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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Gegen das Vergessen

sl. "In unserem Jahrhun­dert sind die Märtyrer zurück­ge­kehrt." So hat es der frühere Papst Johannes Paul II. gesagt. Er meinte damit, dass - ähnlich wie in der Frühzeit der Kirche - auch im 20. Jahrhun­dert vielfach Christen aufgrund ihres Glaubens ums Leben kamen. Seiner Kirche gab der Papst den Auftrag, dieser Märtyrer zu gedenken und ihre Lebens­läufe zu dokumen­tie­ren. Hierzu­lande übernahm der Kölner Prälat Helmut Moll diese Aufgabe und legte ein deutsches Märty­rer­ver­zeich­nis vor. Jetzt war er zu einem Vortrag im Karls­ru­her Ständehaus zu Gast, eingeladen hatten das Stadt­ar­chiv und das Roncalli-Forum.

Mehr als zehn Jahre arbeitete Helmut Moll bei der vatika­ni­schen Kongre­ga­tion für Selig- und Heilig­spre­chun­gen. Diesen Dienst gab er 1995 für die Arbeit am deutschen "Marty­ro­lo­gium des 20. Jahrhun­derts" auf. Die Lebens­bil­der von mehr als 900 Blutzeugen stellten Moll und seine Mitar­bei­ter in zwei dicken Bänden zusammen. Inzwischen ist das Werk bereits in der fünften Auflage erschienen - und mit jedem Mal meldeten sich neue Zeitzeugen, die Angaben zu weiteren Märtyrern machten.

Aufge­nom­men wurden vor allem Blutzeugen, die der Hitler­dik­ta­tur und dem Kommu­nis­mus zum Opfer fielen. Darunter sind bekannte Namen wie etwa der selig­ge­spro­chene Rupert Mayer oder der ebenfalls selige "Löwe von Münster", Kardinal Clemens August Graf von Galen. Auch evange­li­sche Christen sind verzeich­net, wie etwa Dietrich Bonhoeffer oder Hans und Sophie Scholl. Die meisten Märtyrer dürften freilich den Wenigsten nament­lich bekannt sein. Für Helmut Moll steht aber fest: "Auch sie haben das Recht, dem Vergessen entrissen zu werden."

Dass es so viele unbekannte Namen sind, widerlegt für den Kölner Prälaten ein verbrei­te­tes Vorurteil zur Rolle der Kirche im Natio­nal­so­zia­lis­mus. "Nach unserer Forschung kann man nicht mehr sagen, dass die Katho­li­ken nichts für die Juden getan hätten", so der Theologe und Historiker. Er habe beispiels­weise ermittelt, dass zwei Drittel aller Priester mit dem Hitler-System in irgend­ei­ner Form in Konflikt geraten seien, wozu er freilich auch Verwar­nun­gen und Verhöre zählt. Bei seinem Vortrag im Ständehaus ging Helmut Moll auch auf Märtyrer ein, die einen Bezug zu Karlsruhe hatten. Auch aus der regionalen Perspek­tive nannte er einer­seits Persön­lich­kei­ten, die weithin im Gedächtnis der Öffent­lich­keit sind - wie Reinhold Frank und Max Joseph Metzger. Anderer­seits gelte auch auf dieser Ebene: "Es gibt andere, die ihnen im Bezug auf Widerstand um nichts nachstehen."

Presse­be­richt aus den Badischen Neuesten Nachrich­ten vom 25. Oktober 2013