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Karlsruhe: Bildung und Wissenschaft

Studenten- und Wissenschaftsstadt

Die zentrale Lage aller Hochschu­len macht die Innen­stadt nahezu als Campus wahrnehm­bar und verleiht ihr ein einzig­ar­ti­ges Flair. Auffallend ist auch die hohe Konzen­tra­tion wissen­schaft­li­cher Qualität, die einer mittleren Großstadt inter­na­tio­nale Klasse verleiht. Im Karlsruher Dozenten-Kader finden sich einige der bekann­tes­ten Wissen­schaft­ler Deutsch­lands etwa Wolfgang Rihm an der Hochschule für Musik oder Peter Sloterdijk an der Hochschule für Gestaltung.

Karlsruhe auf dem Weg zur Studen­ten­stadt und Wissen­schafts­stadt

Trotz dieser eindeu­ti­gen Datenlage wurde bis vor wenigen Jahren das wissen­schaft­li­che Potenzial im öffent­li­chen Leben nur am Rande wahrnehm­bar. Obwohl die Studie­ren­den einen Anteil von 12 % an der Bevöl­ke­rung ausmachen, wird der Begriff Studen­ten­stadt nur selten in Verbindung mit Karlsruhe genannt. Weder das wissen­schaft­li­che Potenzial noch die reiche studen­ti­sche Szene traten öffent­lich nennens­wert in Erschei­nung. Und dies, obwohl zahlreiche Analysen Karlsruhes Zukunfts­po­ten­zia­le sehr stark gerade mit Forschungs­ein­rich­tun­gen, Hochschu­len und innova­ti­ven Ausgrün­dun­gen verknüpft sehen.

Inzwischen hat sich das Bild deutlich gewandelt. 2005 wurde das Master­plan­pro­jekt "Studen­ten­stadt" beschlos­sen. Die für das gleiche Jahr erfolgte Bewerbung zur "Stadt der Wissen­schaft" sowie eine große Zahl von Projekten zur Studenten- und Wissen­schafts­stadt führten dazu, dass dieses Thema in der Kommu­nal­po­li­tik mittler­weile einen unbestrit­ten hohen Stellen­wert einnimmt. Ein GPS-Tracking hat im Jahr 2009 eindrucks­voll belegt, dass in Karlsruhe zwar kein typisches "Studen­ten­vier­tel" existiert. Statt­des­sen fungiert jedoch die gesamte Innenstadt als Studen­ten­vier­tel. 100 Studie­rende wurden bei diesem Tracking eine Woche mit einem GPS-Travel Rekorder ausge­stat­tet. Parallel dazu führten sie Protokoll, wo sie sich aufge­hal­ten haben und mit welchem Verkehrs­mit­tel sie unterwegs waren. Das verblüf­fen­de Ergebnis: Die festge­hal­te­nen GPS-Routen zeichneten den gesamten Innen­stadt­plan nach. Fast jede Straße wurde von den Studie­ren­den begangen oder befahren, ein deutlicher Schwer­punkt war nicht zu erkennen. Insofern ist es nicht erstaun­lich, wenn die Studie­ren­den in der Stadt nicht sehr auffallen, denn sie sind einfach überall.

Diese Analyse zeigt aber nicht nur die Durch­drin­gung der Stadt durch Studie­rende, sie widerlegt auch einige andere Vorurteile. So wurde festge­stellt, dass ca. 75 % aller Studie­ren­den die Stadt intensiv nutzen. Nur 25 % wurden als Zielpend­ler charak­te­ri­siert. Die Haupt­fuß­gän­ger­zone ist für das Mittages­sen bedeu­ten­der als die Hochschul­men­sen, öffent­li­che Freizeit- und Sport­an­ge­bote werden intensiv genutzt.

Aus den vielfäl­ti­gen Erkennt­nis­sen ließen sich konkrete Maßnahmen zur Weiter­ent­wick­lung des Projektes Studen­ten­stadt ableiten. Zentral war hierbei die Erwei­te­rung des Projektes zur Studenten- und Wissen­schafts­stadt. Mehr als 70 % aller Studie­ren­den nennen den Ruf der Hochschule als wichtigs­ten Grund für ein Studium in Karlsruhe. Bei 6 von 8 Hochschu­len ist das wissen­schaft­li­che Niveau ausschlag­ge­bend für die Studien­ort­wahl. Andere Gründe wie die Lebens­qua­li­tät in der Stadt oder die Nähe zum Herkunfts­ort spielen eine vergleichs­wei­se geringe Rolle. Auf dieser Basis ist es logisch ableitbar und auch im Sinne der Studie­ren­den, die Studen­ten­stadt mit der Wissen­schafts­stadt zu verbinden.

Das Master­plan­pro­jekt Studen­ten­stadt als Treiber für die Stadt­ent­wick­lung

Einen wesent­li­chen Meilen­stein markierte die Aufnahme des Projektes Studen­ten­stadt in den Masterplan der Stadt Karlsruhe. Hieraus resul­tie­rend hat die Stadt Karlsruhe, koordi­niert vom Stadt­mar­ke­ting, einen Lenkungs­kreis etabliert, der schwer­punkt­mä­ßig Projekte in folgenden vier Modulen initiiert und steuert: 1. Wohnen, 2. Studen­ti­sche Kultur, 3. Hochschu­len in der Stadt, 4. Potenziale, Alumni, Existenz­grün­der. In diesen Feldern wurden insgesamt fast 100 Projek­ti­de­en entwickelt. Sechs davon befinden sich in der Umset­zungs­phase, 13 weitere sollen in den nächsten Jahren angegangen werden. Die Erfah­run­gen der letzten Jahre haben gezeigt, dass die Steue­rungs­gruppe aus Vertretern der Hochschu­len, der Studen­ten­ver­tre­tun­gen und der Stadt wichtig für den Projek­ter­folg ist. Die Schwer­punkt­set­zun­gen der einzelnen Gruppie­run­gen gestalten sich dabei inhaltlich durchaus unter­schied­lich aus. So ist die Stadt vorwiegend an einer stärkeren Präsenz der Hochschu­len in der Öffent­lich­keit inter­es­siert, die Hochschu­len an der überre­gio­na­len Vermark­tung des wissen­schaft­li­chen Profils und die Studie­ren­den an einer Verbes­se­rung der studen­ti­schen Infra­struk­tur und der Lebens­be­din­gun­gen. Trotz dieser Inter­es­sen­lage hat sich ein konstruk­ti­ver Dialog entwickelt, bei dem Projekte für alle Aspekte entwi­ckelt werden.

Die aktive Bewerbung Studie­ren­der für einen Erstwohn­sitz in Karlsruhe erwies sich als weiterer wichtiger Motor für das Projekt Student­stadt. Die einzig­ar­tige Kampagne zielte von Anfang an nicht nur auf eine Erhöhung der Zahl der Erstwohn­sitze und damit der Einwohner­zahl sondern auch auf eine stärkere Identi­fi­ka­tion der Studi­en­an­fän­ger mit Karlsruhe. Insofern wurde bewusst nicht nur ein Gutschein­pa­ket entwickelt, sondern auch dessen Inhalte gezielt mit der Stadt verbunden. Auffäl­ligs­tes Merkmal ist eine Fahrr­ad­ver­lo­sung, bei der zwischen 2007 und 2010 insgesamt über 2.000 indivi­du­ell gestal­te­te sogenannte rote "Draisler" an die Gewinner ausge­ge­ben wurden. Das Fahrrad bot sich aus zwei Gründen an: Das Thema Fahrrad ist historisch in Karlsruhe verankert, denn Karl Drais, der Erfinder des Vorläufers unseres heutigen Fahrrades, ist hier geboren. Darüber hinaus ist das Fahrrad mit Abstand das belieb­teste Verkehrs­mit­tel unter Studie­ren­den, in der Studen­te­num­frage ergab sich bei der Verkehrs­mit­tel­wahl ein Anteil von 35 %. Die Insze­nie­rung der Fahrr­ad­ver­lo­sung zu einem Event ist nun zum sichtbaren Zeichen der Studen­ten­stadt geworden.

Ein weiteres Projekt im Rahmen der Studen­ten­stadt ist das Kultur­scheck­heft, das Gutscheine im Wert von ca. 500 EUR für Museen, Theater und Freizei­tein­rich­tun­gen enthält. Dieses Projekt wurde auf Basis der Studen­te­num­frage weiter optimiert, denn die Nutzung und Bekannt­heit der ca. 130 kultu­rel­len Einrich­tun­gen in Karlsruhe war unter Studie­ren­den relativ gering ausgeprägt. Wichtig für den Erfolg des Kultur­scheck­hef­tes war vor allem die Aufnahme von Kinos und Freizeit­bä­dern, um damit auch das Interesse bei denjenigen Studie­ren­den zu wecken, die nicht per se kultu­raf­fin sind. Die Auswir­kun­gen dieser geänderten Konzeption werden derzeit analysiert.

Das KIT als Faktor für die überre­gio­na­le Positio­nie­rung

Bundes­weite Aufmerk­sam­keit erlangte die Univer­si­tät Karlsruhe durch den Gewinn der Exzel­len­zi­ni­tia­tive im Jahr 2006. Als eine von drei deutschen Hochschu­len wurde sie als Eliteuni ausge­zeich­net. Der bereits zuvor hervor­ra­gen­de Ruf, manifes­tiert durch die Hervor­brin­gung von Nobel­preis­trä­gern und exzel­len­ten Forschungs­leis­tun­gen, bekam eine zusätz­li­che Dimension. Zwei Jahre später wurde die Fusion mit dem Forschungs­zen­trum Karlsruhe zum KIT vollzogen. Damit verbunden war eine deutlich stärkere mediale Aufmerk­sam­keit, die Zahl der überre­gio­na­len Presse­ar­ti­kel zum KIT verdop­pelte sich. Inter­essant für die Stadt­ent­wick­lung war hierbei die inhalt­li­che Ausrich­tung des KIT, das sich in Orien­tie­rung zum MIT in Cambridge einerseits in den MINT-Fächern profiliert und hierbei weltweite Vernet­zun­gen pflegt, anderer­seits das Thema der wissen­schaft­li­chen Verant­wor­tung, die Technik­fol­gen­ana­lyse und hier die Schnitt­stel­len zu den Geistes­wis­sen­schaf­ten im Zentrum sieht.

Auf dem Weg zu weiterer Vernetzung der Hochschu­len und der Stadt

Dieser Fokus entspricht den Schwer­punk­ten der Stadt, die sich einerseits mit innova­ti­ven Techno­lo­gien profi­lie­ren will, anderer­seits Schwer­punkte in Kunst, Kultur und demokra­ti­schen Insti­tu­tio­nen sieht. Hieraus leitet sich auch ab, dass das Wissen­schafts­büro der Stadt sich schwer­punkt­mä­ßig in der Koordi­na­tion hochschul­über­grei­fen­der Projekte sieht. Wenn auch ca. 60 % aller Studie­ren­den am KIT sind, so ergibt sich die Vielfalt der studen­ti­schen Szene nicht unwesent­lich aus der Verknüp­fung zwischen den 8 Hochschu­len von Karlsruhe. Gerade in der Verknüp­fung von Wissen­schaf­ten verschie­de­ner Hochschu­len, von fachbe­reichs­über­grei­fen­den inter­dis­zi­pli­nären Projekten ergeben sich neue Impulse. Beispiel­haft sei der Fachbe­reich Musik­in­for­ma­tik genannt, in dem die Hochschule für Musik gemeinsam mit der Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft kooperiert. Oder ein Projekt des Stadt­mar­ke­tings zur Gestaltung von Bauzäunen im öffent­li­chen Raum, bei dem unter anderen der Fachbe­reich Archi­tek­tur des KIT mit dem Fachbe­reich Produkt­de­sign der HfG Gestal­tungs­vor­schlä­ge erarbeitet. Es hat sich gezeigt, dass die Koope­ra­tion von Hochschu­len immer dann zu guten Ergeb­nis­sen führt, wenn jede der betei­lig­ten Insti­tu­tio­nen einen eigen­stän­di­gen Zusatz­nut­zen für das Projekt beisteuern kann. Wenn das spezi­fi­sche Know-how aller betei­lig­ten Partner gebraucht wird.
In diesem Sinne ist es ein großes Ziel, im Jahr 2013 ein neuartiges und überre­gio­na­les Wissen­schafts­fes­ti­val für Karlsruhe zu etablieren, bei dem verschie­dene Hochschu­len ihren Beitrag zur Wissen­schafts­kom­mu­ni­ka­tion leisten. Hierzu finden derzeit die Abstim­mun­gen zwischen den wichtigs­ten wissen­schaft­li­chen Insti­tu­tio­nen statt. Aktuell gibt es mehr als 30 Formate, von der langen Nacht der Mathematik, über die Kinderuni bis zum Tag der offenen Tür, an denen Wissen­schaft in Karlsruhe öffentlich wird. Nun sollen aber nicht nur viele dieser Formate unter dem Dach eines übergrei­fen­den Festivals zusam­men­ge­fasst werden, sondern es soll alle zwei Jahre ein wissen­schaft­li­ches Thema hochschul­über­grei­fend öffentlich inszeniert werden. Ein erster Schritt hierzu war die Bewerbung zur "Stadt der jungen Forscher", in der für das Thema Mobilität viele Schüler­la­bore und andere Akteure ein Programm zusam­men­ge­stellt haben. Der Einzug ins Finale der letzten Drei hat Karlsruhe motiviert, sich für 2012 erneut zu bewerben. Ein anderes Beispiel für die Insze­nie­rung der Wissen­schaft stellt das FameLab Baden-Württem­berg dar, bei dem im Frühjahr 2011 in Karlsruhe der landes­weite Wettbewerb in wissen­schaft­li­cher Kurzkom­mu­ni­ka­tion statt­fin­det.

Fazit: Die Wissen­schafts­stadt als Indivi­dual­lö­sung für Karlsruhe

Insgesamt zeigt sich, dass für Karlsruhe ein sehr spezi­fi­scher Weg entwickelt wurde, um Hochschu­len, Wissen­schaft und Stadt zusam­men­zu­brin­gen, mit dem gemein­sa­men Ziel, die Wettbe­werbs­fä­hig­keit des Standortes durch die Nutzung der wissen­schaft­li­chen Potenziale zu steigern. Folgende fünf Beson­der­hei­ten lassen sich abschlie­ßend zusam­men­fas­sen: Erstens, dass eine große Zahl sehr verschie­de­ner Einrich­tun­gen im Stadt­zen­trum liegt und damit optimale Voraus­set­zun­gen für die gegen­sei­ti­ge Vernetzung zwischen den Einrich­tun­gen und mit der Stadt gegeben sind. Zweitens bieten viele Einrich­tun­gen Studien­gänge, die Forschung und Innovation verbinden und damit einen fließenden Übergang von den Hochschu­len in Unter­neh­men und Unter­neh­mens­grün­dun­gen erlauben. Drittens gibt es zahlreiche Insti­tu­tio­nen und Formate, die bereits sehr stark an der Schnitt­stelle zwischen Hochschu­len und Stadt bzw. in der öffent­li­chen Wissen­schaft wirken. Viertens fehlen in Karlsruhe bisher im überre­gio­na­len Vergleich symbol­hafte starke Zeichen für die Wissen­schafts­stadt. Insofern wird intensiv an einem Wissen­schafts­fes­ti­val und weiteren Projekten mit Symbol­wir­kung gearbeitet. Fünftens wird Karlsruhe zwar nicht zu einer reinen Studen­ten­stadt, doch versteht es die Stadt als Aufgabe, dem aufgrund des inter­na­tio­na­len Maßstabes bei der Bewerbung um Studie­rende und Mitar­bei­ter wachsenden Anspruchs gerecht zu werden. In Karlsruhe soll nicht nur das KIT sondern auch die Stadt als exzellent wahrge­nom­men werden.