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Karlsruhe: Hochbau

Kindertageseinrichtung Sybelstraße


Anlass und Zweck des Wettbe­werbs

Die Südstadt ist ein Karlsruher Stadtteil, der zwischen der In­nen­stadt-Ost und dem Haupt­bahn­hof liegt. Der Stadtteil ist durch eine mulikul­tu­relle Bewoh­ner­struk­tur und einem hohen Wohnan­teil von Familien mit Kindern geprägt. Die beste­hen­de ­Ver­sor­gung an Betreu­ungs­plät­zen für Kinder im Vorschulal­ter reicht in diesem Stadtteil nicht aus den anste­hen­den Bedarf zu decken. In der Sybel­straße 9 wurde 1991 eine Kinder­ta­ges­stät­te er­rich­tet, 2004 folgte eine Erwei­te­rung im rückwär­ti­gen Bereich. Derzeit werden an diesem Standort vier Betreu­ungs­grup­pen ­an­ge­bo­ten. Die Einrich­tung entspricht nicht mehr den päd­ago­gi­schen Ansprüchen und deckt außerdem den erfor­der­li­chen ­Be­darf nicht ab. Daher wurde nach verschie­de­nen Unter­su­chun­gen ent­schie­den, das Bestands­ge­bäude abzureißen und durch eine ­grö­ßere, den Anfor­de­run­gen entspre­chende Einrich­tung zu er­set­zen.
Die neue Einrich­tung wird achtgrup­pig mit einem ­Be­treu­ungs­an­ge­bot für 110 Vorschul­kin­der ausgelegt.
Die Maßnahme umfasst eine BGF von ca. 1.900 m², die sich sowohl aus dem Bereichen der Gruppen­räume und Mehrzweck­räume, der Küche und Bistro­be­rei­chen und einem Verwal­tungs­be­reich zusam­men­setzt.

Ziel des Wettbe­werbs ist es durch einen funktional und städ­te­bau­lich stimmigen Entwurf eine Planungs­grund­lage für die Um­set­zung der Maßnahme zu erhalten.

Beurtei­lung des Preis­ge­rich­tes

Der Neubau der Kinder­ta­ges­ein­rich­tung wird auf den westli­chen und nördlichen Bauflucht­li­nien positio­niert. Er ist in zwei ­Ge­bäu­de­teile gegliedert: An der Sybel­straße steht ein drei­ge­schos­si­ger Kopfbau, in dessen Flucht sich nach Osten ein ge­streck­ter zweige­schos­si­ger Gruppen­raum­trakt anschließt. Der Kopf­bau steht auf einer befes­tig­ten Platz­flä­che, die in etwa die Tiefe des benach­bar­ten Sybel­zen­trums aufnimmt. In Flucht der Gar­ten­seite des Sybel­zen­trums verspringt das Gelände wie auch der Gruppen­raum­flü­gel der gegebenen Topogra­phie folgend um ein halbes Geschoss nach unten, sodass die erdge­schos­si­gen ­Grup­pen­räume dort abgesenkt, aber ebenerdig zu den umlie­gen­den Frei­flä­chen liegen.
Konse­quen­ter­weise wird das Gebäude an der Sybel­straße zentral am Kopf erschlos­sen. Die Eingangs­si­tua­tion ist mit Anschluss des Mehr­zweck­rau­mes an das Foyer gut gelöst. Die Küche ist hier gut po­si­tio­niert - sowohl für die Anlie­fe­rung, als v.a. auch ­glei­cher­ma­ßen für die Versorgung der Gruppen bzw. deren ­Bistro­be­rei­che, wie für die Andienung des Foyer-/Mehr­zweck­be­rei­ches.
Die Anordnung der weiteren Mehrzweck- und Arbeits­räume in den beiden Oberge­schos­sen des Kopfbaus ist sinnfällig, wenn auch die Dis­po­si­tion der Oberge­schosse des Kopfbaus insge­sam­t ­ver­bes­se­rungs­wür­dig erscheint.
Im Anschluss an den gut propor­tio­nier­ten ­Foyer-/Mehr­zweck­raum­be­reich erschließt eine split-level-Treppe die zentralen Achsen beider Gruppen­raum­ge­schosse in die Tiefe. Entlang dieser zentralen Achsen sind wechsel­sei­tig ­Grup­pen­raum­be­rei­che angeordnet, die mit verglasten Treppen­räu­men al­ter­nie­ren, sodass nicht nur alle Gruppen­räume großzügig und immer von zwei Seiten belichtet werden, sondern auch die zen­trale Achse gut belichtet wird und abwechs­lungs­reich ­ge­stal­tet ist.
Aus Sicht der pädago­gi­schen Leitung bzw. der Nutzer ist die An­ord­nung der Funkti­ons­räume für die päd. Praxis sehr gut gelöst. Sie bietet eine klare Ordnung, hierin aber auch Rück­zugs­mög­lich­kei­ten und Nischen - die gerade angesichts der Größe der Einrich­tung wichtig sind. Eine Verteilung der Schlafräume auf beide Gruppen­ge­schosse wird gewünscht.
Die jeweils zwischen zwei Gruppen angeord­ne­ten Treppen er­mög­li­chen sehr kurze Wege von den Gruppen des Oberge­schos­ses ins Freie, sodass alle Gruppen­räume gut mit den Freiflä­chen ­ver­knüpft sind. Zudem sind diese auch für die unpro­ble­ma­ti­sche Ent­fluch­tung hilfreich.
Indem die Gruppen­raum­be­rei­che nach drei Seiten zu den Frei­flä­chen orientiert sind, können die relativ knappen Frei­flä­chen gut aktiviert werden. Zugleich kann der wesent­li­che ­Baum­be­stand erhalten werden.
Der großzügige Vorplatz-/Eingangs­be­reich überzeugt. Die An­ord­nung der Fahrra­dab­stell­plätze erscheint fragwürdig. Vor allem aber erscheint die Unter­brin­gung der Kinder­wä­gen im Keller ­ver­kehrt.
Die archi­tek­to­ni­sche Gestaltung der Fassaden aus Be­ton­fer­tig­tei­len erscheint glaub­wür­dig, insbe­son­dere, da das Ge­bäude insgesamt als eine sorgfältig gefügte Betons­kulp­tur mit kon­tras­tie­ren­den Seekiefer-Ausbauten vorge­stellt wird. In einer wei­te­ren Bearbei­tung sollte die Elemen­tie­rung der Fassa­de ­dif­fe­ren­zier­ter werden.
Das Gebäu­de­tech­ni­sche Konzept ist nicht vollstän­dig schlüs­sig ­be­schrie­ben. Die Wärme­er­zeu­gung und der Energie­trä­ger bleiben un­klar. Die natürliche Lüftung über die Dauer­lüf­tungs­ele­mente in der Fassade stellen eine ineffi­zi­ente Undich­tig­keit in der Ge­bäu­dehülle dar und ist im weiteren Planungs­pro­zess zu hin­ter­fra­gen.
Auch das Konzept zur Lüftung und Nachtaus­küh­lung bleib­t ­er­klä­rungs­be­dürf­tig und ist weiter zu entwickeln.
Insgesamt ist der Beitrag sowohl städte­bau­lich, als auch räum­lich-funktional und archi­tek­to­nisch überzeu­gend. Im Rahmen ei­ner weiteren Bearbei­tung wird die Unter­su­chung angeregt, auch den Gruppen­raum­flü­gel auf dem Niveau des Eingangs­baus an­zu­ord­nen, um so die Engstelle der Split­le­vel­treppe auflösen zu können. Ein Anarbeiten des umlie­gen­den Geländes an das Ein­gangs­ni­veau erscheint nicht ausge­schlos­sen.

 

Das Preis­ge­richt tagte am 5. April 2019 und setzte die Ar­beits­ge­mein­schaft Baur & Latsch Archi­tek­ten und Büro ADA auf Rang 1

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