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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Geschichte des Ständehauses

Im Großher­zog­tum Baden vollzog sich im 19. Jahrhun­dert die Formu­lie­rung und Reali­sie­rung demokra­ti­schen Gedan­ken­guts am schnells­ten und nachhal­tigs­ten. Voraus­set­zung und Grundlage dieser Entwick­lung war letztlich der Erlass der badischen Verfassung. Mit Recht wird diese Verfassung von 1818 als die freiheit­lichste des deutschen Frühkon­sti­tu­tio­na­lis­mus bezeichnet. Heute gültige demokra­ti­sche Normen formu­lier­ten die Abgeord­ne­ten der Zweiten Kammer des badischen Landtags. Von Karlsruhe aus wirkten diese Debatten in die anderen deutschen Länder hinein und fanden auch im Ausland nachhal­tige Beachtung.

Hiermit verbunden sind Namen wie Karl v. Rotteck und Karl Theodor Welcker, später auch Ludwig Frank, Wilhelm Kolb und Oskar Muser. Die Diskus­sio­nen u. a. um die Schaffung einer volks­tüm­li­chen Justiz, um die Abschaf­fung der Fron und des Zehnt und die Anerken­nung der Presse­frei­heit machten das Karlsruher Ständehaus zur "Vorschule des Parla­ments", "die Tribüne der Zweiten Kammer stand oft stell­ver­tre­tend für das fehlende deutsche Parlament".

Die Zweite Kammer tagte zunächst im großher­zog­li­chen Schloss und in einem Haus am Rondell­platz, dann von 1822 bis 1933 in dem von dem Weinbren­ner-Schüler Friedrich Arnold fertig gestellten Ständehaus in der Ritter­straße, dem ersten deutschen Parla­ments­ge­bäude. Schon bald nach der so genannten natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Machter­grei­fung war das Schicksal des Landtags besiegelt. Noch im Jahr 1933, am 9. Juni, schaltete sich der Landtag durch die Annahme des badischen Ermäch­ti­gungs­ge­set­zes selbst aus. Am 30. Januar 1934 wurde er durch das Reichs­ge­setz über den "Neuaufbau der Länder" aufgehoben.

In dem von dem natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­land begonnenen Zweiten Weltkrieg wurde das Ständehaus 1944 bei Luftan­grif­fen schwer getroffen und brannte bis auf die Grund­mau­ern aus. Da das Land Baden in der Nachkriegs­zeit im Zuge der Länder­neu­glie­de­rung nicht wieder­her­ge­stellt wurde, erübrigte sich der Wieder­auf­bau des Stände­hau­ses als Landtags­ge­bäude. Andere Lösungen wurden zwar diskutiert, aber nicht realisiert, so dass die Stände­haus­ruine 1961/62 abgerissen wurde. Erst 1979 entstand auf dem größeren Teil des Grund­stückes das katho­li­sche Dekanat­s­zen­trum St. Stephan. Das verblei­bende Drittel des Stände­h­aus­grund­stücks wurde weiterhin als Parkplatz genutzt, ehe 1987 eine intensive Diskussion über dessen Nutzung einsetzte. Das Ergebnis dieser Diskussion war schließ­lich der Bau des "Neuen Stände­hau­ses" mit Stadt­bi­blio­thek und "Erin­ne­rungs­stätte Stände­haus", Tradition und Gegenwart unter einem Dach.

 

Ständehaus, um 1840. StadtAK 8/PBS oXIVa 1241

Ständehaus, um 1840. StadtAK 8/PBS oXIVa 1241


Sitzungssaal der II. Kammer, 1845. StadtAK 8/PBS XIVa 484

Sitzungssaal der II. Kammer, 1845. StadtAK 8/PBS XIVa 484


Sitzungssaal der I. Kammer, 1911. StadtAK 8/PBS oXIVa 1256

Sitzungssaal der I. Kammer, 1911. StadtAK 8/PBS oXIVa 1256


Die Ständehausruine kurz vor dem Abbruch im November 1961. StadtAK 8/BA Schlesiger

Die Ständehausruine kurz vor dem Abbruch im November 1961. StadtAK 8/BA Schlesiger