Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt.

Karlsruhe: Abfallwirtschaft

Selbstkompostierung

Kompost - ein Recycling-Modell aus der Natur


Was im Kompost passiert

In der Kompost­miete oder -tonne laufen die gleichen Vorgänge wie in der Natur ab. Allerdings finden sie beschleu­nigt und kontrol­liert statt. Pilze und Bakterien leiten den Abbau der organi­schen Stoffe ein. Milben und Spring­schwänze bereiten sie mechanisch auf, Asseln und Tausend­fü­ßer, Käfer­lar­ven und Kompost­wür­mer eine Regen­wur­mart zerklei­nern sie schließ­lich. Besonders die Kompost­wür­mer durch­mi­schen das Material und scheiden Humus aus.
Schließ­lich werden die Reste der Garten- und Küchen­ab­fälle von Bakterien und Pilzen endgültig abgebaut.

Aus großen organi­schen Bausteinen werden so Wasser, Kohlen­di­oxid, Minerale, verschie­de­ne Nährsalze und einfachere organi­sche Verbin­dun­gen freige­setzt. Damit diese Vorgänge ablaufen können, brauchen die Kleinst­le­be­we­sen Luft, Wasser, Nährstoffe und Wärme.
 

Kompostieren ist ganz einfach

Wie Sie Ihre Küchen- und Garten­ab­fälle selbst verwerten können

Im Normalfall brauchen Sie einen Platz

  • für einen Vorsam­mel­be­häl­ter,
  • für ein Gefäß oder einen Bereich, in dem der Kompost reift,
  • um Material zu lagern,
  • für Arbeits­ge­räte wie Schaufel, Mistgabel, Schere, Sieb,
  • zum Mischen,
  • zum Sieben.



Nach dem baden-würtem­ber­gi­schen Nachbar­schafts­recht müssen Kompo­st­an­la­gen bis zu einer Höhe von zwei Metern in einem Mindestab­stand von einem halben Meter zur Grund­stücks­grenze liegen.

Gemein­de­sat­zung über das Nachbar­recht

Wählen Sie einen geeigneten Standort! Achten Sie darauf, dass der Kompost­platz

  • leicht zu erreichen ist,
  • einen durch­läs­si­gen, belebten Untergrund hat,
  • vor Wind und Regen geschützt ist,
  • am besten unter einem Baum oder Strauch im Halbschat­ten liegt.


Wählen Sie ein geeignetes System

  • offene Kompost­mie­ten brauchen verhält­nis­mä­ßig viel Platz.
  • Kompost­si­los bestehen meist aus Maschen­draht oder Brettern.
  • Kompost­ton­nen sind im Normalfall aus Kunststoff herge­stellt.
  • Wurmkom­pos­ter sind Kisten oder Tonnen, die rundum dicht geschlos­sen sind und auch auf befes­tig­tem Boden stehen können. Hier müssen Würmer eingesetzt werden.


Wenn Sie die Möglich­keit haben, setzen Sie Ihren Kompost am besten in einer offenen Miete oder in einem Silo auf. Küchen­ab­fälle sammeln Sie in einer Tonne vor, die Sie am Boden mit einem engma­schi­gen Draht­git­ter verschlie­ßen.

Als Anhalts­wert gilt, dass etwa fünf bis acht Prozent der gärtne­risch genutzten Fläche für den Kompos­tier­platz gebraucht werden. Mit dem Kompost, den Sie auf dieser Fläche gewinnen, können Sie ganzjäh­rig den Nährstoff­be­darf Ihrer Pflanzen decken. Ihre Pflanzen können so nicht überdüngt werden und sind dadurch wider­stands­fä­hi­ger gegen Schädlinge. Milliarden von Kleinst­le­be­we­sen im Kompost helfen mit, schäd­li­che Boden­or­ga­nis­men in Schach zu halten.


 

Die Mischung macht's

Wie Sie Ihren Komposter aufsetzen oder füllen

Wenn Sie alle Ihre organi­schen Wertstoffe auf einen Haufen werfen, entsteht auch Kompost.Allerdings - es geht langsamer, das Material fault vielleicht und verliert über die lange Lagerzeit seine Nährstoffe. Also, schaffen Sie bisschen Ordnung in Ihrem Kompost. Die Klein- und Kleinst­le­be­we­sen, die aus Ihren Küchen- und Garten­ab­fäl­len Kompost machen, brauchen bestimmte Lebens­be­din­gun­gen:
  • Das organische Material muss so zusam­men­ge­setzt sein, dass es ihren Nährstoff­be­darf deckt.
  • Der Feuch­tig­keits­ge­halt muss stimmen.
  • Der Kompost muss ausrei­chend durch­lüf­tet sein.
  • Die Temperatur muss richtig sein.
Daher:
  • Achten Sie darauf, dass Sie nie zu viel von einem einzigen Material aufschich­ten. Besonders feine, struk­tu­r­arme Stoffe wie Rasen­schnitt oder Laub müssen gut mit struk­tur­rei­chen wie Holzhäck­sel gemischt werden. Je dichter ein Material ist, umso dünner muss die Schicht sein.
  • Je vielfäl­ti­ger Ihre Ausgangs­ma­te­ria­li­en sind, desto ausge­wo­ge­ner ist das Nährstoff­an­ge­bot in Ihrem Kompost.
  • Im Idealfall sammeln Sie die verschie­de­nen Materia­lien wie küchen­ab­fälle, Strauch­schnitt, Rasen­schnitt, Laub, Tiermist, Stroh und Holzhäck­sel getrennt vor.
  • Zerklei­nern Sie größere Teile bis auf eine Länge von etwa fünf Zenti­me­tern.
  • Setzen Sie grobes, luftdurch­läs­si­ges Material zu einer etwa zehn Zentimeter dicken Schicht auf.
  • Mischen Sie die übrigen Stoffe gut durch und setzen Sie sie auf Ihre Grund­schicht.
  • Wenn der Kompost­hau­fen eine Höhe von etwa 1,5 Metern erreicht hat und mit Erde, Tuch oder Laub abgedeckt ist oder die Kompost­tonne voll ist, lassen Sie das Material ruhen.
  • Sammeln Sie jetzt Ihre organi­schen Wertstoffe erneut getrennt vor oder legen Sie eine zweite gemischte Vorrotte an.
  • Nach vier bis sechs Monaten Ruhe können Sie den Kompost umsetzen. Achten Sie darauf, dass Sie wenig verrot­te­tes Material in die Kompos­ter­mit­te einar­bei­ten.
  • Nach insgesamt sechs bis zwölf Monaten ist der Kompost fertig und riecht nach frischer Walderde. Jetzt können Sie Ihrem Boden die Nährstoffe zurück­ge­ben, die ihm die Pflanzen entzogen haben.
  • Sieben Sie das Material durch und werfen Sie die Siebrück­stände einfach zurück auf Ihre Kompo­st­an­lage.
  • Wenn Sie Ihren Kompost aus vielen unter­schied­li­chen Küchen- und Garten­ab­fäl­len herge­stellt haben, enthält er die wichtigs­ten Nährstoffe. Er düngt natürlich.
 

Vom Schimmel und der Fäulnis

Was Sie tun können, wenn die Kompos­tie­rung nicht richtig klappt
  • Der Kompost riecht faulig und ist nass:
    Vermutlich kommt nicht genug Luft in Ihren Kompost. Setzen Sie den Komposter auf Holzlat­te­no­der Kanthölzer. Als untere Schicht richten Sie erneut mindestens fünf Zentimeter Struk­tur­ma­te­rial wie Stroh, Holzhäck­sel oder Reisig. Mischen Sie Ihre organi­schen Wertstoffe ebenfalls gut mit Struk­tur­ma­te­rial.
  • Der Kompost lockt Tiere an:
    Vermutlich liegen Speise­reste frei auf dem Kompost. Bauen Sie diese Abfälle in die Mitte Ihres Kompos­ters ein und decken Sie sie gut mit Erde oder verrot­ten­dem Material ab.
  • Die Bioabfälle schimmeln mehrere Wochen, aber verrotten kaum:
    Vermutlich ist das Material zu trocken. Setzen Sie den Kompost um und feuchten Sie ihn etwas mit Wasser an.
  • Die Bioab­fällle verrotten schlecht und setzen sich nur langsam in Humus um:
    Vermutlich enthält Ihr Ausgangs­ma­te­rial zu wenig Stickstoff.
    Mischen Sie das Material mit stick­stoff­rei­chen organi­schen Wertstof­fen wie Rasen­schnitt, Brenn­nes­seln, Küchen­ab­fäl­len, Hornspä­nen oder Klein­tier­mist.
  • Im Kompost wachsen viele Wildkräu­ter:
    Vermutlich reicht die Temperatur im Kompost nicht aus, um Wildkräu­ter­sa­men abzutöten. Lassen Sie die Wildkräu­ter verjauchen, bevor Sie sie in den Kompost geben. Dazu setzen Sie sie zwei Wochen im Eimer mit Wasser bedeckt an. Verteilen Sie die Wildkräu­ter nur in die Mitte des Komposters. Wenn es möglich ist, vergrößern Sie ihn, damit er wärmer wird.

 

Wenn viele zusammen kompostieren wollen

Wie Sie in der Schule, im Kinder­gar­ten oder mit Ihren Nachbarn gemeinsam einen Komposter betreiben können

Vielleicht haben Sie Lust, sich mit den Bewoh­ne­rin­nen und Bewohnern Ihres Hauses zusam­men­zu­tun und gemeinsam einen Quartier-Komposter einzu­rich­ten? Die biolo­gi­schen Vorgänge laufen ab wie bei jedem anderen Komposter auch. Im Prinzip müssen auch die gleichen Arbeiten verrich­tet werden. Allerdings fallen bei einer Hausge­mein­schaft mehr Küchen­ab­fälle an als bei nur einer Familie. Dafür aber können mehrere Personen sich die anfal­len­den Aufgaben teilen.

Und so werden sie Quartier­kom­pos­tie­re­rin oder -kompos­tie­rer:
  • Sprechen Sie inter­es­sierte Nachba­rin­nen und Nachbarn an.
  • Überlegen Sie, wie groß Ihr Quartier­kom­post­platz sein müsste.
  • Suchen Sie geeignete Plätze auf dem Grundstück.
  • Stellen Sie zusammen,was Sie alles brauchen und welche Arbeiten anfallen.
  • Laden Sie alle Mitglieder der Hausge­mein­schaft zu einer Bespre­chung ein und stellen Sie das Projekt "Quar­tier­kom­pos­ter" vor. Auch in Kinder­gar­ten und Schule können Sie einen gemein­sa­men Komposter anlegen. Kompost ist ein anschau­li­ches Beispiel für ein Ökosystem. Unter Ihrer Anleitung können Kinder einen Einblick in einzelne, inein­an­der­grei­fen­de Lebens­vor­gänge bekommen. Wer schon im Kinder­gar­ten miterlebt, wie aus Küchen- und Garten­ab­fäl­len gute Kompos­t­erde entsteht, wird auch später kompos­tie­ren.

 

Wenn der Kompost fertig ist

Wie Sie Ihren reifen Kompost einsetzen können

Die krümelige Struktur des Komposts verändert den Boden. Wasser kann besser gehalten werden, Luft besser zirku­lie­ren.
Grund­sätz­lich können Sie Kompost das ganze Jahr über in Ihrem Garten ausbringen. Streuen Sie ihn oberfläch­lich aus oder arbeiten Sie ihn in die oberen Boden­schich­ten ein.
  • Für Ihren Rasen ist es am besten, wenn Sie im Frühjahr und Sommer rund zwei Liter Kompost pro Quadrat­me­ter dünn ausstreuen. Nach ein paar Tagen haben ihn die Boden­le­be­we­sen in die oberste Schicht einge­ar­bei­tet.
  • Obstbäume bleiben gesünder, wenn bereits das Pflanzloch mit einigen Schaufeln reifen komposts gefüllt wird. Im Frühjahr geben Sie ein bis zwei Zentimeter reifen Kompost auf die Baumscheibe und decken das Material mit unreifem Kompost ab.
  • Gemüse schmeckt besser, wenn es mit kompost gezogen wurde. Bringen Sie im Frühling den Kompost dünn aus und harken Sie ihnleicht ein. Stark­zeh­rende Pflanzen vertragen bis zu acht Liter pro Quadrat­me­ter, mittel­zeh­rende sechs. Auch in die Saatrillen können Sie etwas Kompost geben.
  • Die Temperatur muss richtig sein.
  • Für Ihre Topfpflan­zen können Sie gebrauchte Blumen- oder Gartenerde oder Sand zur Hälfte mit Kompost mischen. Reinen Kompost vertragen viele Topfpflan­zen nicht.
  • Brauchen Sie Aufzuch­t­erde, dann sieben Sie vollstän­dig ausge­reif­ten Kompost fein ab. Mischen Sie davon einen Teil mit neun Teilen Sand. Mehr Kompost vertragen Keimlinge meist nicht. Pikieren können Sie die Pflänzchen jedoch in eine Mischung aus gleichen Teilen Sand und Kompost.


Bitte beachten Sie: Pflanzen, die Sie nicht mit Kompost, sondern nur mit Torf ziehen können, haben in unseren Gärten nichts verloren. Sie brauchen eine andere natürliche Umgebung, nämlich Moore. Dort hat sich über Tausende von Jahren Torf gebildet. Wenn wir weiterhin unsere Moore ausschlach­ten und in Säcke verpackt in unsere Gärten trans­por­tie­ren, zerstören wir einzig­ar­tige Ökosysteme. Überlegen Sie, ob sich das für ein paar Rhodo­dend­ren lohnt! Auch gekaufte Blumenerde enthält oft Torf.

Grund­sätz­lich sollten Sie in Ihrem Garten einhei­mi­sche Pflanzen anbauen. Sie sind an diese Umgebung angepasst und nützen der heimischen Tierwelt.

Sie haben Kompost übrig?

Fragen Sie bei Ihren Bekannten - vielleicht braucht jemand das gute Material für seine Pflanzen.

Sie haben keinen oder nicht genug Kompost?

Fragen Sie jemanden, der einen Kompost­hau­fen hat, ob sie/er Ihnen etwas abgeben kann. Oder holen Sie sich Kompost bei einem der beiden Kompost­plätze der Stadt Karlsruhe.

 

Broschüre zum Nachbarrecht des Justizministeriums Baden-Württemberg (PDF, 173 KB)

Kompostiermethoden im Vergleich