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Karlsruhe: Hochbau

Neubau Kindertageseinrichtung Geigersberg


Anlass und Zweck
Nach der aktuellen Bevöl­ke­rungs­pro­gnose besteht für den Stadt­teil Karlsruhe-Durlach ein Fehlbedarf an Betreu­ungs­plät­zen ­für Kinder unter drei Jahren sowie für Kinder ab drei Jahren bis Schu­lein­tritt.
Der Bedarf soll durch einen Neubau für eine viergrup­pi­ge Kin­der­ta­ges­stätte reduziert werden. Die Maßnahme umfasst eine BGF von ca. 1000 m². Für den Neubau lobte die Stadt Karls­ru­he eine Mehrfach­be­auf­tra­gung aus. Das Planungs­er­geb­nis des erst­plat­zier­ten Teams aus Archi­tek­ten und Landschafts­ar­chi­tek­ten wird bis zur Entwurfs­pla­nung mit Kosten­be­rech­nung wei­ter­ent­wi­ckelt und soll für den Doppel­haus­halt 2021/22 vor­be­rei­tet werden.
Es wurde ein Entwurf gesucht, der der städte­bau­li­chen, frei­raum­pla­ne­ri­schen und topogra­fi­schen Situation gerecht wird. Der Entwurf sollte zudem auf funktio­nale, wirtschaft­li­che und nach­hal­tige Aspekte ausge­rich­tet sein und durch seine ­ge­stal­te­ri­sche Qualität das Quartier angemessen ergänzen und auf­wer­ten.
Der Neubau wird als Nullener­gie­ge­bäude (Jahres­bi­lanz Pri­mär­ener­gie­be­darf) / Plusener­gie­ge­bäude (Jahres­bi­lanz En­d­ener­gie­be­darf) das Ziel "Klima­neu­trale Verwaltung 2040" we­sent­lich unter­stüt­zen.

Beurtei­lung des Sieger­ent­wurfs durch die Jury
Der Entwurf besticht durch seinen mutigen Ansatz, einen 2-geschos­si­gen Baukörper so in den Hang einzufügen, dass er nur als leichter einge­schos­si­ger Pavillon wahrge­nom­men wird. Im Kon­trast zur umgebenden Bebauung wird er unmiss­ver­ständ­lich als ein besonderes Gebäude erkennbar und erhält dadurch eine ganz ­be­son­dere Identität.
Die Vorgar­ten­zone ist in Form einer durch­gän­gi­gen inten­si­ven ­Dach­be­grü­nung umgesetzt. Die textlich formu­lierte Ausbildung der Be­pflan­zung mit Felsen­bir­ken ist jedoch in den Plänen nicht er­kenn­bar. Es bleibt unklar, inwieweit dieses Bepflan­zungs­the­ma ­mit der Fassa­den­aus­bil­dung des 1.OG korre­spon­diert.
Der Grundriss im Oberge­schoss ist sehr schön gegliedert und op­ti­mal für die vorge­se­he­nen Nutzungen organi­siert. Im Un­ter­ge­schoss ist diese Klarheit nicht in gleicher Qualität zu er­ken­nen. Der zentrale Empfangs­raum ist unein­deu­tig hinsicht­lich ­der Innen­wand­ab­wick­lung und Belichtung.
Die Wahl einer geschoss­ho­hen umlau­fen­den Glashülle wird von der Jury ausge­spro­chen kritisch bewertet. Sowohl hinsicht­lich des som­mer­li­chen als auch winter­li­chen Wärme­schut­zes ist der Vor­schlag unakzep­ta­bel. Aber auch in Bezug auf die Botschaft nach außen erscheint die Fassade fragwürdig. Bezogen auf die Haptik der Oberfläche und die Bedürf­nisse kleiner Kinder ist es nach Ansicht der Jury die falsche Materi­al­wahl. Im Fall einer Rea­li­sie­rung müsste der Entwurf an dieser Stelle grund­sätz­lich ­über­ar­bei­tet werden.
Die Nutzung der Erdwärme über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe in Ver­bin­dung mit der Fußbo­den­hei­zung wird positiv bewertet. Dass die Fußbo­den­flä­chen über das gleiche System auch einer ­som­mer­li­chen Tempe­rie­rung verfügt, ist ein zusätz­li­cher Vorteil. Das Technik­kon­zept ist insgesamt jedoch plausibel. Lediglich die bo­den­nahe Luftzu­füh­rung birgt die Gefahr von Zu­ger­schei­nun­gen.
Im Bezug auf die Kennzahlen zur Wirtschaft­lich­keit liegt der Ent­wurf im mittleren Bereich. Der Anteil der Verkehrs­flä­chen ist al­ler­dings relativ hoch.
Die Jury würdigt diesen schön ausge­ar­bei­te­ten Beitrag trotz der be­schrie­be­nen Mängel besonders hinsicht­lich seiner guten ­städ­te­bau­li­chen Setzung und gestal­te­ri­schen Qualität.

 

Die Jury tagte am 19.07.2019 und setzte die Arbeit von Witt­foht Archi­tek­ten aus Stuttgart mit Glück ­Land­schafts­ar­chi­tek­ten aus Stuttgart einstimmig auf Rang 1.
Wittfoht Archi­tek­ten bda
Zur Uhlands­höhe 4
70188 Stuttgart
Deutsch­land
www.wittfoht-archi­tek­ten.com

Glück Landschafts­ar­chi­tek­tur
Ludwig­straße 57
70176 Stuttgart
www.glueck-la.de