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Karlsruhe: Leben und Arbeiten

Rückschau: Lange Nacht der Leitbilder

Lange Nacht der Leitbilder


 

Zur langen Nacht der Leitbilder lud das Stadt­pla­nungs­amt lokale Stadt­ma­cher und globale Stadt­den­ker in die Agora der Ausstel­lung »DIE STADT NEU DENKEN«, um gemeinsam Visionen für die Zukunft der Stadt zu entwickeln.

Bei Popcorn und Cola wurden Perspek­tiv­pläne erdacht und Konzepte in lockerer Runde vorge­stellt.

26. Juni 2015, 20 - 1.30 Uhr

 

"Die Stadt neu denken", hieß der Einstiegs-Vortrag von Professor Johann Jessen. Er berichtete von der "Idealen Stadt" und den Leitbil­dern der 50er Jahre, als es darum ging, Wieder­auf­bau und Infra­struk­tur voran­zu­trei­ben und Wohnraum zu schaffen. Er nannte als konkretes Beispiel unter anderem die Waldstadt als große Wohnsied­lung im Grünen. Wichtige Motoren der städte­bau­li­chen Leitbil­der seien Urbanität durch Dichte und die autoge­rechte Stadt gewesen. Später kam der Gedanke der Parti­zi­pa­tion und der behutsamen Stadt­ent­wick­lung hinzu. "Bürger­schaft­li­che Mitwirkung und fachliche Expertise wirken zusammen", so Jessen. Ökolo­gi­sches Denken und neue Wege der Kommu­ni­ka­tion und Mobilität seien beim aktuellen Leitbild "Smart Cities" wichtig. Und: die soziale Stadt sei eine lohnende Perspek­tive.

Aus dem "Perspek­tiv­plan Freiburg" berichtete Pieter van der Kooji. Die Grund­satz­frage sei: Wie viel Raum steht Menschen in urbanen Zentren zur Verfügung? Bauliche Dichte und Freiraum könne man mitein­an­der verknüpfen, indem man Schulhöfe oder Uni-Gelände öffne. Es gehe darum, famili­en­freund­li­che Wohnungen, Mehrge­ne­ra­tio­nen­häu­ser oder studen­ti­sches Wohnen zu schaffen. Keine leichte Aufgabe, schließ­lich sei Freiburg nach München die teuerste Neubau-Stadt Deutsch­lands.

Cordelia Polinna vom Wissen­schaft­li­chen Beirat des Stadt­ent­wick­lungs­kon­zepts "Berlin 2030" berich­te­te über den Prozess, die Betei­li­gung und die Kernaus­sa­gen. Stärkung von Techno­lo­gie, Kreativ­wirt­schaft und Tourismus seien Teile des Leitbilds. Die "Berlin­Stra­te­gie" sei jedoch sehr strate­gisch. Viele Aussagen sind so stark abstra­hiert, dass Berlin-Spezi­fi­sche verloren gegangen sei. Ein Problem sei die Gentri­fi­zie­rung. Die Stadt wächst, die Mieten steigen. Einwohner werden von einkom­mens­stär­ke­ren Zugezo­ge­nen verdrängt. Als Schlag­worte für ein Berlin der Zukunft nannte sie "grün, mobil, smart und solida­risch".

Die Kultur­wis­sen­schaft­le­rin Gülsen Ergün sprach in ihrem Essay "Masch­ter­plan oder Badischman in New York" den Karls­ru­hern mal aus der Seele und analy­sierte das Räumliche Leitbild gleich­zei­tig nachdenk­lich und mit Humor. Als positiv bewertete sie die Bürger­be­tei­li­gungs­pro­zesse bei der Leitbild­dis­kus­sion und ließ deshalb auch gleich ein paar "typische" Karlsruher zu Wort kommen. (Download des kompletten Essays rechts!)

Benedikt Stoll vom Verein Anstoß wagte mit "Karlsruhe in Europa... am Ziel vorbei geplant?" einen visionären Blick auf Leitbilder. Die zeitge­nös­si­sche europäi­sche Raumpla­nung und Leitbild-Renaissance ließen Ansätze und Konzepte zu den Realiäten der inner­eu­ro­päi­schen Freizü­gig­keit und aktueller Migrations-Wellen vermissen. Für Karlsruhe schlägt er daher die Identi­fi­zie­rung der Innenstadt als identi­täts­prä­gen­des Zentrum für alle Bewohner und dem Kampf gegen Segre­ga­tion.

Danach meldete sich Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach per Live-Konferenz mit seinen zwei Assis­ten­ten in der Agora und befragte die anwesen­den Experten zu Karlsruhe und seinem Leitbild. Die Initia­to­ren des Bürger­hör­spiels "Die 5.000 Tulpen des Carl-Wilhelm von Baden-Durlach" Andreas Köhler und Hendrik Vogel produ­zier­ten live mit den Rednern und Zuschau­ern die Sonder­folge:

"Karl Wilhelm bei der Langen Nacht der Leitbilder"


editiert aus der Stadt­zei­tung 3. Juli 2015

 
 

Prof. Dr. Johann Jessen, Städtebau-Institut Universität Stuttgart

Prof. Dr. Johann Jessen, Städtebau-Institut Universität Stuttgart


Pieter van der Kooij, Stadtentwickler aus dem Team Perspektivplan Freiburg

Pieter van der Kooij, Stadtentwickler aus dem Team Perspektivplan Freiburg


Dr. Cordelia Polinna, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030

Dr. Cordelia Polinna, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030


Gülsen Ergün, Kulturwissenschaftlerin und Autorin

Gülsen Ergün, Kulturwissenschaftlerin und Autorin


Benedikt Stoll, angehender Architekt & Stadtplaner, Mitbegründer der Anstoß e.V.

Benedikt Stoll, angehender Architekt & Stadtplaner, Mitbegründer der Anstoß e.V.


Hendrik Vogel (li) & Andreas Köhler (re), 5000 Tulpen

Hendrik Vogel (li) & Andreas Köhler (re), 5000 Tulpen


Hendrik Vogel moderiert die Fragen von Markgraf Karl Wilhelm<br><br>Alle Bilder: M. Müller-Gmelin, Stadtplanungsamt Karlsruhe

Hendrik Vogel moderiert die Fragen von Markgraf Karl Wilhelm

Alle Bilder: M. Müller-Gmelin, Stadtplanungsamt Karlsruhe