobilen Führungs­un­ter­stüt­zung bei Einsätzen in Karlsruhe, im gesamten Land und darüber hinaus.

Die Stadt Karlsruhe und die LFS profi­tie­ren vom gegen­sei­ti­gen Know-how. Das Konzept berück­sich­tigt die seit langen Jahren bewährte Zusam­men­ar­beit zwischen der LFS und dem Landkreis Karlsruhe. Gefördert durch die gemeinsame Leitstelle von Stadt- und Landkreis Karlsruhe steht damit ein leistungs­fä­hi­ges System mit gegen­sei­ti­ger Redundanz und Durch­mi­schung zur Verfügung. Es ist eine baden-württem­ber­gi­sche Beson­der­heit, dass die Organi­sa­tio­nen der nicht­po­li­zei­li­chen Gefah­ren­ab­wehr jeweils in eigenen Führungs­struk­tu­ren arbeiten, die über sehr unter­schied­lich leistungs­fä­hige Führungs­mit­tel verfügen. Der am Einsatzort aufge­bau­ten "Wagen­bur­g" fehlen regelmäßig räumliche und technische Möglich­kei­ten der Koordi­na­tion. Es ist Aufgabe der Feuerwehr, bei inter­dis­zi­pli­nären Einsätzen einen Einsatz­stab zur Beratung des Einsatz­lei­ters zu bilden. Auch hierfür bietet der ELW die notwen­di­gen Voraus­set­zun­gen für die Fachbe­ra­ter und Verbin­dungs­per­so­nen der mitwir­ken­den Organi­sa­tio­nen. Ein Spielort der Fußball­welt­meis­ter­schaft 2006 ist Stuttgart.

Hierzu ist das gesamte Land aufge­for­dert, für die Gefah­ren­ab­wehr leistungs­fä­hige Strukturen zu schaffen. Der ELW Karlsruhe wird während der WM-Spiele in Stuttgart das Führungs­mit­tel des Einsatz­ab­schnitts "Stadion" sein. Zusam­men­fas­send ist festzu­hal­ten, dass alle Betei­lig­ten an der Finan­zie­rung, Beschaf­fung und Nutzung dieses ELW ein Mehrfaches ihrer Anfor­de­run­gen reali­sie­ren konnten, als sie ohne diese Koope­ra­tion allein in der Lage gewesen wären.