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Karlsruhe: Natur- und Umweltschutz

Minderungsmaßnahmen

Minde­rungs­maß­nah­men beim Straßen­ver­kehrs­lärm

Eine spürbare Minderung des Straßen­ver­kehrs­lärms lässt sich nur durch eine Vielzahl aufein­an­der abgestimm­ter Einzel­in­stru­men­ten erreichen. Von der Fahrzeug­tech­nik über die Verkehrs­pla­nung bis hin zu techni­schen Maßnahmen. Weitere Instru­mente zur Minderung der Geräusche­mis­sio­nen zielen auf leisere Fahrzeuge und Fahrbahn­be­läge.

Nachfol­gend werden einige Schall­schutz­maß­nah­men darge­stellt:

1. Aktive Schall­schutz­maß­nah­men

Lärmschutz­wände und -wälle
Die Wirksam­keit ist besonders in den unteren Geschoss­la­gen wahrnehm­bar. Eine Pegel­min­de­rung ist dann zu erwarten, wenn die Sicht­ver­bin­dung zwischen Straße und Immis­si­ons­ort unter­bro­chen ist. Mit Hilfe von hochab­sor­bie­ren­den Lärmschutz­wän­den kann eine Minderung von bis zu 8 dB(A) erzielt werden.

Bei einer Lärmsa­nie­rung an Bundes­f­ern­stra­ßen müssen verschie­dene Kriterien für einen positiven Bescheid des Regie­rungs­prä­si­di­ums erfüllt werden. Zum einen müssen die Immis­si­ons­grenz­werte der "Richt­li­nien für den Verkehrs­lärm­schutz an Bundes­f­ern­stra­ßen in der Baulast des Bundes - VLärmSchR 97" überschrit­ten sein (tags größer 67 dB(A) und nachts größer 57 dB(A), die betrof­fe­nen Gebäude müssen vor 1974 errichtet worden sein und es muss eine hohe Zahl von Betrof­fe­nen vorherr­schen. Erst wenn diese Vorgaben erfüllt sind, kommen mögliche Lärmschutz­maß­nah­men (z. B. der Bau von Lärmschutz­wäl­len oder -wänden) in Betracht.

"Sichtschutz mit Schall­schutz"
In privaten Haushalten werden bereits zahlreiche Varianten von Sichtschutz-Elementen verwendet. Für einen wirksamen Sichtschutz mit Schall­schutz bietet der neue gleich­na­mige Praxis­lei­t­fa­den des Fraunhofer-Institutes für Bauphysik (IBP) eine Hilfe­stel­lung. Er enthält konkrete Entschei­dungs- und Planungs­hin­weise, womit die Aussicht auf Ruhe im Vorfeld bewertet und die Ausführung gestaltet werden kann.
Unter dem folgenden Link können Sie den Leitfaden herun­ter­la­den:

"Sichtschutz mit Schall­­schutz" (PDF)

Verste­ti­gung des Verkehrs­flus­ses
Die Minderung des Beurtei­lungs­pe­gels ist gering. Das Reduzie­ren ­der beläs­ti­gen­den Pegel­spit­zen bei Anfahren und Bremsen führt je­doch zu einem subjektiv wahrge­nom­men Herab­sen­ken des Lärm­pe­gels.

Straßen­raum­ge­stal­tung
Eine gute Wirksam­keit ist besonders bei Abstands­ver­grö­ße­run­gen von Fahrbahn zum Immis­si­ons­ort im Nahbereich zu verzeich­nen. Stra­ßen­raum­ver­en­gun­gen führen zu einer Tempo­re­du­zie­rung und damit zu Lärmmin­de­rung.

Fahrbahno­ber­flä­che
Der Einbau von zweila­gi­gen offen­po­ri­gen Asphalten führt zu einer Re­du­zie­rung v.a. im höheren Geschwin­dig­keits­be­reich. Dabei ist eine Minderung in den ersten Jahren von mehr als 5 dB(A) mög­lich. Aktuelle Studien und Unter­su­chun­gen zeigen auf, dass eine Pegel­min­de­rung auch im Geschwin­dig­keits­be­reich von 50 km/h mög­lich ist.

Ein Austausch von Beton­be­lä­gen bringt 2 dB(A) und ein Austausch von Pflaster 3 dB(A) und mehr Pegel­min­de­rung.

Ein offen­po­ri­ger Asphalt ist sehr hohlraum­reich zusam­men­ge­setzt. Durch diesen hohen Anteil an mitein­an­der verbun­de­nen Hohlräu­men wirkt eine Asphalt­deck­schicht aus offen­po­ri­gem Asphalt (OPA) im ein­ge­bau­ten Zustand lärmmin­dernd und wasser­ab­füh­rend. Er wird vor allem auf Außer­orts­s­tra­ßen und auf Autobahnen angewandt. Den mög­li­chen Einspa­run­gen bei anderen Lärmschutz­maß­nah­men stehen hö­here Kosten bei der Herstel­lung der offen­po­ri­gen Asphalte und bei der Entwäs­se­rung gegenüber. Diese sind im Einzelfall zu be­ur­tei­len.

Der lärmarme Splitt­mas­ti­xas­phalt (SMA LA) ist gegenüber einem ­kon­ven­tio­nel­len Asphalt durch seine deutlich offene­re O­ber­flä­chen­struk­tur für die Minderung der Reifen­roll­ge­räusche ­ver­ant­wort­lich. Mit der Bauweise SMA LA können kosten­güns­ti­ge lärm­min­dernde Asphalt­deck­schich­ten mit konven­tio­nel­len ­Bau­stof­fen und Einbau­ver­fah­ren herge­stellt werden. Gegenüber dem Re­fe­renz­be­lag der RLS 90 kann eine anfäng­li­che Lärmmin­de­rung von min­des­tens -4 dB(A) bei einer Geschwin­dig­keit von 80 km/h er­war­tet werden. Innerorts kann eine Lärmmin­de­rung von im Mittel -3 dB(A) erreicht werden. Es ist gegenüber einem offen­po­ri­gen As­phalt mit einer höheren Nutzungs­dauer zu rechnen und der Auf­wand hinsicht­lich Betrieb und Unterhalt ist niedriger.

Fahrbahn­qua­li­tät
Die Instand­set­zung von schad­haf­ten Straßeno­ber­flä­chen bring­t ­spür­bare Verbes­se­run­gen bei der angren­zen­den Wohnbe­völ­ke­rung.

Geschwin­dig­keits­re­du­zie­rung
Tempo­li­mits sind eine kosten­güns­tige und einfach umzuset­zen­de ­Maß­nahme. Sie sollen jedoch nur dann angeordnet werden, wenn an­dere Maßnahmen nicht möglich sind.

Die Pegel­min­de­rung ist abhängig vom Lkw-Anteil. Eine Reduzie­rung ­der Geschwin­dig­keit von 70 km/h auf 50 km/h bzw. von 50 km/h auf 30 km/h führt zu einer Pegel­min­de­rung von bis zu 3 dB(A). Dies ­be­deu­tet eine subjektiv wahrge­nom­mene Halbierung des Ver­kehrs­auf­kom­mens.

Stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­che Maßnahmen, wie eine ­Ge­schwin­dig­keits­re­du­zie­rung, kommen unabhängig vom Gebiet­s­ty­p ins­be­son­dere ab folgenden Beurtei­lungs­pe­geln in Betracht:
70 dB(A) zwischen 6:00 und 22:00 Uhr (tags)
60 dB(A) zwischen 22:00 und 6:00 Uhr (nachts).

Als Berech­nungs­grund­lage dazu dient die "Richt­li­nie für Lärm­schutz an Straßen (RLS 90)".

Liegt neben dem Beurtei­lungs­pe­gel eine hohe Betrof­fen­heit vor, so verdichtet sich das Ermessen der Behörde (Regie­rungs­prä­si­di­um ­Karls­ru­he) zum Einschrei­ten. Nach Amtsan­tritt der grün-roten ­Lan­des­re­gie­rung wurde der entspre­chende Erlass geändert, so dass ­seit­her Tempo­li­mits angeordnet werden konnten, die zuvor nicht mög­lich gewesen waren. So reduziert sich nunmehr bei einer ­Über­schrei­tung der Werte von z. B. 60 dB(A) nachts das Ermes­sen ­der Behörden zur grund­sätz­li­chen Pflicht zur Anordnung von Lärm­schutz­maß­nah­men.

Geschwin­dig­keits­be­schrän­kun­gen, die ausschließ­lich aus Lärm­schutz­grün­den erfolgen sollen, bedürfen der Zustimmung der Hö­he­ren Straßen­ver­kehrs­be­hörde (Regie­rungs­prä­si­dium Karlsruhe).

2. Passive Schall­schutz­maß­nah­men

Passive Schall­schutz­maß­nah­men sind Maßnahmen am zu schüt­zen­den ­Ob­jekt (z. B. Lärmschutz­fens­ter, lärmge­dämm­te Lüf­tungs­ein­rich­tun­gen).

Grund­sätz­lich sind aktive Schall­schutz­maß­nah­men den passi­ven ­Maß­nah­men vorzu­zie­hen. In besonders lärmbe­las­te­ten Bereichen, in denen aktive Maßnahmen nicht möglich sind oder nicht ausreichen, sollten passive Maßnahmen durch Einbau von Schall­schutz­fens­ter und Einbau von schall­ge­dämm­ten Lüftern vorgesehen werden.

Die aktuelle städtische Förder­richt­li­nie gibt vor, dass am Tage eine Lärmbe­las­tung von mindesten 70 dB(A) erreicht sein muss, um eine Förderung zu erlangen. Des Weiteren muss das betrof­fe­ne ­Ge­bäude vor 1974 errichtet worden sein.

Passiver Schall­schutz ist damit im gesamten Stadt­ge­biet möglich, wenn diese Kriterien erfüllt sind. Es erfolgt jeweils eine Ein­zel­fall­ent­schei­dung.


Eine gute Möglich­keit, um dem Lärmak­ti­ons­plan auch eine langfris­tige Perspek­tive zu geben, bietet die enge Verzahnung mit dem Verkehrs­ent­wick­lungs­plan (VEP).