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Karlsruhe: Stadtgeschichte

Online-Einblick: Charleston und Gleichschritt - Karlsruhe in der Weimarer Republik

3 - Industrie, Arbeit und Soziales

Industrie

Im Laufe des 19. Jahrhun­derts hatte sich Karlsruhe allmäh­lich von einer Beamten­stadt zur Indus­trie­stadt entwickelt. Schwer­punkte waren dabei vor allem der Maschi­nen­bau, die Le­bens­mit­tel­in­dus­trie mit den Brauereien sowie die Kosmetik- und Pfle­ge­mit­tel­her­stel­lung gewesen. Die Eröffnung des Rhein­ha­fens ­brachte Anfang des 20. Jahrhun­derts einen erneuten Schub für die In­dus­trie, so dass sich dort zahlreiche Firmen nieder­lie­ßen.

Der Stadtplan von 1918/19 verzeich­net mehr als hunder­t ­In­dus­trie­be­triebe in der Stadt. Für die meisten dieser Un­ter­neh­men waren die Folgen des Ersten Weltkriegs gravierend. Insbe­son­dere die Geschäfts­be­zie­hun­gen zu Elsass-Lothrin­gen wur­den jäh unter­bro­chen, nachdem das ehemalige "Reichs­lan­d" wie­der ein Teil Frank­reichs geworden war. Mit der franzö­si­schen Rhein­ha­fen­be­set­zung und der Inflation 1922/23 kam die Produk­tion fast zum Erliegen, und viele Indus­trie­be­triebe konnten sich nur mit Mühe über diese Zeit hinweg­ret­ten.


Blick in den Bereich Industrie, Arbeit und Soziales

Blick in den Bereich Industrie, Arbeit und Soziales


Fahrrad der Firma Gritzner

Fahrrad der Firma Gritzner


Die Weltwirt­schafts­krise fünf Jahre später stürzte die Karls­ru­her Unter­neh­men erneut in eine Krise. Die Ma­schi­nen­bau­ge­sell­schaft Karlsruhe ging 1929 wegen ausblei­ben­der ­Auf­träge der Reichsbahn in Konkurs. Deren Entwick­lung und die der Nähma­schi­nen­fa­bri­ken Haid & Neu in Karlsruhe und Gritzner in Durlach, des Nahrungs­mit­tel­kon­zerns Sinner sowie der Toi­let­te­sei­fen­fa­brik Wolff & Sohn sowie deren Produktion und Pro­duk­ti­ons­be­din­gun­gen werden hier in Schlag­lich­tern beleuchtet.

Nähmaschine der Firma Haid & Neu

Nähmaschine der Firma Haid & Neu



Arbeit und Soziales

Die Einglie­de­rung des ehemaligen "Reichs­lan­des­" El­sass-Lothringen nach Frankreich hatte für Karls­ru­he weit­rei­chende Folgen. Die badische Landes­haupt­stadt hatte ­zahl­rei­che Flücht­linge und Vertrie­bene aufzu­neh­men und zugleich ­die wirtschaft­li­chen Folgen der Abtrennung zu tragen, da für die Karls­ru­her Industrie ein großer Absatz­markt wegbrach. Die Ein­rich­tung einer entmi­li­ta­ri­sier­ten Zone zwischen Deutsch­lan­d und Frankreich 1920 bedeutete den Verlust der Garnison Karls­ru­he ­mit ihren tausenden Soldaten. Zudem war die Stadt in den 1920er-Jahren zunächst durch die Inflation in ihrer ­wirt­schaft­li­chen Entwick­lung gehemmt. Die franzö­si­sche Beset­zung ­des Rhein­ha­fens im Ruhrkampf 1923 sorgte zusätzlich für eine ­emp­find­li­che Störung des Schiffs-, Eisenbahn- und Waren­ver­kehrs.


Blick in den Bereich Industrie, Arbeit und Soziales

Blick in den Bereich Industrie, Arbeit und Soziales


Blick in den Bereich Industrie, Arbeit und Soziales

Blick in den Bereich Industrie, Arbeit und Soziales



Unmit­tel­bare Folge dieser Ereignisse waren Arbeits­lo­sig­keit und Nah­rungs­mit­tel­knapp­heit. Die Stadt versuchte mit Not­stands­ar­bei­ten für Arbeits­lose im Hoch- und Tiefbau, der Be­schäf­ti­gung von Kriegs­in­va­li­den oder durch Spenden­samm­lun­gen wie die der "Karls­ru­her Notge­mein­schaft" die Armut zu bekämpfen. Auch im Ausland organi­sierte Hilfs­ak­tio­nen wie die ameri­ka­ni­sche Quä­ker­spei­sung für Schul­kin­der oder die Schweizer Suppen­kü­che ­lin­der­ten die Not.

Die Arbei­ter­be­we­gung setzte sich mit den Gewerk­schaf­ten für bes­sere Arbeits­be­din­gun­gen ein, war jedoch in unter­schied­li­che ­po­li­ti­sche Richtungen gespalten und dadurch geschwächt. Nach einer kurzen Phase der Erholung Mitte der 1920er-Jahre ­ver­schärfte die Weltwirt­schafts­krise 1929 die soziale Lage wie­der. Dies begüns­tigte unter anderem den Aufstieg der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten.


Lebensmittelmarken und Inflationsgeld

Lebensmittelmarken und Inflationsgeld


zum Ausstellungsbereich 4 - Planen und Bauen