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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Modell erinnert an altes Ständehaus

Das Infor­ma­ti­ons­sys­tem in der Erinne­rungs­stätte wurde überar­bei­tet

Badische Neueste Nachrich­ten, 30.11.2012

 

DAS MODELL des alten Ständehauses betrachteten bei der offiziellen Vorstellung<br />Volker Steck, Wolfram Jäger und Ernst Otto Bräunche. Foto: jodo

DAS MODELL des alten Ständehauses betrachteten bei der offiziellen Vorstellung
Volker Steck, Wolfram Jäger und Ernst Otto Bräunche. Foto: jodo


 

eki. So sah also das Ständehaus früher aus. In der Rotunde des neuen Stände­hau­ses steht im Erdge­schoss nun ein Modell des alten Stände­hau­ses und vermittelt einen anschau­li­chen Eindruck von den Dimen­sio­nen und der Archi­tek­tur des von Friedrich Weinbren­ner und Friedrich Arnold entwor­fe­nen Parla­ments­ge­bäu­des. Von 1822 bis 1933 beher­bergte das alte Ständehaus den badischen Landtag und galt als Wahrzei­chen der deutschen Demokratie.

Diese und weitere Infor­ma­tio­nen finden geschicht­lich inter­es­sierte Bürger auch an den beiden Medien­sta­tio­nen im ersten Unter­ge­schoss. Die dort aufbe­rei­te­ten Inhalte sind Teil des überar­bei­te­ten Infor­ma­ti­ons­sys­tems der Dauer­aus­stel­lung in der Erinne­rungs­stätte Ständehaus. Am Mittwoch­abend wurden das Stände­haus­mo­dell und die Medien­sta­tio­nen an ihrem jeweils neuen Standort von Bürger­meis­ter Wolfram Jäger und Stadt­ar­chiv­di­rek­tor Ernst Otto Bräunche offiziell vorge­stellt.

Jäger regte an, die Erinne­rungs­stätte in den kommenden Jahren sukzessive weiter auszubauen. "Wenn wir am 22. August 2018 den 200. Jahrestag des Erlasses der badischen Verfassung und 25 Jahre Erinne­rungs­stätte Stände­haus feiern, dann wäre dies aus meiner Sicht ein sehr guter Termin, an dem die Neuauf­stel­lung der Erinne­rungs­stät­te Ständehaus abgeschlos­sen sein sollte", so Jäger.

Das an den Medien­sta­tio­nen abrufbare Infosys­tem Ständehaus wurde bereits in den vergan­ge­nen Monaten von Volker Steck vom Stadt­ar­chiv runder­neu­ert und bietet nun einen ganzen Strauß voller histo­ri­scher Daten und Fakten rund um die badische Geschichte im 19. und 20. Jahrhun­dert. Der histo­ri­sche Bogen spannt sich von den prägenden Köpfen der badischen Revolution über die geschicht­sträch­ti­gen Orte bis zu digital aufge­ar­bei­te­ten zeitge­schicht­li­chen Dokumenten. Als besonderes Schmankerl können noch ein Dutzend Kurzfilme angeschaut werden, thematisch setzen sich die Streifen mit der Geschichte und der Bauge­schichte des Parlaments, den Revolu­tio­nen von 1848/49 und 1918/19, der Zerstörung und dem endgül­ti­gen Abriss des alten Stände­hau­ses sowie dem Bau des neuen Stände­hau­ses ausein­an­der. In seinem Festvor­trag "Ganz Deutsch­land schaute einst hierher" widmete sich Bräunche auch der Stände­h­aus­ge­schichte nach 1945. In seinem mit vielen Zitaten aus BNN-Artikeln garnierten Vortrag skizzierte Bräunche den verän­der­ten Umgang mit Kultur­denk­mä­lern im Laufe der vergan­ge­nen 65 Jahre.

Bei Luftan­grif­fen während des Zweiten Weltkriegs wurde das ehemalige Parla­ments­ge­bäude schwer beschädigt. Im Zuge der Flächensa­nie­rung und des Wieder­auf­baus wurde die Stände­haus­ruine 1961 schließ­lich endgültig abgerissen. Auf einem Teil des Geländes wurde 1979 das katho­li­sche Dekanat­s­zen­trum St. Stephan erbaut.

Das letzte Drittel wurde noch über zehn Jahre als Parkplatz genutzt, bis der Gemein­de­rat 1991 den Bau eines neuen Stände­hau­ses beschloss. 1993 wurde das vom Archi­tek­tur­büro Planfabrik entworfene Bauwerk mit der charak­te­ris­ti­schen Rotunde offiziell seiner Bestim­mung übergeben. "Aus heutiger Sicht war der Abriss sicher­lich ein Fehler", blickte Bräunche zurück. Aber in den 1960er-Jahren hatten die Leute andere Priori­tä­ten und der Wieder­auf­bau stand im Vorder­grund. Lediglich das Landes­denk­mal­amt habe seinerzeit Bedenken gegen den Abriss geäußert und einen Nachbau des alten Parla­ments­ge­bäu­des angeregt. "Leider wurden diese Ideen von Stadt und Land überstimmt", so Bräunche. In der Bevöl­ke­rung wurde die Abriss­ent­schei­dung weitge­hend akzeptiert, es habe nur wenig Protest gegeben.

In den 1980er-Jahren wurden dann zwar Rufe nach einem Bau des Stände­hau­ses nach den Origi­nal­plä­nen laut, betonte Bräunche, doch diese wurden wegen des dafür notwen­di­gen Abriss des Dekanat­s­ge­bäu­des schnell verworfen. Den Stände­haus­neu­bau hält der Chef des Stadt­ar­chivs für gelungen, selbst wenn es zum Thema Archi­tek­tur stets viele verschie­dene Meinungen gebe.