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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Bei Holocaust-Veranstaltung Wohnungslosen gedacht

Stadt­zei­tung vom 30. Januar 2009

Alljähr­lich andere Gruppe von Nazi-Opfern Thema

(erg) Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernich­tungs­la­ger Auschwitz-Birkenau. Bundes­prä­si­dent Roman Herzog rief den 27. Januar 1996 zum Holocaust-Gedenktag aus, seit 2005 ist diese auch der inter­na­tio­nale, von den Vereinten Nationen so bestimmte Tag zum Gedenken an die natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Untaten.

Auch in Karlsruhe gibt es alljähr­lich an diesem Tag Gedenk­ver­an­stal­tun­gen. Direkt am Dienstag, 27. Januar, berichtete die Leiterin des Durlacher Pfinz­gau­muse­ums, Dr. Anke Mührenberg, darüber, wie sich jüdisches Leben über die Jahrhun­derte in Grötzingen und Durlach entwi­ckelte, bis hin zur Depor­ta­tion 1940 ins südfran­zö­si­sche Lager Gurs.

Zur offizi­el­len Veran­stal­tung der Stadt Karlsruhe kam der Kasseler Professor Dr. Wolfgang Ayaß am Mittwoch­abend in die Erinne­rungs­stätte im Ständehaus. Das Stadt­ar­chiv, die Sozial- und Jugend­be­hörde und der Verein SOZPÄDAL zeigen dort bis zum 14. Februar die Ausstel­lung "Wohnungs­lose im Natio­nal­so­zia­lis­mus" der Bundes­ar­beits­ge­mein­schaft Wohnsitz­lo­sen­hilfe, die Ayaß im Wesent­li­chen gestaltet hat.

Die Karlsruher Veran­stal­ter haben die Schau um lokale Aspekte angerei­chert. Diese Tafeln - unter anderem mit einer "under-cover"-Reportage einer Nacht in einer Karlsruher Wander­her­berge kurz vor der Nazi-Herrschaft - stehen in der Rotunde im Erdge­schoss, die sonstige Ausstel­lung im zweiten Unter­ge­schoss.

OB Heinz Fenrich wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass sich Karlsruhe an diesem Tag stets einer bestimm­ten Opfer­gruppe erinnert. Diesmal geht es um Opfer, die auch heute noch weitgehend nicht als solche anerkannt werden und die auch kaum Entschä­di­gungs­zah­lun­gen erhalten hatte. Ayaß bestätigte dies.

Der Gastredner bedankt sich zunächst dafür, dass die Ausstel­lung nach rund 50 Stationen zum ersten Mal vom Stadt­ober­haupt eröffnet wurde und dass örtliche Veran­stal­ter erstmals lokale Ergän­zun­gen einge­bracht haben.

Er berichtete darüber, dass zwischen 1933 und 1938 mehrere reichs­weite Razzien gegen "Asoziale" durch­ge­führt wurden, wobei es allerdings nie eine gültige und abschlie­ßen­de Definition dieses Begriffes gegeben hat. Bettler, Landstrei­cher, Alkohol­kranke, Prosti­tu­ierte "und andere" seien Asoziale gewesen. Es blieb letztlich der Willkür den Beamten der Gestapo und vor allem der Krimi­nal­po­li­zei überlassen, festzu­le­gen, wer asozial war.

Nach kurzer Haft drohte den Betref­fen­den Einweisung in Arbeits­häu­ser. Dies galt bereits seit 1871, aller­dings haben die Nazis die Zeitbe­gren­zung auf zwei Jahre abgeschafft, was in vielen Fällen lebens­läng­lich gleich kam. Bald saßen die Asozialen aber in den KZ, überfüll­ten diese Lager sogar. Bis zu 10.000 Opfer dieser Art saßen in den KZs, stellten zeitweise sogar die Mehrzahl der KZ-Insassen.

 

Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe