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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Holocaust-Gedenktag zu jüdischem Kinderheim Izieu

Stadt­zei­tung vom 5. Februar 2010

Bilder gingen unter die Haut

(erg) Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Rote Armee das natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Vernich­tungs­la­ger Auschwitz. Bundes­prä­si­dent Roman Herzog erklärte 1996 den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Seit 2005 ist der Tag auch für die Vereinten Nationen der Holocaust-Gedenktag.

Alljähr­lich veran­stal­tet die Stadt Karlsruhe Feiern zur Erinnerung an die Gräuel­ta­ten des nazis­ti­schen Regimes und zum Gedenken an die Opfer - die Toten wie die Überle­ben­den. Thema war in diesem Jahr ein jüdisches Kinderheim im ostfran­zö­si­schen Ort Izieu, in dem auch der in Karlsruhe geborene und seit 1988 stets tätige Zeitzeuge Paul Niedermann für kurze Zeit unter­ge­kom­men war, bis er in die Schweiz geschmug­gelt werden konnte.

Die Leiterin der Gedenk­stätte "Maison d'Izieu", Kathel Houzé, schilderte das Leben in dem Heim, das 1944 von den Nazis gestürmt wurde. Alle 44 Kinder, die dann noch im Heim waren, sowie ihre Lehrer und Erzieher wurden in die Vernich­tungs­la­ger im Osten deportiert und dort ermordet.

Wenige Tage vor der Razzia entstanden Fotos von allen Kindern - fröhlich und unbeschwert spielend. Diese Bilder gingen den Besuchern der Veran­stal­tung im Stände­haus­saal unter die Haut.

Kathel Houzé berichtete auch von dem Lager Rivesaltes in den Ostpy­re­näen. Dorthin kamen Gefangene aus dem Lager Gurs, als es überfüllt war. In Gurs waren mehr als 6.000 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland interniert, unter ihnen knapp 1.000 aus Karlsruhe, auch Paul Niedermann. Wenige überlebten.

Niedermann selbst schilderte an dem Abend, wie es ihm ab 1988 plötzlich möglich war, über seine Erlebnisse zu berichten, nachdem ihm der Staats­an­walt im Lyoner Prozess gegen Klaus Barbie als Zeugen alles heraus gekitzelt hatte.

"Das war meine Therapie", sagt Niedermann noch heute. Seither steht der mittler­weile 82-Jährige in Deutsch­land und Frankreich und bis vor einiger Zeit auch in den USA als Zeitzeuge zur Verfügung. Derzeit entsteht beim Stadt­ar­chiv ein Buch mit Briefen, die Nieder­manns Familie aus den Lagern geschrie­ben hat.

OB Heinz Fenrich eröffnete zugleich eine Ausstel­lung des Stadt­ar­chivs Mannheim über das Heim in Izieu. Sie schildert den Weg junger Mannheimer Juden über Izieu nach Auschwitz und ist noch bis zum 27. März zu den üblichen Öffnungs­zei­ten der Stadt­bi­blio­thek zu sehen.

 

Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe