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Karlsruhe: Friedhöfe

Historische Entwicklung

Historische Entwicklung der Karlsruher Friedhöfe

Dieser Stich zeigt das Grabmal des Stadtgründers, die Pyramide, um 1826

Dieser Stich zeigt das Grabmal des Stadtgründers, die Pyramide, um 1826

In den Jahren unmit­tel­bar nach der Stadt­grün­dung von 1715 entstanden in der neuen Residenz "Carols­ru­he" drei nach Konfes­sio­nen getrennte Friedhöfe. Noch bis Ende des 18. Jahrhun­derts wurden die Toten unter­schied­li­cher christ­li­cher Glaubens­rich­tun­gen auf verschie­de­nen Begräb­nis­stät­ten in der Stadt beigesetzt. Der erste Gottesa­cker, der vornehm­lich für die Lutheraner, der Konfession des Markgrafen und der Bevöl­ke­rungs­mehr­heit der jungen Stadt, bestimmt war, wurde 1718 südlich der Konkor­dien­kir­che, dem heutigen Marktplatz, angelegt. Auch die wenigen Katholiken, die in den Gründungs­jah­ren in Karlsruhe lebten, wurden hier beigesetzt. Der Friedhof für die Refor­mier­ten, der sich hinter der kleinen Kirche befand, wurde 1781 geschlos­sen. Der erste jüdische Friedhof wurde 1723 beim Rüppurrer Tor angelegt.

Die nach den Entwürfen von Friedrich Weinbren­ner geplante Stadt­er­wei­te­rung Richtung Süden, die den Ausbau der "Via Trium­pha­lis", heute Karl-Friedrich-Straße, einschloss, forderte die Aufhebung der beiden christ­li­chen Friedhöfe. Der neue Friedhof auf dem sogenann­ten "Lohfeld" am südlichen Ende der Waldhorn­straße, an der heutigen Kapel­len­straße, wurde ab 1781 genutzt und 1804 als "städ­ti­scher Friedhof" seiner Bestimmung übergeben.

Der älteste Karlsruher Friedhof südlich der Konkordienkirche, an deren Stelle heute die Pyramide steht.

Der älteste Karlsruher Friedhof südlich der Konkordienkirche, an deren Stelle heute die Pyramide steht.

Er diente Luthe­r­a­nern, Refor­mier­ten und Katholiken gemeinsam als Begräb­nis­stätte. Die rasch anwach­sende Karls­ru­her Bevöl­ke­rung machte schon 1874 die Eröffnung des jetzigen Haupt­fried­hofs im "Rinthei­mer Feld" im Osten der Stadt erfor­der­lich.

Noch heute befinden sich in der alten (Lohfel­der) Fried­hofs­an­lage, die zum Park umgestal­tet wurde, einzelne, historisch bedeutende Bauwerke und Grabdenk­mä­ler, steinerne Dokumente Karlsruher Stadt­ge­schichte. Die neugo­ti­sche einschif­fige Fried­hofs­ka­pelle aus rotem Sandstein, am ehemaligen Hauptein­gang an der Kapel­len­straße, 1850 bis 1852 nach einem Entwurf Friedrich August Stülers (Berlin) von Friedrich Eisenlohr ausgeführt, steht heute unter Denkmal­schutz. An den Außen­wän­den sind alte Grabstein­plat­ten einge­las­sen, darunter die der Familie des Dichters Viktor von Scheffel.
 

Zeugnisse bewegter badischer Geschichte

1841 entstand als nordöst­li­cher Abschluss des Friedhofs eine schlichte, lang gestreckte Gruften­halle, nach den Plänen des Archi­tek­ten Karl Kuentzle. Unter den offenen Rundbögen sind noch heute die Grabsteine einiger Karlsruher Familien des Adels und der bürger­li­chen Oberschicht aufge­stellt. Darunter finden sich die von bedeu­ten­den Persön­lich­kei­ten, die den badischen Staat formten, wie Karl Friedrich Nebenius (1784-1857) und Sigismund Karl Johann Freiherr von Reitzen­stein (1766-1847).

Das Preußendenkmal auf dem alten Friedhof

Das Preußendenkmal auf dem alten Friedhof

Ein weiteres bedeu­ten­des, noch erhaltenes Grabdenk­mal – für den 1817 verstor­be­nen Oberhof­pre­di­ger Johann Leonhard Walz – befindet sich am Ende der ehemaligen Hauptallee des Friedhofs. Es wurde nach Zeich­nun­gen von Weinbren­ner errichtet. Die Grabstätte des Baumeis­ters Friedrich Weinbren­ner selbst, ein Steinsar­ko­phag, wurde 1958 vom alten Friedhof in die Evange­li­sche Stadt­kir­che überführt. Ein besonderes Zeitdo­ku­ment ist das Theater­brand-Denkmal von 1848. Die Inschrift des hellen Granit­so­ckels erinnert an die 63 meist jungen Opfer, die am 28. Februar 1847 während einer Theater­vor­stel­lung beim großen Brand des Karls­ru­her Hofthea­ters ums Leben kamen. Der Sockel trägt einen von dem Bildhauer Franz Xaver Reich gestal­te­ten Engel aus weißem Carrara-Marmor.

Das monumen­talste Denkmal der gesamten alten Fried­hofs­an­lage – das Preußen­denk­mal – wurde im Juli 1852, drei Jahre nach der Nieder­schla­gung der Badischen Revolu­tion durch die Preußen, unter Ausschluss der Öffent­lich­keit eingeweiht. Das neugo­ti­sche Bauwerk – von Preußen­kö­nig Friedrich Wilhelm IV. in Auftrag gegeben – erinnert an 113 preußi­schen Soldaten, die bei der Nieder­wer­fung der Revolution ums Leben kamen. Es wurde von dem preußi­schen Baumeister Friedrich August Stüler entworfen und von Friedrich Eisenlohr ausgeführt. Es trug ursprüng­lich eine von August Kiss (im Dienste der Preußen) gestaltete Figur des Erzengels Michael, der mit seinem Speer das Böse besiegt – eine Anspielung auf die nieder­ge­schla­gene Revolution. Die Vorent­würfe des Denkmals stammen eventuell vom Friedrich Wilhelm IV. selbst. Es übertraf in seiner Dimension alle bis dahin in Karlsruhe errich­te­ten Ehrenmale.

Denkmal für die Opfer des Theaterbrandes von 1848

Denkmal für die Opfer des Theaterbrandes von 1848

Eine histo­ri­sche Grabstein-Reise durch Karlsruhe

Einige wenige stadt­ge­schicht­lich und kunst­his­to­risch bedeutende Grabsteine wurden vom alten Friedhof auf den Karlsruher Haupt­fried­hof überführt. Ein außer­ge­wöhn­li­ches Bindeglied der Karlsruher Fried­hofs­ge­schichte stellt das Grabmal des Geheim­ra­tes Christian Dietrich Stadel­mann (1673-1740) dar: Stadelmann wurde nach seinem Tod im Jahr 1740 zunächst auf dem luthe­ri­schen Friedhof hinter der Konkor­dien­kir­che beigesetzt. 1809 wurden das Grabmal und die Gebeine Stadel­manns auf den neuen Friedhof am Lohfeld umgebettet. Nachdem auch dieser Friedhof aufgelöst wurde, verbrachte man das Grabmal im April 1890 auf den Haupt­fried­hof. Das wohl älteste, erhaltene Grabmal der einstigen Residenz Karlsruhe befindet sich heute, etwas hinter Büschen versteckt, eingefügt in die östliche Mauer der Großen Fried­hofs­ka­pelle des Haupt­fried­hofs.