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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Auseinandersetzung mit der Geschichte

INFORMATIONEN über die Verbrechen der 35. Infanteriedivision: OB Frank Mentrup (links) und Alt-OB Heinz Fenrich enthüllen im Beisein von Stadträten die Stele. Foto: jodo

INFORMATIONEN über die Verbrechen der 35. Infanteriedivision: OB Frank Mentrup (links) und Alt-OB Heinz Fenrich enthüllen im Beisein von Stadträten die Stele. Foto: jodo


 

Stele weist auf Verbrechen der 35. Infan­te­rie­di­vi­sion hin. Gräuel­ta­ten beim Rückzug aus Weißruss­land


Gedenk­stein steht unter Denkmal­schutz

Von unserer Mitar­bei­te­rin Martina Erhard

Seit 1964 gibt es in Karlsruhe einen Gedenk­stein für die 35. Infan­te­rie­di­vi­sion, die in Karlsruhe statio­niert und im Zweiten Weltkrieg unter anderem an den Angriffen auf Belgien, Frankreich und die Sowje­tu­nion beteiligt war. Um den Stein nicht unkom­men­tiert im öffent­li­chen Raum zu belassen, wurde gestern auf dem Grünstrei­fen zwischen der Südlichen und Nördlichen Hilda­pro­me­na­de neben dem Gedenk­stein eine Stele enthüllt, auf der Passanten Infor­ma­tio­nen über die Gräuel­ta­ten der Division nachlesen können. "Die Verbrechen der 35. Infan­te­rie­di­vi­sion wurden lange nicht zur Kenntnis genommen", so Oberbür­ger­meis­ter Frank Mentrup, der die Stele zusammen mit Alt-OB Heinz Fenrich enthüllte. "Mit dieser Stele wollen wir ein Zeichen setzen und gleich­zei­tig das Angebot machen, sich mit der Geschich­te ausein­an­der­zu­set­zen", meinte Mentrup und erklärte, dass sich die Stadt von der in den 1960er Jahren erteilten Geneh­mi­gung für den Gedenk­stein distan­ziere. "Wir lehnen heute den milita­ris­ti­schen Geist, der von ihm ausgeht, ab." Eine Entfernung des Steins sei jedoch aufgrund des Denkmal­schutz­ge­set­zes nicht möglich.

Über Jahrzehnte war der Gedenk­stein nicht beachtet worden. Stadträte der Linken hatten aufgrund einer Anregung auswär­ti­ger Besucher schließ­lich im Gemein­de­rat den Antrag gestellt, das Denkmal entfernen zu lassen. Die Fraktionen fassten jedoch den Entschluss, das Stadt­ar­chiv mit Recherchen über die 35. Infan­te­rie­di­vi­sion zu beauf­tra­gen. Im November 2014 fand zu diesem Zweck ein Symposion statt. Aus dessen Mitte kam der Vorschlag für die kommen­tie­rende Stele, die über die Kriegs­ver­bre­chen der Division informiert. So erfährt man unter anderem, dass die Einheit im März 1944 bei ihrem Rückzug aus Weißruss­land etwa 45 000 Zivilis­ten bei Minus­gra­den in ein Sumpf­ge­biet getrieben hat. Mindestens 9 000 dieser Menschen kamen dabei ums Leben.

Es sei gut, solche Gedenk­steine, die mitten in der Stadt stünden, zu kommen­tie­ren und den Passanten wichtige Infor­ma­tio­nen an die Hand zu geben, sagte Ernst Otto Bräunche, Leiter des Stadt­ar­chivs. Es sei aller­dings nicht reali­sier­bar, alle Krieger­denk­mä­ler zu kommen­tie­ren, so wie dies teilweise gefordert werde.

Badische Neueste Nachrich­ten | Karlsruhe | KARLSRUHE | 28.01.2016