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Karlsruhe: Leben und Arbeiten

Krautkopfbrunnen

Standort:
Guten­berg­platz

Baujahr:

1905-1908

Künstler:
Friedrich Ratzel (1869-1907)

Wasser­qua­li­tät:
Umwälz­an­lage,
kein Trink­was­ser

Denkmal­schutz:
ja


 

Krautkopfbrunnen auf dem Gutenbergplatz

 

Der Kraut­kopf­brun­nen auf dem Guten­berg­platz gilt als Wahrzei­chen der Karlsruher Weststadt. Wie auch viele andere Brunnen in Karlsruhe diente er früher als Markt­brun­nen.


Bauphase / Künstler

Im Juli 1904 gab es erste Planungen für die Errich­tung eines großen Markt­brun­nens auf dem Guten­berg­platz, auf welchem regelmäßig der Wochen­markt stattfand.

Den Auftrag für die Errichtung des Brunnens erhielt, ohne vorherigen Wettbewerb, der junge Karlsruher Künstler Friedrich Ratzel. Er lehrte seit 1899 an der Techni­schen Hochschule in Karlsruhe und zählte zur damaligen Zeit zu den führenden Künstlern der Stadt. Wie auch Hermann Billing, Robert Curjel und Karl Moser war Friedrich Ratzel Vertreter einer modernen Bauweise, die den Histo­ris­mus hinter sich ließ. Durch die Auftrags­ver­gabe an ihn wurde Karlsruhes Ruf als Zentrum moderner Archi­tek­tur gestärkt.

Im Oktober 1905 legte Friedrich Ratzel dem Stadtrat erste Entwürfe für den Brunnen vor, die heute leider nicht mehr erhalten sind. Der Künstler erhielt für die Errichtung des Brunnens eine Summe von insgesamt 60.000 Mark. Eine solch hohe Summe hatte die Stadt nie zuvor für den Bau eines Brunnens investiert. Da jedoch für die Umsetzung der Brunnenent­würfe eine Umgestal­tung des Guten­berg­plat­zes notwendig war, gestaltete sich die Errichtung des Brunnens extrem kostspie­lig, zumal der Platz erst ein Jahr zuvor neu angelegt worden war.

Die bildhaue­ri­schen Arbeiten für den neuen Brunnen führte der mit Friedrich Ratzel befreun­dete Bildhauer Eugen Mezger aus.

Im Jahr 1907 stellte ein tragisches Ereignis die Errichtung des Brunnens in Frage. Friedrich Ratzel nahm sich am 05.07.1907 wegen gesund­heit­li­cher Probleme das Leben. Glück­li­cher­weise übernahm Hans Balmer, ein Architekt aus dem Büro Friedrich Ratzels, die Leitung der Brunnen­bau­ar­bei­ten.
Im Frühjahr 1908 verstarb unerwartet auch Eugen Mezger. Die Bildhau­er­ar­bei­ten führte daraufhin der Bildhauer Johann Jost zu Ende.

Hans Balmer und Johann Jost hielten sich bei der Ausführung ihrer Arbeiten streng an die Pläne von Friedrich Ratzel. Der Brunnen konnte daher Ende September 1908 doch noch fertig gestellt werden und wurde Mitte Oktober 1908 ohne offizielle Einweihung an die Stadt Karlsruhe übergeben.


Architektur des Brunnens

Früher bildete ein großes, achte­cki­ges Brunnen­be­cken die Basis des Brunnens. Der Boden des Beckens, welches heute nicht mehr vorhanden ist, lag ursprüng­lich ungefähr einen Meter unter dem Platz­ni­veau des Guten­berg­plat­zes. Acht große Kugeln aus Muschel­kalk standen in einiger Entfernung zu den Ecken des Beckens. Das Brunnen­be­cken selbst wurde durch runde Stein­pfos­ten mit waagrech­ten Metall­stan­gen eingefasst.
Über dem achte­cki­gen Becken befand sich ein weiteres, rundes Becken, das auch heute noch vorhanden ist. Aus der Mitte des runden Beckens ragt eine zylin­der­ar­tige Form in die Höhe. Sie ist durch neun Figuren geschmückt, die die runde Form umschrei­ten und auf ihren Schultern gemeinsam eine Frucht- und Blüten­gir­lande tragen. Ein überdi­men­sio­na­ler Krautkopf auf einer durch­bro­che­nen Kuppel aus neun Metall­rip­pen bildet die Spitze des Brunnens. Diesem Krautkopf ist der Name "Kraut­kopf­brun­nen" zu verdanken. Das Wasser fließt aus den Blättern des Kraut­kop­fes und fällt zwischen der durch­bro­che­nen Kuppel hindurch. Durch neun verschie­den­ar­tige Wasser­speier in Form von Fisch­köp­fen fließt es weiter in das runde Brunnen­be­cken.
An der Ostseite des Brunnens befindet sich auch heute noch ein kleiner Nutzbrun­nen in Form eines schla­fen­den Pelikans mit einem kurzen Ausfluss­rohr.

1961 wurde im Zuge des Einbaus einer Umwälz­pumpe die Einfrie­dung um den Brunnen entfernt und das untere achteckige Brunnen­be­cken mit Erde aufgefüllt und mit Blumen bepflanzt. Der Grund für diese Umgestal­tung war eine ständige starke Verschmut­zung des Beckens, der man nicht anders entge­gen­zu­wir­ken vermochte. Die Umgestal­tung hatte eine Verklei­ne­rung des Brunnens zur Folge, durch die er seine beherr­schende Wirkung auf dem Guten­berg­platz verlor.


Sonstiges Wissenswertes

Der Kraut­kopf­brun­nen wurde schon bald nach seiner Fertig­stel­lung zum Wahrzei­chen der Weststadt.
Im Jahr 1940 wurden der Krautkopf und die Metall­rip­pen abmontiert und für Kriegs­zwe­cke einge­schmol­zen. Der Brunnen wurde zwar 1952 wieder in Betrieb genommen, aber noch nicht wieder­her­ge­stellt. In den darauf­fol­gen­den Jahren setzte sich vor allem der Bürger­ver­ein der Weststadt für den Wieder­auf­bau ein. Erst zehn Jahre später, im August 1962, war die Wieder­her­stel­lung des Kraut­kop­fes und der Metall­rip­pen beendet, sodass der Kraut­kopf­brun­nen wieder in seiner ursprüng­li­chen Erschei­nungs­form auf dem Guten­berg­platz vorzu­fin­den war. Die Arbeiten hatte der Metall­bild­hauer Eugen Schnepf ausgeführt.
Der Brunnen wurde 2005 umfassend saniert. Im Jahr 2007 fand anlässlich des 99-jährigen Bestehens des Kraut­kopf­brun­nens erstmals das "Kraut­kopf­fest" auf dem Guten­berg­platz statt.



Weiter­füh­rende Literatur:
Veröf­fent­li­chun­gen des Karlsruher Stadt­ar­chivs, Band 7, Denkmäler Brunnen und Freiplas­ti­ken in Karlsruhe 1715 - 1945