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Karlsruhe: Feuerwehr

ELW 2 Fahrzeugtechnik

ELW 2 - Fahrzeugtechnik

Fahrzeug­tech­nik

Der neue ELW ersetzt ein Fahrzeug und eine Konzeption aus dem Jahr 1982, ergänzt um einen Abroll­be­häl­ter als Bespre­chungs­raum aus dem Jahr 1989 sowie einen dazuge­hö­ri­gen Notstro­man­hän­ger. Zur Reali­sie­rung des taktischen Konzepts wurden im Vorfeld umfang­rei­che Recherchen durch­ge­führt. Neben der Auswertung diverser Veröf­fent­li­chun­gen wurden bereits reali­sierte und im Bau befind­li­che Fahrzeuge besichtigt, danach unter­schied­li­che Varianten ausge­ar­bei­tet und bewertet. Die Varianten sahen LKW- Fahrge­stelle mit 7,5 m langen Koffer­auf­bau­ten, Satte­lauf­lie­ger mit Zugma­schine, die Zusam­men­stel­lung einzelner Abroll­be­häl­ter und verschie­dene Busfahr­ge­stelle vor. Bei den Koffer­auf­bau­ten, Satte­lauf­lie­gern und Abroll­be­häl­tern wurde die Option der Raumver­grö­ße­rung mittels Telesko­paus­schü­ben in horizon­ta­ler Richtung berück­sich­tigt. Nahezu alle Varianten wurden bereits für Feuer­weh­ren und Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen, z. T. sehr anspre­chend und ideenreich, realisiert.

ELW von oben Aufgenommen


Die Grund­satzent­schei­dung, den Einsatz­stab im Fahrzeug und nicht in einem sepa-raten, abgesetz­ten Raum unter­zu­brin­gen, beein­flusste die Planungen maßgeblich. Weitere Parameter waren die maximal vorhan­de­nen Stell­platz­grö­ßen in den Wachen, die Führer­schein­frage (Klasse C), der Perso­nal­ein­satz, die Wendigkeit, der Fede-rungs- und Fahrkom­fort (Rüttel­be­schleu­ni­gun­gen mit Blick auf die IuK-Technik), die Mitnah­memög­lich­keit von Personal für mit Vorlauf geplante Einsätze, die Aufstell­flä­che und eine schnelle und unkom­pli­zierte Inbetrieb­nahme als autarke Einheit. Da die Berufs­feu­er­wehr Karlsruhe konzep­tio­nell eine anhän­ger­freie Feuerwehr ist, führten schon die Führer­schein­frage (CE) und die erfor­der­li­che Stell­platz­grö­ße zum Ausschluss der Sattel­zug­va­ri­ante. Das Zusam­men­stel­len mehrerer Abroll­be­häl­ter wurde neben dem relativ großen Bedarf an Rangier­flä­che als zu umständ­lich, personal- und zeitin­ten­siv bewertet. Bei einem 3-achsigen LKW-Fahrge­stell mit telesko­pier­ba­rem Koffer­auf­bau konnte das erfor­der­li­che Rauman­ge­bot, insbe­son­dere hinsicht­lich der unter­zu­brin­gen­den Technik nicht realisiert werden. Außerdem setzte der Wirkungs­be­reich der Telesko­präume bezüglich der Ausfüh­rung der Möblierung (Anordnung, Qualität, Funktio­na­li­tät) zu große Einschrän­kun­gen.
Bei näherer Unter­su­chung des Rauman­ge­bo­tes eines Bus-Chassis mit selbst tragen-der Karosserie, ergeben sich eindeu­ti­ge Pluspunkte hinsicht­lich der Grundmaße (LxBxH), des günstigen Einbauorts von Motor, Getriebe und den Räumlich­kei­ten in deren Peripherie, der Bauweise der Vorder­achse und der Mitnah­memög­lich­keit von Personal auf Einsatz­fahr­ten. Je nach Schwer­punkt des Konzepts eignen sich sowohl Linien- als auch Reisbusse, zumal letztere auch über große Stauräume unter der Sit-zebene verfügen. Der Schritt zu einer zweiten Ebene für den Einsatz­stab schien zunächst rein emotional als äußerst gewagt, stellt aber bei rein sachlicher Betrach­tung nichts anderes dar, als die logische und konse­quen­te Umsetzung aller in der Planungs­phase formu­lier­ten Randbe­din­gun­gen. Nach einer europa­wei­ten Ausschrei­bung erhielt die Fa. Ziegler den Zuschlag, die als General-Auftrag­neh­mer das ehrgeizige Projekt mit den Partnern Neoplan und Siemens in engem Kontakt mit dem Auftrag­ge­ber reali­sierte. Einen Busher­stel­ler davon zu überzeugen, an einer Serien-Karosserie einschnei­den­de Verän­de­run­gen im kompletten Dachbe­reich durch­zu­füh­ren, Fenster­aus­schnitte zu beblechen und den Zwischen­bo­den im hinteren Bereich abzusenken, war nicht leicht.
Letzt­end­lich wurde unter erheb­li­chem Zeitdruck neben Fahrzeug­typ, Radstand, Motori­sie­rung, Getriebe, Achsen, Reifen, Federung, Bremsen, Höchst­ge­schwin­dig­keit, Türen und Fenster, Ausschnitte und Einschnitte, jedes Detail, bis hin zur Farb- und Designli­nie der Polster, der Seiten­ver­klei­dun­gen und des Bodens, festgelegt. Für die Außen­ge­stal­tung wurde eigens ein Wettbewerb unter Schülern einer Design-Schule ausge­schrie­ben. Die Umsetzung erfolgt nach Auslie­fe­rung des Fahrzeugs. Der vordere Bereich des Dachs wurde abgeschrägt, damit, ohne die Fahrzeug­höhe zu überschrei­ten, Rundum­kenn­leuch­ten, Martinhorn und Lautspre­cher montiert werden konnten. Die komplette Scheibe oberhalb der Windschutz­scheibe wurde durch ein speziell angefer­tig­tes GFK-Formteil ersetzt. Gleiches geschah im hinteren Teil des Fahrzeugs, da dort Dachein­schnitte für die Satel­li­ten­an­tenne und für einen Anten­nen­mast erfor­der­lich waren. Auch dieser Bereich wurde mit einem GFK-Formteil, das gleich­zei­tig die Rückleuch­ten und Heckblit­zer aufnimmt, realisiert. In das Dach wurden zwei von innen zu öffnende Dachluken eingebaut, durch die die im Inneren einge­las­se­nen Anten­nen­maste mit den Antennen und Kabeln bestückt wer-den können. Das Ausfahren der Maste erfolgt pneuma­tisch. Sämtliches Tisch- und Schrank­mo­bi­liar wurde von einem örtlichen Schreiner herge-stellt. Der komplette Innen­aus­bau bis zum Anfertigen und Anbringen der Wand- und Decken­ver­klei­dun­gen erfolgte durch den Auftrag­neh­mer. Die Heizung der Räume erfolgt über die fahrzeu­gei­ge­ne Warmwas­ser­hei­zung mit einer Leistung von 35 kW, die Wärme­ab­gabe über die serien­mä­ßi­gen Radiatoren. Zur Sicher­stel­lung der elektri­schen Energie befindet sich über dem Fahrzeug­mo­tor im Heckbe­reich ein super­schall­ge­dämpf­tes Drehstrom­ag­gre­gat mit eigenem Verbren­nungs­mo­tor. Die maximale Abgabe­leis­tung beträgt 30 kVA. Wiederum darüber sitzen die beiden Kälte­kom­pres­so­ren mit einer Kälte­leis­tung von 20 kW. Die kühle Luft wird über insgesamt fünf Split­ge­räte in die einzelnen Räume abgegeben. Allein im Techni­kraum muss eine Abwärme von ca. 5 kW abgeführt wer-den. Vor Inbetrieb­nahme des Fahrzeugs wird das Fahrzeug am Einsatzort durch Absenken der Federung auf seine Anschlag­puf­fer gesetzt, zusätz­li­che Abstüt­zun­gen sind nicht erfor­der­lich. Nach Starten des Generators aktivieren sich die Klima­an­la­gen, parallel dazu kann die komplette IuK- Anlage hochge­fah­ren und in Betrieb genommen werden. Die Funktech­nik ist nach Ausfahren der beiden Antennen betriebs­be­reit.