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Karlsruhe: Hochbau

Gartenhalle

Anlass und Ziel des Wettbe­werbs
Die Garten­halle wurde 1990 als Ausstel­lungs­halle mit einer ebener­di­gen Netto­ge­schoss­flä­che von ca. 5800 m² gebaut und ist derzeit noch in Betrieb.
Der Festplatz mit seinen drei Spiel­stät­ten Schwarz­wald­halle, Konzert­haus und Stadthalle ist Ort der Kultur innerhalb der Stadt Karlsruhe. Am Standort Festplatz finden rund 300 Veran­stal­tun­gen jährlich statt, wovon rund 130 Fachkon­gresse und 80 Veran­stal­tun­gen im kultu­rel­len Bereich.

Das Badische Konser­va­to­rium in Karlsruhe verzeich­net einen hohen Fehlbedarf, der an den beiden jetzigen Standorten nicht gedeckt werden kann. Daher ist angedacht, die Nutzung an den jetzigen Standorten aufzugeben, und die Einrich­tung in die bestehende Garten­halle zu verlagern. Das geforderte Raumpro­gramm des Badischen Konser­va­to­ri­ums umfasst eine Gesamt­flä­che von ca. 3900 m².

Von den Wettbe­werbs­teil­neh­mern wurde die Erarbei­tung einer Haus-in-Haus-Lösung erwartet.
Die Ausloberin ging aus ökono­mi­schen und ökolo­gi­schen Gründen von einem Erhalt der beste­hen­den Garten­halle aus. Öffnungen oder Teila­brisse wurden jedoch nicht grund­sätz­lich ausge­schlos­sen. Es oblag den Teilneh­men­den hierfür nachvoll­zieh­bare Lösungen aufzu­zei­gen.

Dem Thema der Nachhal­tig­keit sowie der Raumakus­tik und des Brand­schut­zes wird besondere Bedeutung beige­mes­sen. Die erfor­der­li­che Haustech­nik soll integraler Bestand­teil einer energe­tisch nachhal­ti­gen Neuplanung werden.
Im Weiteren soll der Entwurf auf funktio­nale, wirtschaft­li­che und nachhal­tige Aspekte ausge­rich­tet sein, sowie durch seine gestal­te­ri­sche Qualität der neuen Nutzung gerecht werden.

In der Preis­ge­richts­sit­zung am 15.10.2013 wurden zwei 2. Preise sowie eine Anerken­nung vergeben:

 

Die Jury tagte am 15.10.2013 und vergab zwei 2. Preise:


fuchs.maucher.archi­tek­ten
Am Kraftwerk 4
79183 Waldkirch
+49(0)7681 493 699 0
info@f­mar­chi­tek­ten.de
www.fmarchi­tek­ten.de

de Archi­tek­ten Cie.
Keizersgracht 126
NL-1015 CW Amsterdam
+31(0)20 5309 300
arch@cie.nl
www.cie.nl

 

Auszüge aus den Beschrei­bun­gen der Sieger­ent­würfe

2. Preis: Fuchs Maucher Archi­tek­ten, Waldkirch
Die Frage, wie sich das Badische Konser­va­to­rium in die bestehende Garten­halle integrie­ren lässt, beant­wor­ten die Verfasser mit einem Verweis auf die Grund­struk­tur der Stadt: frei in das Hallen­ge­rüst einge­stell­te Holzkuben bilden Straßen und Wege, Plätze und Gassen aus, die ein lebendiges Bild dessen, was hier gelehrt und erlernt wird, wieder­zu­ge­ben scheinen. Mit diesem durchaus als poetisch erkannten Ansatz kommen die Bearbeiter der Intention der Ausloberin, die beste­hen­den Strukturen der Halle weitest­ge­hend zu erhalten und wirtschaft­lich optimal zu nutzen, nahe.
Bei der Betrach­tung der entwur­f­li­chen Durch­ar­bei­tung werden allerdings Defizite deutlich; diese liegen einerseits in dem Bemühen begründet, die Vorgaben der Auslobung bezüglich des Raumpro­gramms zu erfüllen, und sind somit vorwiegend techni­scher Art; anderer­seits vermögen es die Verfasser nicht in allen Bereichen, die selbst gesteckten Ziele zu erfüllen und baulich adäquat umzusetzen. Richtig und konse­quent erscheint die klare bauliche Trennung zwischen beste­hen­der Hülle und einge­stell­tem Gehäuse.
Die Umsetzung dieses ebenso einfachen wie klaren Ansatzes kann jedoch nicht durch­gän­gig befrie­di­gen. So werden ausrei­chend dimen­sio­nierte Foyer­flä­chen, insbe­son­dere vor den beiden Sälen, ebenso vermisst wie klare Aussagen zur techni­schen Ausführung der modularen Einbauten; die Wegefüh­rung erscheint willkür­lich und in Teilbe­rei­chen eher unzweck­mä­ßig; die lineare Reihung wider­spricht dem Charakter der Einzel­ku­ben, und die räumlichen Bezüge zwischen Galerie und Erdge­schoss bleiben vage. Die entschei­den­den Fragen der Haustech­nik, der Belichtung mit Tageslicht und des Brand­schut­zes werden nur ansatz­weise berührt; hier werden die Grenzen einer ´Haus-in-Haus-Lösung´ deutlich.

Auch die räumlichen Qualitäten der vorge­schla­ge­nen Anordnung der einzelnen Bausteine werden im Preis­ge­richt kontrovers diskutiert und allenfalls als exempla­ri­sche Möblierung gewertet. Dennoch lässt das atmosphä­risch dichte "Bild", das die Verfasser mittels des beige­füg­ten Erfah­rungs­be­rich­tes evozieren, das große archi­tek­to­ni­sche Potenzial des vorge­schla­ge­nen Lösungs­an­sat­zes erkennen.

Zu würdigen bleibt der Versuch, mit baulich einfachen Mitteln, unbescha­det der techni­schen Komple­xi­tät, eine Musik­schule zu schaffen, die aufgrund ihrer binnen­räum­li­chen Atmosphäre über die funktio­na­len Anfor­de­run­gen hinaus zum Erlebnis- und Erfah­rungs­raum werden kann für ihre jungen Benutzer.


2. Preis: De Archi­tek­ten Cie. Inter­na­tio­nal, Amsterdam
Die Verfasser schlagen vor, den Bestand der Garten­hal­le grund­sätz­lich zu erhalten. Der Haupt­zu­gang soll vom Festplatz aus erfolgen, der Eingang von der Ettlinger Straße soll als Neben­ein­gang in Saalnähe aber erhalten bleiben. Die Verlegung des Hauptein­gangs Festplatz ist nachvoll­zieh­bar, allerdings bleibt offen, ob der neue Haupt­zu­gang auch nach außen als bauliche Geste ausrei­chend nachvoll­zo­gen werden kann.

Es wird vorge­schla­gen, die Nutzungen in Blöcken zu konzen­trie­ren und im Bereich der Glasfassa­den anzuordnen. Dadurch wird ein hoher Tages­licht­an­teil in den Nutzflä­chen ermöglicht. Es entstehen im Innen­be­reich großzügige Freiflä­chen, allerdings können nicht alle Nutzflä­chen im Erdge­schoß angeordnet werden. Es wird deswegen vorge­schla­gen, einen Teil der Unter­ge­scho­ße­bene für die Nutzflä­chen hinzu­zu­zie­hen, sowie das Hallen­vo­lu­men in Teilen mehrge­schos­sig auszu­fül­len. Die tiefer liegenden Erschlie­ßungs­flä­chen werden durch eine großzü­gi­ge Freitreppe an die Erdge­scho­ße­bene angebunden und über große Decken­aus­schnitte belichtet. Die Tages­licht­qua­li­tät im Unter­ge­schoß wird diskutiert, die dort vorge­schla­ge­nen Nutzungen sind aber geeignet, mit einge­schränk­tem Tages­licht­be­zug auszu­kom­men. Ansonsten besticht der Entwurf durch die großzü­gi­gen Freiflä­chen, die auch für weitere Nutzungen zur Verfügung stehen könnten. Der Saal liegt konse­quen­ter Weise an der zentralen Freifläche.
Weniger verständ­lich ist, wieso die Verfasser ihr Konzept, den Bestand zu erhalten und die zur Verfügung stehenden Flächen großzügig zu nutzen, im nordöst­li­chen Hallen­seg­ment aufgegeben wird: Etwa ein Drittel der Hallen­flä­che wird hier abgerissen und in ähnlicher Kubatur wieder aufgebaut mit einem vergrö­ßer­ten Atriumhof um den geschütz­ten Kamin. Ebenso wird die Großzü­gig­keit der Freiflä­chen durch eine Erwei­te­rung der auszu­bau­en­den Kubatur in das Unter­ge­schoß teuer erkauft. Der Unterhalt der großen Flächen wird als entspre­chend aufwendig einge­schätzt.
In den räumlichen Darstel­lun­gen wird eine Ausbau- und Oberflä­chen­qua­li­tät darge­stellt, die den spezi­fi­schen, 'ruppigen' Charme der Halle verlässt und durch einen Ausbaustan­dard ersetzt, der als etwas beliebig und gesichts­los diskutiert wurde.

Mit dem Vorschlag gelingt es, die Nutzungen gut und großzügig unter­zu­brin­gen. Die Schwie­rig­keit der Aufgabe wird durch eine Kubatur und Erschlie­ßungs­flä­chen­an­teile gelöst, die weit über dem üblichen Maß liegen. Eine wirtschaft­li­che Erstellung und ein wirtschaft­lich verant­wort­ba­rer Betrieb werden deswegen in Frage gestellt.