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Karlsruhe: Leben und Arbeiten

Hitzesommer und Trockenheit, Maßnahmen zum Grünerhalt

Grund­sätz­lich sind Stadtbäume einer Vielzahl von Stress­fak­to­ren ­aus­ge­setzt, die ihre Vitalität hemmen: beengte Baumgru­ben schrän­ken das Wurzel­wachs­tum ein, die Boden­ver­dich­tung führt zu un­zu­rei­chen­der Sauerstoff- und Wasser­ver­sor­gung, Versie­ge­lung, Schad­st­of­fim­mis­sio­nen, auch Urin- und Salzbe­las­tun­gen sowie ­Be­schä­di­gun­gen im Wurzel-, Stamm- und Kronen­be­reich kommen ­bei­spiels­weise im Weiteren hinzu. Die damit ohnehin schon vor­han­dene Stress­si­tua­tion verstärkt sich durch die Kli­ma­ver­än­de­rung mit weniger Nieder­schlä­gen, höheren ­Durch­schnitt­stem­pe­ra­tu­ren, häufigeren Extrem­wet­te­rer­eig­nis­sen. In der Folge treten Vitali­täts­einschrän­kun­gen auf, die Bäume sind anfälliger für Krank­hei­ten und Schäd­lings­be­fall.

Die Klima­ver­än­de­run­gen zeigen eine Verstär­kung der folgen­den ­Phä­no­mene: Bruch­pro­ble­ma­tik durch die Massaria-Krankheit an Pla­ta­nen, Diplodia-Krankheit an Kiefern, Mehrung von Pilzbe­fall an Buchen, die Schwächung von Kastanien, um einige der Auf­fäl­lig­kei­ten beispiel­haft zu nennen. Höhere Kontroll- und Pfle­ge­auf­wände entstehen, um Astbruch­ge­fah­ren und Schlim­me­res zu ver­hin­dern. Schwä­che­pa­ra­si­ten wie der Riesen­por­ling an Buchen ­deu­ten auf zersetzte Wurzeln hin und somit auf eine Gefähr­dung ­der Stand­si­cher­heit des Baumes insgesamt. Bei Diplodia-Befall an Kiefern werden Kiefern­fäl­lun­gen auch im Sommer­halb­jahr er­for­der­lich und das Thema ist nicht nur im Forst, sondern auch in den flächigen Beständen beispiels­weise in der Waldstadt, in der Nordstadt oder in Oberreut relevant.

Mit dem Austrieb 2019 hat das Garten­bau­amt vermehr­t ­Tro­cken­schä­den in Form von Absterben einzelner Kronenäste, der ge­sam­ten Kronen­pe­ri­phe­rie bis hin zu kompletten Ausfällen unter an­de­rem bei den folgenden Baumarten festge­stellt: Bergahorn, Weiß­bu­chen, Birken, Rotbuchen, Stiel-Eichen. Bei den Stra­ßen­bäu­men ist das Ausmaß der Trocken­schä­den abhängig von Stand­ort und Baumart. Bei erfor­der­li­chen Fällungen in den flä­chi­gen, waldar­ti­gen Beständen werden diese aufge­ris­sen, die Gefahr von Windwurf und Thermo­schä­den steigt. Vermehrt Totholz ­be­darf einer inten­si­veren Baumpflege.

Weitere Auffäl­lig­kei­ten im inner­städ­ti­schen Grün: vermehr­te ­Tro­cken­schä­den sind auch bei Sträuchern, immer­grü­nen Gehölzen, Boden­de­ckern und Stauden an abgestor­be­nen Teilen bis hin zu To­tal­aus­fäl­len zu verzeich­nen. Bei den Wiesen- und Rasen­flä­chen ­füh­ren die Trocken­schä­den zu Verkahlung und offenen Erdflächen. Mit welchen Maßnahmen versuchen die Mitar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter des Garten­bau­amts den Phänomenen zu begegnen? Die Maß­nah­men kreisen um vier verschie­dene Handlungs­fel­der: Arten­aus­wahl, Ressour­cen­ma­na­ge­ment, der Optimie­rung der Be­wäs­se­rung durch technische Hilfs­mit­tel sowohl in der Be­stands­pflege als auch gleich zu Beginn von Projekten in Planung und Bau.

 

Ahorn: mehrfach überwallter Thermoschaden

Ahorn: mehrfach überwallter Thermoschaden


 

Bei den Baumarten ist eine möglichst große Vielfalt an Arten wich­tig, die für das Stadtklima als geeignet erscheinen. So geht es darum, so genannte Zukunfts­bäume auszu­wäh­len. Damit kommen auch neue Arten hinzu. So etwa die Hopfen­bu­che, die eigent­lich aus Südost­eu­ropa stammt, wo sie auf trockenen und sonni­gen ­Berg­hän­gen und in lichten Wäldern wächst. Dennoch werden hei­mi­sche Arten bevorzugt. Durch das Programm "Junge Riesen" ­züch­tet das Garten­bau­amt von robusten, bewährten Altbäu­men Spröss­linge nach, so wachsen beispiels­weise Eichen in der Baum­schule der Stadt­gärt­ne­rei heran, die aus Früchten einer 400-jährigen Stieleiche an der Beiert­hei­mer Allee stammen. Die Be­wäs­se­rung wird durch den Einsatz von Wasser­sä­cken, Gießrin­gen und Telesko­plan­zen optimiert, denn das Wasser soll möglichst da hin, wo es benötigt wird, und konti­nu­ier­li­che Wasser­ga­ben sind für die Jungbäume überle­bens­wich­tig. Der Wasser­wa­gen- und Per­so­nal­be­darf allein zum Gießen der Jungbäume ist enorm und die städ­ti­schen Kapazi­tä­ten sind in künftigen Trocken­jah­ren ­ver­gleich­bar zu 2018 zu verstärken. Falls die Ressourcen des Gar­ten­bau­amts nicht reichen, ist daher beabsich­tigt, die frei­wil­lige Feuerwehr um Unter­stüt­zung zu bitten oder es werden ­Fir­men beauftragt.

Beim Planen und Bauen ist es wichtig, an den jewei­li­gen ­Stand­orten die geeigneten Bäume unter möglichst optima­len ­Be­din­gun­gen (Größe der Pflanz­grube, der Abstände, des Substrats und der nachfol­gen­den Pflege) zu pflanzen. Dafür braucht es aus­rei­chend Platz in und unter der Straße. Verstärkt werden ­Be­wäs­se­rungs­sys­teme bereits in der Planung vorgesehen, so bei­spiels­weise bei den zukünf­ti­gen Bäumen entlang der Kriegs­straße - ohne werden Bäume an derartigen Standorten nicht das Alter und die Größe erreichen, die wir in der Stadt­ ­be­nö­ti­gen.

 

Teleskoplanze zur Bewässerung

Teleskoplanze zur Bewässerung


 

Wassersack zur Bewässerung

Wassersack zur Bewässerung