Sprung zur Navigation. Sprung zum Inhalt.

Karlsruhe: Stadtgeschichte

Stätten der Demokratie in Karlsruhe

Die ehemalige Haupt- und Residenz­stadt Karlsruhe ist aufgrund der am 22. August 1818 erlassenen badischen Verfassung und der Ansiedlung der höchsten Gerichte ein zentraler Ort deutscher Demokra­tie­ge­schichte. Die badische Verfassung von 1818 wird als die freiheit­lichs­te des deutschen Frühkon­sti­tu­tio­na­lis­mus bezeichnet. Sie war Voraus­set­zung dafür, dass Baden zu dem Land wurde, in dem im 19. Jahrhun­dert liberales und demokra­ti­sches Gedan­ken­gut am schnells­ten und nachhal­tigs­ten Fuß fasste. Kristal­li­sa­ti­ons­punkt dieser Entwick­lung wurde das 1822 einge­weihte badische Ständehaus, das erste eigens für diesen Zweck neu errichtete deutsche Parla­ments­ge­bäude. An diese Tradition knüpfte die Bundes­re­pu­blik mit der Ansiedlung ihrer obersten Gerichte an.

Informationen zur Straße der Demokratie

 

Ständehaus

Das Ständehaus war das erste für diesen Zweck neu errichtete Parla­ments­ge­bäude in Deutsch­land. Es gilt als eine Wiege der deutschen Demokratie. Das Gebäude mit Rotunde wurde 1822 von Friedrich Arnold gebaut und blieb bis 1933 Sitz des badischen Landtags. Heute gültige demokra­ti­sche Normen formu­lier­ten die Abgeord­ne­ten im badischen Landtag, in der Zweiten Kammer. Von Karlsruhe aus wirkten diese Debatten in die anderen deutschen Länder hinein und fanden auch im Ausland nachhal­tige Beachtung. Bei einen Luftan­griff 1944 wurde das Gebäude stark beschädigt, die Ruine 1963 abgerissen. 1993 entstand auf einem Teil des Areals das Neue Ständehaus, das sich durch die Übernahme der Rotunde archi­tek­to­nisch an das alte Ständehaus anlehnt. Es beherbergt die Stadt­bi­blio­thek und die Erinne­rungs­stätte Ständehaus, in der die badische Parla­ments­ge­schichte in einer Dauer­aus­stel­lung und über ein multi­me­dia­les Infor­ma­ti­ons­sys­tem präsen­tiert wird.

 

Neues Ständehaus mit der Erinnerungsstätte Ständehaus, 1993. <br />Foto: onuk

Neues Ständehaus mit der Erinnerungsstätte Ständehaus, 1993.
Foto: onuk


 

Rathaus

Nach den Plänen des badischen Oberbau­di­rek­tors Friedrich Weinbren­ner wurde das Rathaus 1805 bis 1825 im Stil des badischen Klassi­zis­mus erbaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde es bei einem Luftan­griff zerstört, 1948 bis 1955 wieder aufgebaut. Demokra­tie­ge­schicht­lich bedeutsam war das Rathaus 1849, als es für wenige Wochen Regie­rungs­sitz der badischen Republik wurde. Lorenz Brentano sprach vom Rathaus­bal­kon zu der auf dem Marktplatz zusam­men­ge­ström­ten Menge. 1918 tagte hier die Vorläufige Badische Volks­re­gie­rung, die im Zuge der Revolution die Regie­rungs­ge­walt übernommen hatte. Heute tagt hier der Gemein­de­rat.

 

Das Rathaus, 2006.<br />Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe

Das Rathaus, 2006.
Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe


 

"Verfas­sungs­säu­le" auf dem Rondell­platz

Dieser 7,8 Meter hohe und von badischen Greifen flankier­te Obelisk aus rotem Sandstein wurde im Auftrag der Stadt Karlsruhe von 1822 bis 1827 nach den Entwürfen Friedrich Weinbren­ners errichtet und Großherzog Karl (1786 -1818) gewidmet. Das Bildnis Großherzog Karls und die Inschrift "Dem Gruender der Verfassung die dankbare Stadt Carls­ru­he" sind darauf zu erkennen.

Die badische Verfassung von 1818 schrieb einen Landtag mit zwei Kammern vor, so dass nun auch die Staats­bür­ger an der politi­schen Willens­bil­dung beteiligt waren. Sie garan­tierte erstmals bürger­li­che Grund­rechte wie Gleichheit vor dem Gesetz, Schutz von Eigentum und persön­li­cher Freiheit. Die Verfassung von 1818 schuf damit in Baden eine für die damalige Zeit sehr liberale Gesell­schafts­ord­nung.

 

Der Rondellplatz, 2006. <br />Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe

Der Rondellplatz, 2006.
Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe


 

Kaiser-Wilhelm I.-Denkmal
und Denkmal für die 1849 hinge­rich­te­ten Revolu­tio­näre

Das Denkmal für Kaiser Wilhelm I. steht seit 1897 am westlichen Ende der schon 1879 zu seinen Ehren in Kaiser­straße umbenann­ten Langen Straße. Das Reiter­denk­mal gewinnt Bedeutung für die Demokra­tie­ge­schichte durch die 2002 hinzu­ge­füg­te Kommen­tie­rung in Form von 27 Granit­ta­feln, die östlich des Denkmals halbkreis­för­mig in den Boden einge­las­sen wurden. Sie tragen die Namen der badischen und pfälzi­schen Revolu­tio­näre von 1849, die nach der Nieder­schla­gung der Revolution hinge­rich­tet worden waren. Wilhelm I. hatte als preußi­scher Kronprinz 1849 die Bunde­s­trup­pen befehligt, die mit ihrem Sieg über die Revolu­tio­näre das Schicksal der badischen Republik besiegelt hatten.

 

Das Kaiser-Wilhelm I.-Denkmal. <br />Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe

Das Kaiser-Wilhelm I.-Denkmal.
Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe


 

Bundes­ge­richts­hof

Im Oktober 1950 nahm der Bundes­ge­richts­hof, das oberste Gericht der Bundes­re­pu­blik Deutsch­land im Bereich der ordent­li­chen Gerichts­bar­keit, im Erbgroß­her­zog­li­chen Palais seine Arbeit auf. Das Palais war 1891 bis 1897 erbaut worden und hatte bis 1918 dem Erbgroß­her­zog (ab 1907 Großher­zog) Friedrich II. als Wohnsitz gedient. Seit den 1950er-Jahren wurden mehrere Erwei­te­rungs­bau­ten für den Bundes­ge­richts­hof erstellt. Seine Bibliothek, die größte rechts­wis­sen­schaft­li­che Biblio­thek Europas, ist öffentlich zugänglich. In einem nördli­chen Neubau befindet sich das Rechts­his­to­ri­sche Museum.

 

Der Bundesgerichtshof, 2004. <br />Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe

Der Bundesgerichtshof, 2004.
Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe


 

Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt

1969 zog das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt, das seit 1951 seinen Sitz im Prinz­Max­Pa­lais hatte, in einen von Paul Baumgarten konzi­pier­ten Neubau, der Trans­pa­renz und Offenheit der freiheit­lich-demokra­ti­schen und rechts­staat­li­chen Grund­ord­nung symbo­li­sie­ren soll.

Das Bundes­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Aufgabe, die Freiheits­rechte des Einzelnen gegen den Zugriff des Staates zu sichern und Hüter der Verfassung zu sein. Das Gebäude ist für Gruppen­füh­run­gen nach Anmeldung zugänglich.

 

Das Bundesverfassungsgericht am Schlossplatz, 2004. <br />Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe

Das Bundesverfassungsgericht am Schlossplatz, 2004.
Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe


 

Platz der Grund­rechte

Der von Jochen Gerz auf der zentralen Achse der Stadt zwischen Schloss­platz und Marktplatz gestaltete Platz ist mit 24 roten Tafeln ausge­stat­tet. Auf der einen Seite tragen diese Aussagen von Vertretern des Rechts und des öffent­li­chen Lebens, auf der anderen Seite Aussagen von Menschen aus der Bevöl­ke­rung, darunter auch Menschen, über die Recht gesprochen worden ist. Alle Äußerun­gen beschäf­ti­gen sich mit der Frage, was Recht und Unrecht bedeuten. Der Platz wurde 2005 als Geschenk der Stadt zum 50. Geburtstag des Bundes­ver­fas­sungs­ge­richts angelegt. Wegen Bauar­bei­ten an einem benach­bar­ten Gebäude ist die Instal­la­tion bis ca. Mitte 2012 abgebaut.

 

Der Platz der Grundrechte, 2005. <br />Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe

Der Platz der Grundrechte, 2005.
Foto: Bildstelle der Stadt Karlsruhe